Himmelsanblick im Februar
Grafik: Blz/Hecher; Quelle: Stiftung Planetarium Berlin

Berlin - Der Blick in den Sternenhimmel ist für uns Menschen seit Jahrtausenden neben der intellektuellen Herausforderung, Positionen, Zusammenhänge und die Natur des Beobachteten zu ergründen, ein unvergleichliches emotionales Erlebnis. Viel beschworen sind die langen romantischen Nächte unter dem Sternenzelt. Sie wurden verewigt in Fabeln und Mythen der Sternbilder, die von Gottheiten zeugen, die mit Hingabe und reichlich menschlichen Verfehlungen ihre Zeit auf Erden verbracht haben.

Heute wissen wir, was die Welt im Innersten zusammenhält, wissen um die Physik des Universums und doch nimmt uns dies nicht den Zauber einer sternklaren Nacht. Der Blick in die Sterne über Berlin wird jedoch immer beschwerlicher. In jeder Nacht strahlen Straßenlaternen, Werbetafeln, Schaufenster und das Licht aus den Häusern und Wohnungen mit den Lichtern des Himmels um die Wette.

Dieser Februar bietet eine Nacht mehr

So manches Bauprojekt luftiger Transportwege erstrahlt auch ungenutzt jede Nacht, irdische Konsumtempel strahlen ihren vermeintlichen Börsenwert in das Dunkel der Nacht. Die irdischen Lichtquellen überstrahlen den Sternenhimmel und lassen von den 3 500 Sonnen, die unsere Augen sehen könnten, nur wenige übrig. Es lohnt sich daher aus der Stadt herauszutreten, um die ganze Pracht kosmischer Dimensionen – hoffentlich in Begleitung – entdecken zu können.

Dieser Februar bietet dafür eine Nacht mehr, den Schalttag des 29. Februar. Dieser zusätzliche Tag ist nötig, um die Rotationszeit der Erde von 23 Stunden und 56 Minuten mit dem Lauf der Erde um die Sonne zu synchronisieren. Denn bereits nach einem Jahr beträgt die Abweichung sechs Stunden, sodass nach vier Jahren ein 366. Tag des Jahres eingeschoben wird. Eine Schaltregel, die wir verschlüsselt schon auf der Himmelsscheibe von Nebra finden.

Nach der Sonne ist der Mond das zweithellste Objekt am Himmel. Der Mond strahlt nicht selbst, sondern reflektiert nur Sonnenlicht. Die bekannten Mondphasen entstehen allein durch die Position des Mondes auf seinem Weg um die Erde: Steht er der Sonne gegenüber, strahlt er als Vollmond, steht der Mond zwischen Sonne und Erde, sehen wir nur seine unbeleuchtete Seite, wir sprechen von Neumond.

Romantischer Anblick am 27. Februar

Am 2. Februar leuchtete die Sichel des zunehmenden Halbmondes am Abendhimmel, der Vollmond ersleuchtet die Nacht des 9. Februar, der abnehmende Halbmond kann am Morgenhimmel des 15. Februar beobachtet werden, am 23. Februar ist der Neumond erreicht. Mit Einbruch der Dunkelheit erkennen wir sofort das dritthellste Objekt, den Planeten Venus. Dicke, dichte Wolken, die ein Großteil des Sonnenlichtes reflektieren, sorgen für ihre enorme Helligkeit, die sie im Februar genauso wie die Dauer ihrer Sichtbarkeit weiter ausbaut.

Während Venus vom Sternbild Wassermann in die Fische wechselt, verspäten sich ihre Untergänge von 20.35 Uhr am 1. Februar auf 21.58 Uhr zum Monatsende. Gemeinhin nach der römischen Liebesgöttin benannt scheint sie alles andere als das zu verkörpern. 90 bar Atmosphärendruck zerschmettern alle irdischen Raumsonden, der Regen aus konzentrierter Schwefelsäure würde sein Übriges tun, würde dieser nicht gleich wieder auf dem Weg zur Oberfläche verdampfen.

Jedoch ergibt sich am Abend des 27. Februar ein herrlich romantischer Anblick, wenn die Sichel des zunehmenden Mondes unweit der Venus am Himmel steht. Der Planet Merkur hat es dagegen schwerer, auf sich aufmerksam zu machen. Nach dem römischen Götterboten als Gott der Diebe und Händler benannt, umrundet dieser Planet die Sonne in geringem Abstand, sodass Merkur aus Berlin heraus kaum zu beobachten ist.

Großer Bär über dem Nordosthorizont

Dennoch ergibt sich eine schöne Abendsichtbarkeit zwischen dem 5. und dem 12. Februar. Dabei bietet der 10. Februar, wenn Merkur seinen größten Winkelabstand zur Sonne erreicht hat, die beste Gelegenheit. An diesem Tag geht der flinke Planet um 18.49 Uhr unter. Im Fernrohr offenbart sich die wahre Gestalt, da Merkur als – von der Erde aus gesehen – innerer Planet Beleuchtungsphasen aufweist. Am 11. Februar lässt sich die sogenannte Dichotomie, also Halbmerkur erkennen. Bereits am 26. Februar überholt Merkur die Sonne und steht mit dieser am Tageshimmel.

Auch so manches Gebäude mag noch das letzte spannende Himmelsobjekt verdecken. Nur gut, dass die Sternkarte uns hier den Weg weisen kann. Diese zeigt den Sternenhimmel über Berlin später in der Nacht: am 15. Februar um 22 Uhr und am 29. Februar um 21 Uhr. Über dem Nordosthorizont steht das Sternbild des Großen Bären als immerwährender Wegweiser zum Polarstern: Einen Teil des Sternbildes kennen wir als Großen Wagen.

Verbindet man die hinteren beiden Sterne des Wagenkastens und verlängert diese Linie fünfmal weiter, erreicht man den Polarstern. Zieht man die kürzeste Verbindung zum Horizont, finden wir die Nordrichtung. Verlängern wir die gedachte Linie über den Polarstern hinaus, erreichen wir das Himmel-W, das Sternbild Kassiopeia, die als eitle Königin den Weg zu den Sternen gefunden hat.

Winterhimmel mit hellen Sternen

Auch wenn die aktuellen Temperaturen anderes versprechen, steht über uns der Winterhimmel mit einer ganzen Reihe sehr heller Sterne, die sich gut durch den Lichtschmutz der Stadt kämpfen. Kapella im Fuhrmann, Aldebaran im Stier, Rigel im Orion, Sirius im Großen Hund, Prokyon im Kleinen Hund und Kastor in den Zwillingen. Diese bilden gemeinsam das Wintersechseck.  

Am auffälligsten dabei ist das Sternbild des Himmelsjägers Orion. Drei Sterne bilden den Gürtel, zwei helle Sterne darüber stellen die Schultern dar und die zwei Sterne die Knie. Als Roter Überriese steht der Stern Beteigeuze als linke Schulter des Orion vor dem kosmischen Kollaps, dem größten anzunehmenden Sternenunfall, einer Supernova. Beteigeuze hat über die letzten Monate deutlich an Helligkeit eingebüßt, sodass Astronomen wie Amateurastronomen aufgerufen sind, den Stern genauer zu beobachten. Jedoch ist mit einem Sternentod nicht in kosmischer naher Zukunft zu rechnen.

Nutzen wir den Gürtel des Orion als Wegweiser und verlängern die Reihe gen Horizont, erreichen wir Sirius, den hellsten Fixstern am Himmel, im Sternbild Großer Hund. Verlängert man hingegen den Gürtel des Orion nach oben, gelangt man zum rötlich leuchtenden Auge des Stieres, dem Stern Aldebaran. Dieser steht vor dem v-förmigen Sternhaufen der Hyaden, die den Kopf des Stieres markieren. Im Körper findet sich ein weiterer, markanter Sternhaufen: die Plejaden.

Sterne haben keinen Einfluss auf irdische Geschicke

Das Sternbild Löwe mit dem Hauptstern Regulus ist ebenfalls deutlich in südöstlicher Richtung zu sehen, mit Arktur im Bärenhüter, und ein Teil des Sternbildes Jungfrau kündigt schon den Frühlingshimmel an. Die Sternbilder, die wir heute am Himmel kennen, bilden einen großen Geschichtszyklus aus Liebe, Tod, Eifersucht und Verderben.

Ein Geschehen, das wir heute eher im Privatfernsehen verorten würden. Denn die Sterne, die diese vermeintlichen Figuren bilden, stehen Lichtjahre voneinander entfernt und haben nachweislich keinen Einfluss auf die irdischen Geschicke. Jeder Kulturkreis hat dabei eigene Vorstellungen und Bilder geformt – in Zeiten ohne Papier, Fernsehen oder Twitter.

Unsere heutigen, von der International Astronomical Union (IAU) festgezurrten und normierten 88 Sternbilder liegen begründet in Überlieferungen aus Babylon, ergänzt um griechische, römische Göttergeschichten und neuzeitliche Erfindungen. Das umtriebige Werk des Göttervaters Zeus bildet oftmals die Grundlage für viele Erzählungen bildet.

Auf Planeten müssen wir bis in die frühen Morgenstunden warten. Den Anfang machte der rote Planet Mars (Kriegsgott), der am 1. Februar um 4.51 Uhr aufgegangen ist und am 29. Februar bereits um 4.28 Uhr. Am 11. Februar wechselt Mars vom Sternbild Schlangenträger in den Schützen. Als Kriegsgott mit Feuer, Unheil und Blut verbunden, scheint die rote Farbe perfekt für ihn zu leuchten, doch ist es Eisenoxid in Gestein und Sand, das ihm seine Farbe verleiht.

Versöhnliche Perspektive

Die Wissenschaft hat auch hier die archaische Vorstellung zerstört. Mars bot in der Vergangenheit gar große Ozeane und hätte damit der Erde ähnlich werden können. Beim größten und massereichsten Planeten unseres Sonnensystems war die Ahnung vielleicht schon richtig, denn Jupiter, oberste Gottheit der römischen Religion und dem griechischen Göttervater Zeus gleichzusetzen, ist der wahre König des Planetensystems. Als würde Jupiter dieses Loblied hören, nimmt seine Helligkeit im Februar zu, während Jupiter durch das Sternbild Schütze wandert.

Am 1. Februar ging Jupiter um 6.34 Uhr auf, am 29. Februar um beobachtungsfreundliche 5.03 Uhr. Ab der Monatsmitte bereichert der Ringplanet Saturn (Gott des Ackerbaus) ebenfalls im Sternbild Schütze die Himmelsszene. An diesem Tag geht Saturn um 6.20 Uhr auf, am 29. Februar schon um 5.30 Uhr. Mit dem Fernglas lassen sich wunderbar seine Ringe beobachten, die erst aus der näheren Betrachtung von Raumsonden ihre wahre Gestalt als unzählige Eis- und Gesteinsbrocken preisgeben.

Unsere Erde mittendrin

Bei allen irdischen und lichtintensiven Ablenkungen gibt uns der Blick in die Sterne eine versöhnliche kosmische Perspektive. Haben die irdischen Feiertage meist einen astronomischen Ursprung, so scheint der Valentinstag am 14. Februar eher dem Fachverband Deutscher Floristen gewidmet zu sein. Doch deutet sich an, dass in dieser Zeit die Natur wiedererwacht und deutlich auf den Frühling zuarbeitet.

Die langen Nächte erlauben den Blick auf den kosmischen Kreislauf der Sterne – vom Werden und Vergehen der Sonnen. Mit unserer Erde stehen wir dort mittendrin, da mit großer Wahrscheinlichkeit viele der Sterne eigene Planeten besitzen. Vielleicht gibt es da draußen weiteres Leben, das im immerwährenden Kreislauf der Jahreszeiten ihres Planeten ebenso auf mehr Licht, mehr Sonne und mehr gemeinsame Zeit für die Betrachtung des Kosmos hoffen.