Im Mai vergangenen Jahres wurde am Landgericht Frankfurt (Oder) ein 33 Jahre altes Mitglied der Hells Angels zu sieben Jahren Haft wegen versuchten Mordes verurteilt. Sein fünf Jahre älterer Komplize kam Mangels an Beweisen frei. Jetzt hat der Bundesgerichtshof das Urteil aufgehoben. Das heißt, dass der Prozess neu aufgerollt werden muss. In der Begründung heißt es, dass das Urteil mehrere Fehler aufweise. So soll eine DNA-Analyse methodisch falsch sein.

Rocker mit Baseballschläger und Messer schwer verletzt

Den beiden Männern war vorgeworfen worden, dem früheren Präsidenten der Hells Angels Nomads Holger B. am 15. Mai 2011 vor dessen Haus in Altlandsberg aufgelauert und ihn mit einem Baseballschläger sowie einem Messer lebensgefährlich verletzt zu haben. Der damals 54-Jährige überlebte den Anschlag, weil während seiner Behandlung im Notarztwagen den Ärzten ein Auto mit Blutkonserven entgegenkam und er so auf schnellstem Weg versorgt und notoperiert werden konnte.

Holger B., genannt Hocko, gelernter Zimmermann, stammt aus Schleswig-Holstein und wurde im Jahr 2000 Chef der Nomads. Acht Jahre später, während eines Mallorca-Urlaubs, wurde er entmachtet. Man warf ihm Untreue vor, er soll in die Clubkasse gegriffen haben.

„Out in Bad Standing“

Bereits 2008 hatten Hells Angels gegen ihn ein „Out in Bad Standing“ verhängt. Das bedeutet, dass kein Mitglied mit dem ehemaligen Chef Kontakt haben darf, aber jedes Mitglied ihn angreifen kann.

Hockos Nachfolger wurde Andre S. aus Hohenschönhausen. Die Polizei geht davon aus, dass Holger B. 2012 sich für seine Absetzung rächen wollte. Mithilfe eines Bekannten wurde ein Ukrainer angeheuert, der eigentlich mit einem Hammer die Kniescheiben von Andre S. zertrümmern sollte. In der Nacht zum 10. Juni schoss der Auftragskiller mit einer Pistole Sig Sauer am Lokal Germanenhof in der Zingster Straße auf den Lokalinhaber Andre S. Fünf Projektile trafen das Führungsmitglied der Hells Angels in den Oberkörper, ein Geschoss traf das Herz. Zwei verfehlten ihr Ziel. Tagelang lag Andre S. im Virchow-Klinikum im Koma, abgeschirmt von Rockern, bewacht von der Polizei.