In dem kleinen Büro an der Zinnowitzer Straße in Mitte klingelt dauernd das Telefon. Berliner rufen an, die etwas für Flüchtlinge tun wollen. An mangelnder Hilfsbereitschaft der Bevölkerung liegt es also nicht, dass die Flüchtlingsbetreuung in den vergangenen Wochen teils chaotisch abgelaufen ist. Aber nun soll alles besser werden. Die Berliner Stiftung „Gute-Tat.de“ und die Caritas haben im Auftrag des Senats Vermittlung und Koordination ehrenamtlicher Hilfe für Flüchtlinge in der ganzen Stadt übernommen.

An der Zinnowitzer Straße sitzen jetzt wochentags zu Bürozeiten gleich vier Mitarbeiter am Telefon und nehmen die Angebote von Berlinern entgegen. „Heute hat zum Beispiel ein deutsch-arabisches Ehepaar angerufen und Hilfe beim Übersetzen angeboten“, sagt Lorenz Lauer, Mitarbeiter bei Gute-Tat.de. Er hat das Paar an den Verein „Moabit hilft“ vermittelt. Andere Anrufer wollten ein Fahrrad oder Bettwäsche spenden. Lorenz Lauer hat sie auf die Internetseite „www.berlin-hilft-lageso.de“ hingewiesen, auf der man Spenden eintragen kann. Leute, die noch nicht genau wissen, wie sie helfen wollen, fragt er nach ihren Interessen und Fähigkeiten und vermittelt sie dann an ein Heim oder eine Initiative. Auch die Organisationen können sich mit ihren Wünschen melden.

Gebraucht werden derzeit vor allem Übersetzer für Behördenpost und Menschen, die die deutsche Sprache unterrichten. Besonders dringend sucht Lorenz Lauer Menschen mit Albanisch-Kenntnissen. Aber manche Flüchtlinge brauchen auch Hilfe, um den Alltag zu bewältigen. Sie sind noch nie Bus oder Bahn gefahren und hätten gern Begleitung auch beim Einkaufen und bei Arztbesuchen. Gesucht werden auch Freiwillige, die mit Kindern Fußball spielen oder Spenden sortieren.

An den ersten Tagen meldeten sich jeweils 70 bis 80 Freiwillige bei der Telefonhotline, jetzt seien es etwa 60 am Tag – zwischen 35 und 45 Jahre alt, mehr Frauen als Männer, sagt Stiftungsvorstand Jürgen Grenz. Die Stiftung vermittelt bereits seit 15 Jahren ehrenamtliche Helfer in Berlin. „Für die Grundversorgung mit Unterkunft, Essen und Trinken sollten Behörden zuständig sein. Aber wir brauchen darüber hinaus langfristiges Engagement“, sagte der evangelische Bischof Markus Dröge, Schirmherr der Stiftung.

Die Situation auf dem Lageso-Gelände in Moabit verbessert sich dagegen offenbar nur langsam. Auch am Montag warteten dort wieder Hunderte Flüchtlinge auf ihre Registrierung. Während die Behörde allerdings von deutlicher Entspannung durch alternative Registrierungsmöglichkeiten in Karlshorst und Wilmersdorf spricht, bleiben es für den Verein „Moabit hilft“ weiterhin „erschütternde Zustände“. Es fehle eine medizinische Grundversorgung. Ein Notarzt der Johanniter ist nun allerdings ständig anwesend. Die Hilfsorganisation wies die Vorwürfe zurück und sprach von gezielter Desinformation.