Berlin - Mist, schon wieder Geburtstag. Ungewöhnliche Zeiten sorgen für ungewöhnliche Gedanken. Früher haben sich viele auf ihren Geburtstag gefreut. Doch im Falle des Kindes fiel dieser besondere Tag nun in den auslaufenden Lockdown. Schon im vergangenen Frühjahr konnte der Geburtstag nicht mit Freunden gefeiert werden, weil die Kinder zwar in der Notbetreuung der Schule den ganzen Tag zusammen spielen und toben dürfen, sich aber nachmittags nicht im privaten Rahmen treffen sollen. Wenn bei Achtjährigen zwei Geburtstagsfeiern ausfallen, ist das eine ganze Menge. Unser Kind kann sich gerade mal an zwei Feiern vor Corona erinnern.

Überhaupt das Feiern. Das ist fast völlig in Vergessenheit geraten. Etwa die runden Geburtstage bei Oma, wenn zwanzig Verwandte aus allen Richtungen anreisten und einen Nachmittag lang im Garten saßen, grillten, quatschten, tranken, lachten und das Leben genossen. Und auch so manch rauschendes Hochzeitsfest wird ausgefallen sein. Profitiert haben Versicherer, die zum Kauf einer Hochzeitsversicherung raten, um eine coronabedingte Absage finanziell abzufedern.

Millionen von Euro wurden nicht verfuttert

Dann waren da noch die Weihnachtsfeiern. Fast jedes Büro und jede Firma feiert doch in irgendeiner Form. Nicht umsonst ist der Dezember der umsatzstärkste Monat vieler Kneipen. Alles ausgefallen. Da wurden viele Millionen Euro nicht verfuttert und nicht vertrunken. Da wurden Millionen Geschenke nicht verteilt. Diese kleinen Geschenke sind zwar oft ziemlich sinnfrei und schlecht für die Umweltbilanz, aber die Feiern an sich sind schon schön.

Nun könnten wir uns doch alle verpflichten, ein paar Feiern nachholen. Zweimal Hochzeit feiern, wird wohl niemand, aber vielleicht könnten wir den nächsten Geburtstag doppelt so groß feiern. Und die Kneipen könnten sich doch ein Vorbild nehmen an der Blumen-und-Bonbon-Industrie, die den Valentinstag zu einer Art inoffiziellen Feiertag gemacht hat.

Und so könnte die Gastronomie das zweite Wochenende nach den Ferien zur Sommerweihnacht erklären und alle Firmen aufrufen, die ausgefallenen Weihnachtsfeiern von 2020 nachzuholen. Wenn es dem Weihnachtsmann zu warm sein sollte, kann er Mantel und Bart weglassen, aber wenigstens Zipfelmütze tragen.

Also, ich würde hingehen.