Berlin/Schwerin - Innensenator Frank Henkel (CDU) ist in letzter Zeit viel unterwegs. Vergangene Woche war er auf dem Balkan, zur Zeit besucht er mit einer gemeinsamen Delegation der Länder Berlin und Mecklenburg-Vorpommern das deutsche ISAF-Einsatzkontingent am Standort Masar-i-Sharif im Norden Afghanistans.

Was ein Berliner Innensenator dort zu suchen hat, obwohl er zu Hause von der NSU-Affäre über den Polizeihubschrauberabsturz bis zur Beamtenbesoldung reichlich Probleme auf dem Tisch hat, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Da gibt es nur die üblichen Fotos mit wüstenfarbener Uniform und schusssicherer Weste, deren Botschaft ist, dass sich hier ein Konservativer um die Truppe kümmert, die in der Fremde im Felde steht.

Auf den zweiten Blick findet sich ein Besuchsanlass, denn auch Berlin hat etwa ein Dutzend Polizisten an den Hindukusch entsandt. Dort bilden sie afghanische Polizisten aus, die wiederum nach dem Motto „Train the Trainer“ weitere einheimische Polizisten ausbilden sollen. So sollen allmählich Sicherheit und Ordnung in das vom Krieg zerrissene Land einkehren.

Unangekündigter Besuch

Bei dem aus Sicherheitsgründen wie üblich nicht angekündigten Besuch informieren sich Henkel und Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier über das deutsche Engagement in der Region. Der Berliner Polizeipräsident Klaus Kandt begleitet Henkel.

Nach einem Zwischenstopp in Kabul reiste die Delegation mit einem ISAF-Flug nach Masar-i-Sharif, dem größten deutschen Stützpunkt in Afghanistan. Hier gedachten der Kommandeur im Regionalkommando Nord, Generalmajor Jörg Vollmer, und die angereisten Politiker gemeinsam am Ehrenmal der gefallenen ISAF-Soldaten.

Laut Vollmer hat sich die Sicherheitslage seit seinem letzten Einsatz 2009, als er schon einmal Kommandeur im Regionalkommando Nord war, verbessert. Er lobte die Motivation der für die Sicherheit verantwortlichen afghanischen Kräfte.

Der Leiter des deutschen Polizeiprojektes in Afghanistan, Polizeivizepräsident Wilhelm Schulz, betonte, dass die deutsche Hilfe bei der Polizeiausbildung für die gesamtstaatliche Entwicklung Afghanistans einen unverzichtbaren Beitrag leiste.

Sicherheit für Deutschland

Henkel besuchte die deutsche Polizeiausbildungsstätte (GPTC) und schlug bei seiner Bewertung des Einsatzes dort einen großen Bogen: „Diese Akademie schafft Sicherheit für die Bürger hier in Afghanistan und somit auch für die Menschen zu Hause in Deutschland.“ Er habe einen persönlichen Eindruck von den Arbeitsbedingungen und der Lebensumstände der Soldaten und Polizisten im Einsatz gewinnen wollen, und deshalb die Reise angetreten“, sagte Henkel.

In einer Gesprächsrunde mit aus Berlin und Mecklenburg-Vorpommern stammenden Polizeibeamten konnten sich beide Ressortchefs von ihren Mitarbeitern aus erster Hand informieren. Henkel und Caffier zeigten sich einig darin, dass die deutsche Verantwortung in Afghanistan auch nach dem Ende des ISAF-Mandates Ende 2014 nicht enden dürfe.

Für Henkel und seinen Schweriner Kollegen gibt es keine Zweifel am Sinn der weiten Reise. Die gewonnenen Eindrücke befähigten beide, nun fundierte Empfehlungen für ein weiteres Engagement im Bereich der Polizeiausbildung aussprechen zu können, teilte Henkel mit.