Henry Hübchen: Das Problem mit der Dreifaltigkeit

Berlin - Ob er will oder nicht, Henry Hübchen steht mit seinen Kinofilmen eigentlich immer in Konkurrenz zu irgendeinem Actionkracher. Wenn sich der Kinobesucher dann in der Kassenschlange zu entscheiden hat, muss er jetzt, wo aktuell mit Hübchen die romantische Komödie „Jesus liebt mich“ läuft, bedenken: „Den Actionfilm sollte man schon deshalb meiden, weil ich da nicht mitspiele.“

Alle, die nicht ohne Action auskommen können, lässt Hübchen wissen, dass es auch in „Jesus liebt mich“ Action gibt. Der Berliner Schauspieler, der derzeit auch im Kinofilm „Die Abenteuer des Huck Finn“ auf der großen Leinwand zu sehen ist, war beim Jesus-Filmprojekt schon im Boot, bevor Florian David Fitz das Drehbuch umschrieb und die Regie übernahm.

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Hübchen hatte zunächst starke Bauchschmerzen wegen des Scripts: „Dann kam eine Drehbuchfassung von Florian David Fitz. Die war sehr viel besser. Ich bekam Lust.“ Wann hat man schon mal die Gelegenheit, einen Engel zu spielen, der wegen der großen Liebe seine Unsterblichkeit aufgibt, zum Menschen wird und auf der Erde bleibt? „Eine interessante Ausgangssituation. Dazu fiel mir ganz viel ein.“

Die Ämterhäufung in den Händen von Fitz – er war Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller in einer Person – stellt sich aus dem Blickwinkel von Hübchen als nicht ganz unproblematisch dar: „In den Szenen mit Florian habe ich mich oft gefragt, guckt er mich als Jesus oder als Regisseur an?“ Die durchaus übliche Bildung temporärer Koalitionen funktioniert so einfach nicht.

Es war schwer, sich mal mit dem Regisseur gegen den Autor zu verbünden, weil Fitz immer als Dreifaltigkeit vor ihm stand. Für einen extra Regisseur spricht nach Hübchens Meinung einiges: „Ich glaube, man beraubt sich einer Kontrollinstanz und einer gewissen Schöpferkraft, wenn man sein eigenes Drehbuch als Regisseur verfilmt und dabei auch noch die Hauptrolle spielt. Das macht es schwer, neue, andere Gedanken zuzulassen. Man steckt da tief in seiner eigenen Gedankenwelt.“

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Mit ernstzunehmenden Blasphemievorwürfen gegen „Jesus liebt mich“ rechnet Henry Hübchen nicht: „Im Gegenteil, der Film ist doch sehr christlich.“ Auf die Frage, ob er selbst religiös sei, antwortet der 65-Jährige: „Noch nicht.“ Als er bei den Dreharbeiten zu „Polnische Ostern“ vor der Schwarzen Madonna in Czestochowa stand, fühlte er sich inspiriert. „In die habe ich mich verliebt. Kirchen haben eine Energie, der ich mich nicht entziehen kann. Man ist da in einer anderen Welt.“

Nach dem großen Erfolg von „Alles auf Zucker“, in dem Hübchen einen Juden spielte und seinem aktuellen Kinoauftritt als Erzengel Gabriel in „Jesus liebt mich“ fragt man sich natürlich, mit welcher Rolle er seine religiöse Trilogie vervollständigen wird. „Ein durchgeknallter Moslem fehlt noch. Oder ein abgeklärter Buddhist. Der würde mir noch besser gefallen.“

Bei der Komödie „Hai-Alarm am Müggelsee“, dem neuen Film von Leander Haußmann und Sven Regener, der am 14. März 2013 in die Kinos kommen wird, hätte Henry Hübchen ganz persönlich etwas vom Erfolg: „Da bin ich Ko-Produzent. Mit Film Geld zu verdienen, ist nicht einfach. Aber darauf muss man auch nicht abzielen. Man muss ein gutes Projekt machen und wenn man Glück hat, verdient man damit auch noch mehr als man braucht.“

Hübchen schaut, wie jeder gute Schauspieler, bei den herausragenden Kollegen genau hin und analysiert für sich im Stillen deren Methoden. Michael Gwisdek, der in „Jesus liebt mich“ als Gott zu sehen ist, findet er in dieser Rolle „göttlich“ und kann auch genau das Geheimnis seines Erfolgs beschreiben: „Es ist eine Spezialität von ihm geworden, am Schluss des Films aufzutreten. Und alle erinnern sich nur noch an Gwisdek.“

Das war auch schon in „Oh Boy“ und „Huck Finn“ so. Hübchen scheint durchaus bereit, von Kollegen solche Tricks zu lernen. In „Huck Finn“ hat Hübchen sich, wie er selbst sagt, „auch hinten noch mal reingedrängelt“. Weil es sein musste: „Anders kommt man gegen Michael Gwisdek nicht an.“