Berlin - Am Sonntagmorgen fehlt Änis Ben-Hatira beim Training der Profis von Hertha BSC. Der 24-Jährige sei in der Kabine und kuriere seine muskulären Probleme aus, teilt Hertha lapidar mit. Doch später stellt sich heraus, dass der Deutsch-Tunesier noch andere Probleme hat. Der offensive Mittelfeldspieler, der zuvor im Spitzenspiel der Zweiten Bundesliga beim 1. FC Kaiserslautern ein Unentschieden erkämpft hatte, war am Sonnabend mit seinem Team aus Frankfurt/Main nach Berlin zurückgekehrt.

Die Lufthansa-Maschine landete gegen 19.30 Uhr in Tegel. Nur rund zweieinhalb Stunden später wurde die Polizei vor das Lokal Vapiano in der Joachimstaler Straße gerufen, weil es dort zu Handgreiflichkeiten gekommen sei. Wie eine 25-jährige Frau der Polizei sagte, habe Ben-Hatira sie in seinen weißen Range Rover zerren wollen. Als ihm das nicht gelang, soll er ihr die Handtasche entrissen haben und in seinen wuchtigen Wagen gestiegen sein.

Den Vorwürfen der Frau zufolge nahm er dann Geld aus ihrem Portemonnaie und warf ihr durch das Fenster die Tasche vor die Füße. Danach sei er davon gefahren. Die Polizei leitete eine stadtweite Fahndung ein und entdeckte Änis Ben-Hatira schließlich gegen 22.40 Uhr in seinem Wagen an der Aral-Tankstelle in der Konstanzer Straße, wo er festgenommen wurde. Die Beamten fanden bei ihm auch die gestohlene Geldbörse. Nachdem die Personalien geklärt und Fingerabdrücke abgenommen wurden, ließ die Polizei ihn wieder frei.

Juristischer Beistand von Hertha BSC

Bei der Frau soll es sich um die ehemalige Freundin des Fußball-Profis handeln. Gegen den deutschen U21-Europameister von 2009, der inzwischen für die tunesische Nationalmannschaft spielt, wird wegen Raubes ermittelt.

Hertha BSC gab eine Stellungnahme zu diesem Vorfall heraus, in der es unter anderem heißt: „Änis Ben-Hatira hat uns sofort über diesen Vorfall informiert. Soweit uns bei der Vielzahl von Details eine erste Einschätzung möglich ist, halten wir die Schilderung des Spielers für nachvollziehbar und gehen davon aus, dass sich der Vorgang zugunsten von Änis Ben-Hatira aufklären wird. Zur rechtlichen Betreuung hat Hertha Änis Ben-Hatira einen juristischen Beistand vermittelt.“ Anwalt Uwe Freyschmidt teilte mit, dass Ben-Hatira die aus dessen Sicht nicht berechtigten Vorwürfe zeitnah entkräften wolle.

Polizei ermittelt gegen mehrere Hertha-Profis

Im November 2011 war Ben-Hatira schon einmal in die Schlagzeilen geraten – unverschuldet. Damals war seine Zwillingsschwester am Hermannplatz überfallen worden. Ihr wurde ins Gesicht geschlagen, zudem wurden ihr Bargeld und das Handy geraubt. Die beiden Geschwister mussten danach einen Psychologen konsultieren.

Ben-Hatira ist nicht der erste Hertha-Profi, gegen den die Polizei ermittelt. Angreifer Ashkan Dejagah – er ist jetzt beim FC Fulham in England aktiv – verbrachte 2007 eine Nacht auf der Gefangenensammelstelle in Tempelhof, weil man ihm zweifache Unfallflucht vorwarf. Der einstige Fanliebling Patrick Ebert, 14 Jahre Hertha-Profi (jetzt bei Real Valladolid in Spanien), ging 2009 als Verursacher der „Autospiegel-Affäre“ in die Annalen ein. Er soll mit dem Ex-Herthaner Kevin-Prince Boateng (heute AC Mailand) nach einer Party mehrere Autos beschädigt haben. Ebert schaffte damals die leidige Angelegenheit nach langem Zögern aus der Welt, in dem er den Strafbefehl über 56.000 Euro akzeptierte.