Blick aus der 18. Etage des Hochhauses Upper West auf das Gelände Hertzallee Süd. Der Altbau hinter dem Bahnhof Zoo ist das Oberverwaltungsgericht, der Neubau daneben ist der ehemalige Sitz der Berliner Bank. Rechts davon könnten Hochhäuser entstehen. 
Foto: Gerhard Lehrke

Mitten in der Stadt, aber seltsam unbelebt und wenig urban: Das Karree, das unmittelbar westlich des Bahnhofs Zoo liegt, wirkt wie ein Fremdkörper in der City. Jetzt soll dort gebaut werden – und zwar hoch. In einem Entwurf des Berliner Architekturbüros Kahlfeldt sind zwei Büro-Hochhäuser von 65 und 75 Meter Höhe geplant. Das Projekt „Hertzallee Süd“ wurde am Montag im Berliner Baukollegium beraten.

Das Gremium von sechs Architekten und Stadtplanern unter der Leitung von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher spricht Empfehlungen für die Umsetzung von Bauvorhaben aus.  

So könnten sich die beiden Hochhäuser von der Ecke Fasanen- und Hardenbergstraße aus darstellen.
Abbildung: Kahlfeldt Architekten

Das Gelände, von der Hertzallee, der Jebensstraße, der Hardenberg- und der Fasanenstraße umgrenzt, wurde bis 1945 vorwiegend vom „Heereswaffenamt“ genutzt. Hauptnutzer heute ist die Berliner Direktion der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) auf rund 2,6 Hektar.

So sieht das Gelände heute aus etwa der gleichen Perspektive aus.
Foto: Gerhard Lehrke

Christina Conradt-Rakai von der BImA erklärte vor dem Kollegium, als zuständige Einrichtung müsse ihr Haus Platz für Ministerien und oberste Bundesbehörden schaffen, und dafür biete sich das Gelände an.  

Denkmalschutz bremst Veränderungen

Ein noch nicht fertiger Bebauungsplan 4-69 sieht vor, dass das Gelände „nachverdichtet“ wird. Schon länger ist ein Hochhaus im BImA-Bereich im Gespräch.  Die Nachverdichtung soll jetzt den Abriss und Neubau von Gebäuden im Blockinneren umfassen. Nur dort kann mit den Bauteilen C und B4 etwas beseitigt werden, weil nahezu alle Gebäude drumherum unter Denkmalschutz stehen.

Die Karte zeigt die Lage des Geländes, in dessen Mitte das Hochhaus entstehen soll.
Karte: SenSW

Die Untersuchung vom Architekturbüro Kahlfeldt sieht jetzt keinen einzelnen Wolkenkratzer, sondern zwei ineinander verschobene Hochhäuser vor - ein sogenanntes Zweischeibenhaus. Sie könnten mit 65 und 75 Metern etwa so hoch werden  wie der Ruinen-Turm der Gedächtniskirche (71 Meter). Mit sechsgeschossigen Bauten westlich und östlich sollen sie mit den Bestandsgebäuden verbunden werden.

Dieses Haus im Inneren des Geländes Hertzallee Süd könnte abgerissen werden.
Foto: Volkmar Otto

In den Erdgeschossen der „Hochpunkte“, die einmal in Nord-Süd- und einmal in Ost-West-Richtung ausgerichtet werden könnten, ist eine Nutzung für das allgemeine Publikum vorgesehen – zum Beispiel Ausstellungsräume oder eine Kantine. Von der Hardenbergstraße aus sollen die Besucher zu Fuß über einen neuen Platz dort hingelangen. Autos sollen in einer zweigeschossigen Tiefgarage parken, die von der Fasanenstraße erreicht wird.

Das Modell einer der beiden Hochhaus-Varianten, an die sich zwei sechsgeschossige Verbindungsbauten anschließen.
Modell: Kahlfeldt Architekten

Die Vorstellungen des Büros Kahlfeldt sind eine Volumenstudie - wie die Gebäude am Ende aussehen werden, soll bei einem Architekturwettbewerb festgelegt werden.

Das ganze Projekt soll in der Bauverwaltung eine gewisse Unruhe verursachen: Es gibt Vorbehalte gegen weitere Hochhäuser in der Gegend, seit mit dem Upper West und dem Waldorf Astoria schon zwei knapp 120 Meter hohe Gebäude errichtet wurden und Signa (Eigentümer von Galeria Karstadt Kaufhof) beispielsweise am Kaufhaus zwischen Kudamm und Augsburger Straße gleich drei Häuser mit über 120 Metern bauen will.

Zu einer Ablehnung führte diese Unruhe nicht: Das Kollegium stimmte dem Vorhaben grundsätzlich zu, wünscht sich jedoch bessere Möglichkeiten für Passanten, das Gelände zu durchqueren. Eine endgültige Empfehlung wird für den September erwartet, wenn auch über das Areal nördlich der Hertzallee beraten ist.

Der Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, Oliver Schruoffeneger (Grüne), zweifelt am zielgerichteten Handeln des Senats: „Ende 2016 hat der Senat das Projekt für diesen Hinterhof der City West an sich gezogen, seither ist nichts passiert.“ Nach einer Auftaktveranstaltung zur Bürgerbeteiligung vor drei Jahren herrsche Stillstand. Der Bezirk wünsche sich zwar eine Verdichtung, aber ein Ziel von 4000 bis 5000 Arbeitsplätzen an diesem Ort ist laut Schruoffeneger nicht vorstellbar.

Das Oberverwaltungsgericht an der Ecke Hardenberg-/Jebensstraße. 
Foto: Gerhard Lehrke

Heute prägen zwei Gebäude an der Hardenbergstraße das Karree: Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg und das Bürogebäude von 1951 nebenan, das früher der Berliner Bank diente und in dem heute eine Reihe von Start-ups sitzen. In der Jebensstraße residieren das Museum für Fotografie und die Helmut-Newton-Stiftung und verschiedene Einrichtungen der Evangelischen Kirche. An der Fasanenstraße steht seit 2011 ein „Effizienzhaus“ des Bundes, als Prototyp von Gebäuden, die mehr Energie produzieren als verbrauchen.