Sterne-Gucken ist ein Abenteuer für die ganze Familie. (Symbolbild)
Foto: imago images / Frank Schultze

GülpeRaus aus dem Alltag, rein in die Natur. Schon kleine Mikroabenteuer können helfen, dem Stress zu entfliehen und den eigenen Horizont zu erweitern. Dazu muss man gar nicht weit weg fahren. Ein Tipp für besonders Ausgeschlafene liegt quasi „umme Ecke“ – rund 70 Kilometer westlich von Berlin.

Im Sternenpark Westhavelland lässt sich der Sternenhimmel in all seiner Pracht, Schönheit und Größe entdecken. Stadtkinder kennen ihn ja meist nur noch aus dem Planetarium. Denn neben Straßenbeleuchtung und Neon-Reklame leuchten nur noch die ganz großen Sterne hell genug.

400 Sterne in Berlin, 3500 Sterne im Westhavelland

„In Berlin entdeckt man meist nur Teile der Sternbilder, denn am Berliner Nachthimmel kann man wegen der Lichtverschmutzung nur bis zu 400 Sterne sehen. Im Westhavelland, wo es richtig dunkel ist, sieht man 3500 Sterne und auch das Band der Milchstraße. Das ist atemberaubend“, erklärt Stefan Gotthold von der Archenhold-Sternwarte im Treptower Park, die wegen der Corona-Krise noch geschlossen ist, gegenüber dem RBB.

Besonders in der etwa 40 Quadratkilometer großen Kernzone zwischen Gülpe und Nennhausen lassen sich die Himmelskörper gut beobachten. Die Region ist nur dünn besiedelt. Die vergleichsweise geringe künstliche Beleuchtung erlaubt einen ungetrübten Blick auf einen grandiosen Sternenhimmel.

Seit 2014 als erster Sternenpark Deutschlands anerkannt

Im Naturpark wird mit umweltverträglicher und bedarfsorientierter Beleuchtung die natürliche nächtliche Landschaft erhalten. An den dunkelsten Orten zeigt das Sky Quality Meter Werte wie in den dunkelsten Wüsten und Gebirgen der Erde. Auch deshalb hat die International Dark Sky Association (IDA) den Naturpark Westhavelland im Februar 2014 als ersten Sternenpark Deutschlands anerkannt.

Es gibt keinen „Eingang“ und auch keine Eintrittsgebühr. Auch in Corona-Zeiten kann man sich hierher aufmachen – Abstand zu anderen Sterne-Guckern zu halten, versteht sich von selbst.

Das Westhavelland ist vor allem bekannt als international bedeutender Rastplatz für Zugvögel und Lebensraum vieler gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Wat und Wasservögel, Biber und Fischotter, Seeadler und Rotmilan sind hier ebenso anzutreffen, wie die letzten Großtrappen Deutschlands. Der einzigartige dunkle Nachthimmel über dem Gebiet gilt bei Ausflüglern noch als Geheimtipp. 

Was man braucht, um loszulegen?

Seine Augen: Am besten macht man sich mit dem Nachthimmel vertraut, indem man nur seine bloßen Augen benutzt. Wenn Sie bereit sind, in Ferngläser oder Teleskope zu investieren, dann wenden Sie sich an eine Volkssternwarte, ein Planetarium oder einen spezialisierten Händler.

Eine rote Lampe: Ihre Augen können bis zu zehn Minuten benötigen, um sich vollständig auf die Dunkelheit einzustellen. Dann ist Ihre „Nachtsicht“ eingeschaltet und erlaubt Ihnen die beste Sicht auf die Sterne. Vermeiden Sie es, während dieser Zeit in helle Lichter zu schauen. Rotes Licht stört die Nachtsicht nicht. Es gibt Kopfleuchten mit rotem Licht oder Sie bekleben Ihre Taschenlampe mit einer roten Filterfolie (Bastelbedarf).

Eine Sternenkarte: Nutzen Sie die vier Sternenkarten, um sich am Himmel zu orientieren. Sie zeigen die Himmelsausschnitte Richtung Süden zu den verschiedenen Jahreszeiten. Blicken Sie Richtung Süden und halten Sie die Karte vor sich. Da die Planeten ihre Position verändern, sind sie nicht mit eingezeichnet.

Für Hobbyastronomen, Familien und Romantiker

Für Sternen-Gucker gibt es kaum etwas Schöneres als in klaren Sommernächten stundenlang im Freien auf dem Rücken zu liegen. Taschenlampe, Picknickdecke oder Isomatte, vielleicht ein Snack für Zwischendurch und einen Stuhl – und schon geht die Reise los. Einfach hinfahren, sich einen schönen Platz aussuchen und die Dunkelheit und den Nachthimmel genießen. 

Ein echtes Naturabenteuer also– für Jung und Alt gleichermaßen, für die rund 50.000 Hobbyastronomen in Deutschland, für Familien oder Verliebte. Von leichtem Grusel und Taschenlampen-Glück für die Kleinsten im stockfinsterem Wald bis zur herrlichen Romantik mit dem oder der Liebsten wird alles geboten. Bleibt die Frage: Wer entdeckt den „Großen Bären“ oder das Sternbild „Jungfrau“ als erstes? 

Und so geht es:

  • Am besten sind sternenklare Nächte geeignet. Sie sind naturgemäß kühler. Ziehen Sie sich entsprechend warm an.
  • Informieren Sie sich, wann die Sonne untergeht und beginnen Sie die Beobachtungen mindestens eineinhalb Stunden später, sodass der Himmel richtig dunkel ist.
  • Auf der Sternenpark-Karte findet man die Orte, die sich besonders gut eignen, um den Nachthimmel zu beobachten. Die Plätze, welche weiter nordwestlich im Naturpark liegen, sind dunkler, da dort die Lichterglocken von Berlin und Rathenow weniger stören.
  • Je weiter man von beleuchteten und bebauten Flächen entfernt ist, desto dunkler ist der Himmel und desto mehr Sterne kann man sehen.
  • Man bewegt sich in einem Naturschutzgebiet und sollte die Wege nicht verlassen.
  • Am besten kann man nach Sternen Ausschau halten, wenn das Mondlicht nicht so hell scheint. Sonst sind schwächere Sterne oder die Milchstraße kaum zu sehen.