Grafik: BLZ/Galanty
Quelle: Stiftung Plantarium Berlin

BerlinDer April macht, was er will. Derzeit erscheint es so, als würde dies auch für den gesamten Planeten gelten. Eingeengt durch die vier Wände unserer Wohnungen fernab der Normalität unserer Lebenswelten bietet zumindest der gemeinsame Blick mit der Familie vom Balkon mit Fernglas oder Teleskop hinaus in die unendlichen Weiten des Universums Trost und Ablenkung. Wo auch immer wir auf unserem Planeten in den Himmel blicken, es sind dieselben Sterne und Planeten, unter denen wir leben, lieben und lachen.

Unser kosmischer Nachbar der Mond dient uns dabei als verlässlicher Wegweiser durch Raum und Zeit. In archaischen Zeiten ohne künstliches wie elektrisches Licht diente unser Trabant als natürlicher Lichtspender. Es ist daher kaum verwunderlich, dass sich bis heute Feiertage in vielen Kulturen am Mond orientieren. Jede Nacht steht der Mond leicht verändert am Himmel. Gerade in diesen Zeiten ist das eine Erinnerung an die kosmischen Zyklen. Denn allein der Lauf des Mondes um unseren Planeten und die dadurch entstehenden Mondphasen bilden einen leicht zu lesenden Kalender zur Organisation sozialer Strukturen. Steht der Mond der Sonne gegenüber, strahlt er als Vollmond, befindet er sich zwischen Sonne und Erde, sehen wir nur seine unbeleuchtete Seite als Neumond.

Venus als Abendstern im Sternbild Stier

Gleich am 1. April steht der zunehmende Halbmond (erstes Viertel) am Abendhimmel, der Vollmond erhellt die Nacht des 8. April, der abnehmende Halbmond (letztes Viertel) kann am 14. April beobachtet werden, Neumond wird am 23. April erreicht und am 30. April steht erneut der zunehmende Halbmond am Himmel. Ostern als das höchste christliche Fest orientiert sich an eben dieser feinen Himmelsmechanik. Ostern wird traditionell am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang gefeiert – in diesem Jahr am 12. April.

Mit Einbruch der Dunkelheit ist der Planet Venus für uns unverkennbar als Abendstern im Sternbild Stier auszumachen. In westlicher Richtung steht unsere kosmische Nachbarin hoch am Himmel und erreicht am 28. April ihren größten Glanz. Damit ist Venus nach Sonne und Mond das dritthellste Objekt am Himmel. Ihre Wolken, die ein Großteil des Sonnenlichtes reflektieren, sorgen für ihre herausragende Helligkeit, so dass man sie weit in die Nacht hinein bis zu ihrem Untergang gegen 0.30 Uhr beobachten kann. Im Laufe des Monats April erscheint Venus in der Vergrößerung des Fernglases oder des Teleskops immer größer, auch wenn die Venussichel weiter abnimmt und gegen Monatsende nur noch ein Viertel beleuchtet erscheint. Am 3. April wandert Venus südlich am Sternhaufen der Plejaden vorbei. Ein wunderbarer Anblick für jede Beobachterin und jeden Beobachter auf Erden!

Die Nächte werden kürzer

Mit jedem frühlingshaften Tag werden die Nächte kürzer, die Sternkarte zeigt den Himmel über Berlin daher später in der Nacht: Am 1. April um Mitternacht, am 15. April um 23 Uhr und am 30. April um 22 Uhr.

Über uns steht das Sternbild des Großen Bären als immerwährender Wegweiser zum Polarstern: Einen Teil des Sternbildes kennen wir gemeinhin als Großen Wagen. Verbindet man die hinteren beiden Sterne des Wagenkastens und verlängert diese Linie fünfmal weiter, erreicht man den Polarstern. Zieht man die kürzeste Verbindung zum Horizont, finden wir die Nordrichtung. Verlängern wir die gedachte Linie über den Polarstern hinaus, erreichen wir das Himmel-W, das Sternbild Kassiopeia.

Unser Blick geht zurück zum Großen Wagen. Nutzen wir die Deichsel als gekrümmten Zeigefinger und verfolgen ihren Schwung weiter, erreichen wir erst den Stern Arktur im Bärenhüter, und weiter gen Horizont Spica in der Jungfrau. Zusammen mit dem hellen Stern Regulus im Sternbild Löwe bilden diese drei das Frühlingsdreieck in Richtung Osten, während sich im Westen die letzten Wintersternbilder um das Sternbild Zwillinge herum gesellen.

Vier größte Monde mit kleinem Fernglas zu beobachten

Zu Monatsbeginn gehen die Planeten Jupiter, Saturn und Mars im Abstand weniger Minuten gegen 4 Uhr auf. Jupiter ist der größte und massereichste Planet unseres Sonnensystems. Bereits ein kleines Fernglas ermöglicht, es Galileo Galilei gleichzutun und die vier größten Monde zu beobachten: Io, Europa, Ganymed und Kallisto. Im Teleskop offenbart der Planet dann seine wahre Gestalt als Gasriese. Ohne feste sichtbare Oberfläche bestehen seine Wolkenschichten aus Wasserstoff, Helium, Methan und Ammoniak. Ein komplexes Wettergeschehen und seine schnelle Rotation sorgen für dicke Wolkenbänder und einige Sturmgebiete wie den sogenannten Großen Roten Fleck. Die gesamte Erde würde zweimal in diesen Sturm hineinpassen. Jupiter wandert weiter durch das Sternbild Schütze und wird im Laufe des Monats heller, so dass er in diesem Himmelsbereich kaum zu übersehen ist. Zum Monatsende geht Jupiter bereits um 2.27 Uhr auf.

Der Ringplanet Saturn steht unweit im Sternbild Steinbock. Auch er geht immer früher auf, so dass Saturn am 30. April bereits um 2.41 Uhr aufgeht. Mit dem Fernglas lassen sich wunderbar seine Ringe beobachten, die erst aus der näheren Betrachtung von Raumsonden ihre wahre Gestalt als unzählige Eis- und Gesteinsbrocken preisgeben.

Der rote Planet Mars hat Jupiter und Saturn überholt und wandert im April weiter durch das Sternbild Steinbock. Wenn er in der Antike noch mit Feuer und Blut in Verbindung gebracht wurde, so wissen wir heute um das Eisenoxid, um den Rost im Sand und Gestein, das ihm seine markante Farbe verleiht.

Komet C/2019 Y4 Atlas

Der Blick in den Himmel fasziniert uns Menschen seit jeher. Vor der Erfindung des Teleskops, bevor wir ergründen konnten, wo und wie unser Platz im Kosmos verortet ist, war der Blick in den Kosmos von Mystik und Aberglaube geprägt. Wir Menschen vermuteten, dass kosmische Zeichen irdische Ereignisse vorhersagen oder gar auslösen würden. Gerade Kometen galten bis in die Neuzeit hinein als Unglücksbringer und Zeichen der Götter. Doch sind es kilometergroße schmutzige Schneebälle, die aus den Außenbezirken des Sonnensystems Kunde aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems bringen. Kommen Kometenkerne in die Nähe der Sonne, werden sie aufgeschmolzen und bilden eine leichte Gashülle, eine Koma aus. Der Sonnenwind, ein ständig von der Sonne ausgehender Partikelstrom, reißt diese Teilchen vom Kometen weg, ein wunderschöner Schweif entsteht.

In den nächsten Wochen könnte sich der Komet C/2019 Y4 Atlas zu einem markanten Objekt am Himmel entwickeln. Ende vergangenen Jahres entdeckt vom „Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System“ (ATLAS) erreicht der Komet am 31. Mai seine größte Annäherung an die Sonne. Eine Vorausberechnung der Helligkeit bleibt bis dahin schwierig.

Sternschnuppenstrom in der Nacht zum 23. April

Gewiss ist, dass Kometen auf ihren Bahnen große Mengen Staub hinterlassen, der auf Erden für so manchen kosmischen Augenblick sorgen kann. Wandert die Erde durch eine solche Staubwolke, verglühen diese Gesteinsbröckchen als Sternschnuppen. In der Zeit vom 16. bis 25. April ist der Sternschnuppenstrom der Lyriden aktiv. Das Maximum ist für die Nacht vom 22. auf den 23. April zu erwarten. Wenn auch nur wenige Sternschnuppen vorausgesagt sind, haben wir nunmehr genügend Zeit, um uns gemeinsam auf die Lauer nach diesen flüchtigen Ereignissen zu machen. Möge hier vielleicht doch der eine oder andere Wunsch in Erfüllung gehen.

Während draußen die Natur wiedererwacht und neuen Schwung holt für den neuen Zyklus des Lebens aus Entstehen und Vergehen, bestimmen andere Themen unser Miteinander. Bei aller Sorge um die menschliche Gesundheit sollten wir gleichermaßen global die Zukunft des Planeten diskutieren, gar die Sinnhaftigkeit unser politischen und ideologischen Grenzen überdenken, wenn eben an jenen die Menschlichkeit versagt. Die kosmische Perspektive setzt hier unser derzeitiges Handeln in Relation – auf einem Planeten, der seit 4,5 Milliarden Jahren existiert und dessen Bewohner vielleicht im ganzen Kosmos auf dem einzig bewohnbaren Planeten leben. Es musste einiges im Universum zusammenkommen, dass Sie diese Zeilen lesen können. Vom Kohlenstoff, Sauerstoff, Eisen, der erst in Sternen zusammengebacken wurde, von unserer Sonne, die beständig und ruhig strahlt, einem Planeten im richtigen Abstand zu seinem Stern, ein Mond, der die Erdachse stabil hält und noch vieles mehr. Es gleicht einem Wunder, ein Wunder der Zufälle und Ereignisse, dass dies alles zusammengekommen ist. Im Kosmos wie auf Erden wachsen wir an solchen Veränderungen. Möge dieser April unseren Blick auf das Wichtige und Richtige im All lenken.