In der Nähe des Olympiastadions: Hier könnte das Fußballstadion stehen. Dafür müsste sich Hertha aber mit einer Wohnungsgenossenschaft verständigen.
Foto: Hertha BSC/AS+P/HHVision

BerlinDie Verwunderung ist groß. Noch bevor klar ist, ob sich der zentrale Festplatz in Wedding als Standort für eine reine Fußballarena eignet, wie sie sich Hertha BSC seit Jahren wünscht, hat sich der Fußball-Bundesligist jetzt für den Olympiapark als Platz für das neue Stadion ausgesprochen.

„Grundsätzlich ist der Standort Olympiapark der am besten geeignete“, sagte Herthas Stadion-Manager Klaus Teichert in einem Interview mit der Berliner Morgenpost. Und befand, dass dafür auch das denkmalgeschützte Maifeld  „selbstverständlich“ in Betracht komme.

Lesen Sie auch: Gegen Standort Tegel - Hertha plädiert weiter für neues Stadion auf Olympiagelände

Eignung des Festplatzes

Damit brüskiert Hertha BSC bei der Standortsuche die Berliner Landesregierung. Denn nachdem festgestellt wurde, dass am Flughafen Tegel wegen der dort vorgesehenen Nachnutzung kein Fußballstadion entstehen kann, lässt der Senat zurzeit prüfen, ob das Stadion nicht doch auf dem zentralen Festplatz errichtet werden kann.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung betonte am Montag, dass die „vertiefte Prüfung“, zur Eignung des Festplatzes sogar „gemeinsam mit Hertha“ beauftragt worden sei. Das Ergebnis der Untersuchung solle voraussichtlich Anfang März besprochen werden.

Hertha indes scheint schon zu wissen, dass der zentrale Festplatz nicht geeignet ist. Eines der Hauptprobleme sei die Anbindung des Festplatzes an den öffentlichen Nahverkehr, sagte Stadion-Manager Teichert. Einen U-Bahnanschluss gebe es nicht, nur mit der Straßenbahn werde es nicht funktionieren.

Neue Arena ohne Mittel des Landes

Hertha hatte vor etwa drei bis vier Jahren den Wunsch nach einem eigenen reinen Fußballstadion geäußert. Grund: Der Klub ist der einzige Bundesligist, der noch in einem Stadion mit einer 400-Meter-Laufbahn zwischen Rasen und Tribünen spielt. Echte Stimmung kommt allenfalls bei den wenigen ausverkauften Spielen gegen Bayern und Dortmund auf, aber nicht wenn sich – wie so oft – weniger als 50.000 Zuschauer im weiten Rund des Olympiastadions verlieren.

Das ist der neue Vorschlag zum Bau der neuen Fußballarena.
Foto: BLZ/Hecher

Hertha will deswegen eine eigene Arena errichten – ohne Mittel des Landes in Anspruch zu nehmen. Der Senat steht im Zwiespalt, dass er zum einen Hertha BSC unterstützen möchte, zum anderen aber darauf achten muss, das das Olympiastadion weiter wirtschaftlich betrieben werden kann. Noch ist Hertha dort der Hauptmieter.

Neuer Standort im Umland?

Auf der Suche nach einem geeigneten Standort hatte Hertha zwischenzeitlich auch einen Standort im Umland ins Gespräch gebracht. Bei den Fans gibt es dafür wenig Unterstützung, ebenso im Senat. Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport betonte am Montag, dass Hertha BSC „nach Berlin“ gehöre und dass der Senat „gute Rahmenbedingungen“ für den Verein bieten wolle.

Lesen Sie auch: Hertha und die Stadion-Frage: Jetzt kommt Bewegung in die Debatte um den Standort

Doch stellte die Behörde zugleich klar: „Ein Neubau auf dem ursprünglich vorgesehenen Gelände im Olympiapark ist derzeit ausgeschlossen, da für diesen Zweck Wohnungen einer Wohnungsbaugenossenschaft abgerissen und die Mieter umgesiedelt werden müssten.“

Innenverwaltung äußert sich nicht zu Maifeld-Vorschlag

Hertha BSC habe am Beginn der Gespräche zugesichert, hierfür eine Lösung zu finden, also einen Ersatzstandort für die Wohnungen. Das sei bislang jedoch nicht gelungen. Deswegen habe die Wohnungsbaugenossenschaft dem Verein eine Absage erteilt. Ein Umbau des Olympiastadions in eine reine Fußballarena komme aus Kosten- und Denkmalschutzgründen nicht in Betracht.

Zu der von Hertha ins Gespräch gebrachten Bebauung des Maifeldes äußerte sich die Innenverwaltung nicht. Dass die Denkmalschützer einem Neubau auf dem Maifeld zustimmen, gilt als unwahrscheinlich. Das Maifeld wurde 1936 zu den Olympischen Spielen fertiggestellt und war von den Nationalsozialisten als Platz für die Mai-Aufmärsche und andere propagandistische Veranstaltungen vorgesehen.