Berlin - Hotels in Berlin sollen über Weihnachten nur in Ausnahmefällen Gäste beherbergen. Das gilt aber grundsätzlich auch für Familienbesuche, wie Wirtschaftssenatorin Ramona Pop am Dienstag nach der Sitzung des Senats erläuterte. „Bei den Übernachtungen ist es so, dass wir sehr klar appelliert haben, Reisen im Rahmen der Weihnachts- und Silvesterfeiertage zu unterlassen, wo nicht nötig“, sagte die Grünen-Politikerin. „Notwendige private Gründe“, die Hotelübernachtungen erlauben, können Pop zufolge auch bei Familienbesuchen gelten, etwa wenn die 87-jährige Tante sonst ganz alleine wäre. „Dann soll man lieber ins Hotel gehen, als bei der 87-jährigen Tante einzuziehen über Weihnachten“, sagte Pop. 

Das gelte aber nur „in ganz eingeschränktem Rahmen“. Der allgemeine Appell sei, Familienbesuche zu Weihnachten möglichst zu unterlassen, so die Wirtschaftssenatorin, die ein weiteres Beispiel nannte: Auch wenn jemand in Berlin gestrandet sei, weil er Anschlüsse nicht bekommen habe, müsse es die Möglichkeit für eine Hotelübernachtung geben.

Doch wie viele Hotels sind überhaupt geöffnet in der Stadt während der Corona-Pandemie? Und bedeutet die Beherbergung über Weihnachten für sie einen signifikanten Unterschied in der Kasse?

Keine touristischen Reisen nach Berlin erwünscht

Mit seiner Linie in Hinblick auf Verwandtenbesuche zu Weihnachten schloss sich Berlin schon vor Wochen den Ländern Hessen und Nordrhein-Westfalen an. Auch in Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein sollten tageweise Hotelübernachtungen zu Weihnachten möglich sein.

An den Hotels in Berlin jedenfalls scheitert eine Notübernachtung nicht. Sie  sind größtenteils vorbereitet. Nach einer Blitzumfrage der Dehoga, nicht ganz repräsentativ, haben etwa 70 Prozent der Hotels und Pensionen in Berlin weiterhin geöffnet. Es bereite ihnen keinerlei Probleme, weitere Gäste aufzunehmen, sagt der Geschäftsführer des Berliner Hotel- und Gaststättenverbands, Thomas Lengfelder. „Die Hotels haben gute Hygienekonzepte, es ist sicher, hier zu übernachten.“

Wer aber kontrollieren soll, zu welchem Zweck ein Gast eincheckt, bleibt auch für ihn offen. „Hoteliers sind kein Kontrollorgan, kein Ordnungsamt, keine Polizei“, so Lengfelder. Bei Geschäftsreisenden erschließe sich über eine Reservierung via Firmenaccount der Zweck der Reise. Bei Privatreisenden ist das nicht so.

Öffnung über die Feiertage gilt als nicht rentabel

Auch Verena Jaeschke, die den Familienbetrieb Oderberger in Prenzlauer Berg betreibt, ist verunsichert. Derzeit bietet das Haus keine Übernachtungen an. Jaeschke hatte aber, wie viele andere Hotels und Pensionen in der Stadt, auf ein Ende des Lockdowns Mitte Dezember gehofft. Es gebe bereits Buchungen aus der Nachbarschaft, um Familienmitglieder unterzubringen. Normalerweise sei das Hotel zu Weihnachten ausgebucht, dieses Jahr aber erwarte sie deutlich weniger Gäste, so Jaeschke. Wenigstens über die Feiertage möchte sie das Hotel  öffnen, rentabel sei dies aber für das Oderberger nicht: „Das ist einzig eine Geste für die Gäste, die zu uns kommen wollen.“

Foto: Andreas Klug
Das Hotel in der Oderberger Straße ist eng mit dem Kiez verbunden, Weinachten ist das Haus normalerweise ausgebucht.

Derzeit sind die Häuser in Berlin laut Dehoga nur zu unter 10 Prozent belegt. Doch auch ohne Pandemie werden die Weihnachtstage generell nicht übermäßig gebucht. Die Gäste, die nun kommen dürften, seien ein Tropfen auf den heißen Stein, so Thomas Lengfelder. Die Hotels in der Stadt stünden mit dem Rücken zur Wand. „Sie sind am Limit und darüber hinaus“, sagt der Dehoga-Chef. Hotels rechnen mit einer wichtigen Kennzahl: dem Umsatz pro verfügbarem Zimmer. Dieser liegt im November laut Dehoga 88,5 Prozent unter dem Vorjahresumsatz, seit März 2020 bei 76 Prozent weniger Umsatz. Wenn die November- und Dezemberhilfen nicht schnell flössen, mahnt die Dehoga, müssten einige Häuser schließen.

Suman Rewari, der ein kleineres Hotel in der Kreuzberger Stresemannstraße betreibt, hegt keine Hoffnung, dass nun viele Weihnachtsgäste bei ihm einchecken werden. Seine einzigen Kunden sind derzeit Handwerker, die in der Stadt arbeiten. Von Montag bis Donnerstag sind einige Zimmer belegt. Am Wochenende und wohl auch an den Feiertagen bleibt sein Hotel leer – befürchtet er.