Berlin - Berlin bekommt eine neue Hilfseinrichtung für Obdachlose. Die Berliner Stadtmission eröffnet am Donnerstag ihre umgebaute Traglufthalle auf dem Containerbahnhof nahe der Frankfurter Allee, wie die Organisatoren mitteilten. Die Halle bietet 54 Plätze für Männer sowie 16 für Frauen und ist mehr als eine reine Notübernachtung. Jeweils von April bis Oktober wollen Sozialarbeiter künftig dort Menschen durch individuelle Betreuung Perspektiven aufzeigen. „Es geht darum, die Verelendung zu stoppen und Voraussetzungen für weitere Unterstützung zu klären“, sagte Ortrud Wohlwend, Sprecherin der Stadtmission. Ziel sei die Vermittlung in weiterführende Hilfen.

Begleitung bei den ersten Schritten

Voraussetzung sei allerdings, dass sich obdachlose Menschen für Hilfe öffneten. „Damit eine solche Beratung möglich ist, darf zum Beispiel keine extreme Alkoholabhängigkiet bestehen“, ergänzte Wohlwend. Geplant seien in der Regel drei bis vier Tage Aufenthalt und Begleitung bei den ersten Schritten, zum Beispiel zu Ämtern. Strenge Regeln gibt es auch: Das Hilfsangebot endet, wenn ein Gast die Zusammenarbeit verweigert oder zum Beispiel durch Gewalt oder Drogendelikte auffällt. Eine vierwöchige Sperre für weitere Übernachtungen ist dann auch möglich.

Damit verdoppelt die Stadtmission ihre Kapazität für qualifiziertere Hilfsangebote auf dann rund 140 Plätze. Rund 70 Plätze gibt es bereits das ganze Jahr über gemeinsam mit der Caritas in der Moabiter Franklinstraße. In diesem Jahr wird das neue Angebot zunächst nur für einige Wochen bestehen. Denn vom 1. November an wird die Traglufthalle mit dem Spitznamen „Halleluja“ wieder umgebaut und wie gewohnt mit geplanten 100 Plätzen als reine Kälte-Notübernachtung mit Essensausgabe dienen.

Erstmals wollen dort auch Sozialarbeiter der polnischen Hilfsorganisation Barka gezielt polnische Obdachlose ansprechen und Perspektiven für eine Rückkehr in die Heimat aufzeigen. „Den Hut behalten aber wir auf“, betonte Wohlwend. (dpa)