Berlin - Der Blick in den gestirnten Nachthimmel wird für uns Menschen immer beschwerlicher. Die irdischen Lichtquellen lassen von den 3500 Sonnen, die unsere Augen sehen könnten, nur wenige übrig. Es lohnt sich daher, aus der Stadt herauszutreten, um die ganze Pracht kosmischer Dimensionen entdecken zu können.

Nach der Sonne ist der Mond das zweithellste Objekt. Er leuchtet nicht selbst, sondern reflektiert das Sonnenlicht. Die Mondphasen entstehen allein durch seine Stellung auf dem Weg um die Erde: Steht er der Sonne gegenüber, strahlt er als Vollmond, befindet er sich zwischen Sonne und Erde, sehen wir nur seine unbeleuchtete Seite. Wir sprechen von Neumond, der uns am 28. September ereilte. Am 5. Oktober leuchtet die Sichel des zunehmenden Halbmondes (erstes Viertel) am Abendhimmel.

Der Vollmond erstrahlt in der Nacht des 13. Oktobers. Der abnehmende Halbmond (letztes Viertel) kann am 21. Oktober beobachtet werden, und am 28. Oktober gibt es wieder Neumond. Besonders schön anzusehen ist es, wenn der Mond in der Nacht vom 17. zum 18. Oktober nahe dem Stern Aldebaran im Sternbild Stier durch den Sternhaufen der Hyaden wandert.

Himmel über Berlin: Titan lässt sich mit Teleskopen erspähen 

Der rötlich leuchtende Stern befindet sich am Ende seines kosmischen Lebens. Vergeht er, werden große Massen an schweren Elementen wie Kohlenstoff oder gar Eisen in die Tiefen des Universums geworfen. Baumaterial für neue Sterne und vor allem für neue Planeten!

Nach Sonnenuntergang ist es der Planet Jupiter, der als erster erfolgreich gegen die Dämmerung ankämpft – gefolgt vom Ringplaneten Saturn. Beide können wir ebenfalls nur beobachten, weil Planeten Sonnenlicht nur reflektieren. Der größte Planet des Sonnensystems wandert weiter durch das Sternbild Schlangenträger und steht, wenn es dunkel genug für die Beobachtung des Sternenhimmels geworden ist, in südwestlicher Richtung.

So tief wie er am Himmel steht, bleiben etwa anderthalb Stunden, um ihn zu beobachten. Ein gutes Fernglas gibt bereits den Blick auf die vier größten Jupitermonde preis, die bereits Galileo Galilei Anfang des 17. Jahrhunderts ausgiebig beobachtet hat. Am 1. Oktober geht Jupiter um 21.21 Uhr unter, am 31. Oktober bereits um 18.42 Uhr Winterzeit.

Saturn im Sternbild Schütze büßt gleichermaßen deutlich an Beobachtungszeit ein. Am 1. Oktober geht der Ringplanet um 23.14 Uhr unter, zum Monatsende bereits um 20.22 Uhr Winterzeit. In guten Teleskopen lässt sich sein mit über 5100 Kilometern Durchmesser größter Mond Titan erspähen. 

Seine dichte Atmosphäre aus Stickstoff enthält Kohlenwasserstoffe und ermöglicht ein komplexes Wettergeschehen aus Eis und Methanhydraten. Weitab der Sonne sorgen die Gezeitenkräfte des Saturn für Wärme im Inneren seines Mondes Enceladus, der als Eismond große Fontänen von flüssigem Wasser ins All schießt. Hier gibt es somit ausreichend Wärme für einen großen Ozean unter der Oberfläche.

Himmel über Berlin: Pegasus als Herbstviereck vertreten 

Etwa ab dem 20. Oktober hat sich die Venus langsam aus den Fängen der Sonne hervorgearbeitet und kann im Sternbild Waage gefunden werden. Am 31. Oktober dann geht sie um 17.18 Uhr Winterzeit unter. Durch ihre dichten Wolken wird ein Großteil des ankommenden Sonnenlichtes reflektiert. Wolken, die auf der Oberfläche der Venus für eine Gluthölle mit Temperaturen um 400 Grad Celsus sorgen – Tag wie Nacht.

Am 27. Oktober endet die Sommerzeit – hoffentlich bald zum letzten Mal. An diesem frühen Sonntagmorgen werden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt. Die eigentlich mit guten Absichten eingeführte Zeitverschiebung, um im Sommer die längeren Sonnenstunden für Arbeit und Leben zu nutzen, sorgt regelmäßig für Unmut und unausgeschlafene Gesichter im Büro. Der Nutzen der Zeitumstellung ist bis heute umstritten und nunmehr in europaweiter Diskussion.

Die Sternkarte zeigt den Sternenhimmel jeweils etwas später in der Nacht: Am 1. Oktober um 0 Uhr, am 15. Oktober um 23 Uhr, am 31. Oktober um 21 Uhr. Im Norden steht das Sternbild des Großen Bären als immerwährenden Wegweiser zum Polarstern, der uns wiederum den Weg gen Norden weist.

Einen Teil des Sternbildes der Großen Bärin kennen wir gemeinhin als Großen Wagen. Verlängern wir die gedachte Linie über den Polarstern weiter, erreichen wir das Himmel-W, das Sternbild Kassiopeia. In dieser Konstellation eine sitzende Königin zu erkennen, die sich mit Spiegel in der Hand ihre Haare kämmt, bleibt auch für das geübte Auge gewagt.

Unser Blick geht weiter zur schönen Andromeda, die das Königspaar Kassiopeia und Kepheus opfern mussten, um an der Macht ihres Reiches bleiben zu können. Gut nur, dass der Held Perseus der bereits an Felsen angeketteten jungen Dame zur Seite sprang und sie rettete, spätere Heirat, Mitgift und Thronfolge inklusive. Das geflügelte Pferd Pegasus, ein Kollateralschaden eines anderen Abenteuers Perseus, ist in zweiter Funktion als Herbstviereck am Himmel vertreten.

Raumstation ISS ist im Oktober zu sehen  

Mit Hilfe der Kassiopeia finden wir den Andromedanebel. Nutzt man die rechte Seite des Himmels-W als Pfeil und folgt der Richtung gen Horizont, trifft man genau auf unsere Nachbargalaxie, die in unvorstellbaren 2,5 Millionen Lichtjahren Entfernung steht. Am Himmel lässt sich diese eigenständige Milchstraße als kleine, leuchtende Zigarre ausmachen. Auch hier ist die Beobachtung unter einem dunklen Himmel außerhalb der Städte angeraten.

Unweit, im Sternbild Widder, zieht ein weiterer Planet seine Kreise. Der Uranus erreicht am 28. Oktober die Opposition. An diesem Tag befindet sich Uranus der Sonne am Himmel genau gegenüber und kann die ganze Nacht beobachtet werden.

Trotz der Entfernung von fast drei Milliarden Kilometern – selbst das Licht benötigt von diesem Planeten über zwei Stunden und 37 Minuten zur Erde – kann man Uranus unter sehr guten, dunklen Beobachtungsbedingungen am Himmel finden. Der Blick durch ein Teleskop, vielleicht an einer der Berliner Volkssternwarten, lohnt sich. Waren es doch die Bahnfehler, Ungenauigkeiten der Position des Uranus, die zur Entdeckung des Planeten Neptun in Berlin führten – erstmals in der Astronomie durch mathematische Berechnung.

Einen von irdischen Lichtern ungetrübten Anblick des Sternenhimmels erleben die Kosmonauten wie Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation ISS. 400 Kilometer über der Erde vermag auch die Erdatmosphäre den Blick in den Kosmos nicht mehr zu trüben. Vom 1. bis 9. Oktober zieht die Raumstation am Abend, ab dem 24. Oktober in den frühen Morgenstunden als heller Lichtpunkt über das Firmament. Wenn es auf der Erde dunkel ist, die Raumstation aber über uns von der Sonne beleuchtet wird, reflektiert die Raumstation das Sonnenlicht, so dass sie deutlich zu sehen ist.

Es sind gerade die farbenprächtigen Ding, die uns in ihren Bann ziehen, wenn wir den Sternenhimmel mit all seinen Wundern betrachten können. In unendlichen Facetten offenbart das Universum eine große Geschichte.

Das Vermächtnis von Sigmund Jähn

Sind doch alle schweren Elemente des Kosmos, aus denen wir bestehen, wie Kohlenstoff oder Sauerstoff erst über Jahrmilliarden in den Sternen zusammengebacken und wiederverwendet worden. Als Sternenstaub sind wir im wahrsten Sinne des Wortes Teil des Universums.

Einen solchen unermesslichen Eindruck der Schönheit des Kosmos konnte auch der kürzlich verstorbene erste deutsche Kosmonaut Sigmund Jähn auf seiner Mission an Bord der Raumstation Saljut 6 genießen. In seinen sieben Tagen, 20 Stunden, 49 Minuten und vier Sekunden im All führte er nicht nur zahlreiche wissenschaftliche Experimente zur Beobachtung unseres Planeten durch, sondern brachte vielleicht auch einen neuen Blick auf die Erde mit zurück.

Es ist sein Vermächtnis, unsere Zugehörigkeit zum Kosmos verstanden zu haben, und so wurde er zu Lebzeiten nicht müde in Hunderten Vorträgen, Gesprächen und Interviews deutlich zu machen, dass wir unabhängig von Ländern, Systemen und Konfessionen alle Bürger eines einzigen Planeten sind, unserer Erde.