Für das geplante Hines-Hochhaus steht die Baugenehmigung noch aus.
Frank Gehry

BerlinSeit mehr als 25 Jahren wird über die Hochhausplanung für den Alexanderplatz gestritten, jetzt soll dort der erste Turm gebaut werden. Der russische Investor Monarch will am Mittwoch dieser Woche den ersten Spatenstich für seinen 150 Meter hohen Wohnturm feiern, der neben dem Einkaufszentrum Alexa entstehen soll. Das teilte Monarch in einer Einladung mit. 

Ob ein zweiter 150 Meter hoher Turm, der vom US-Investor Hines geplant wird, gebaut werden kann, ist dagegen wieder fraglich. Der Monarch-Turm ist direkt neben dem Haupteingang des Alexa an der Grunerstraße/Ecke Alexanderstraße geplant. Mit 35 oberirdischen Geschossen soll das Gebäude das höchste Wohnhaus Berlins werden. Vier weitere Geschosse sind unterirdisch geplant.

Gestaltet wird der Turm nach Plänen des Architekturbüros Ortner + Ortner.  Ihr Entwurf sieht den Bau von 377 Wohnungen mit Größen von 30 bis 250 Quadratmetern vor. Zwei Etagen sind für eine Club-Lounge, ein Kino, einen Pool mit Gym-Bereich, Wellness-Spa sowie Konferenz-Räume und ein Restaurant reserviert.

Planung von 1993

Der Wohnturm ist das erste Hochhaus am Alexanderplatz, das nach dem preisgekrönten Entwurf des Architekten Hans Kollhoff aus dem Jahr 1993 gebaut wird. Der Plan sah vor, rund um den Alexanderplatz fast ein Dutzend Hochhäuser mit einer Höhe von 150 Metern zu errichten. Viele Häuser aus der DDR-Zeit sollten danach abgerissen werden, darunter das heutige Hotel Park Inn und das Haus des Reisens.

Mit dem Bau des Monarch-Turms soll am Mittwoch begonnen werden.
Foto: Concern MonArch

Da die zum Abriss vorgesehenen Häuser jedoch gut genutzt wurden und am Bau von Türmen kein Bedarf war, geschah lange nichts. Im Jahr 2015 ließ der Senat den Kollhoff-Plan überarbeiten. Danach sollten mehr Gebäude aus der DDR-Zeit stehen bleiben, deren Abriss eigentlich geplant war. Das Haus des Reisens und das frühere Haus des Berliner Verlags wurden sogar unter Denkmalschutz gestellt. Es waren aber weiterhin neun bis zu 150 Meter hohe Türme möglich.

In der Amtszeit von Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) hat sich der Umgang mit der Hochhausplanung geändert. Lompscher will in Absprache mit den Grundstückseigentümern erreichen, die bis zu 150 Meter hohen Hochhäuser zu verkleinern. Sie sollen sich, soweit möglich, am Hotel Park Inn orientieren und eine Höhe von 130 Metern nicht überschreiten. Der Blick auf den Fernsehturm soll so weniger stark beeinträchtigt werden.

Beim Monarch-Turm war eine Verringerung der Höhe jedoch nicht mehr möglich. Denn für den 150 Meter hohen Turm liegt bereits mit Datum vom 21. Februar 2018 die Baugenehmigung vor. Der Baubeginn war immer wieder verschoben worden, sodass zwischenzeitlich gemutmaßt wurde, Monarch wolle sein Grundstück verkaufen – dem wurde aber von Projektbeteiligten stets widersprochen.

Kritik am geplanten Turm des US-Investors Hines

Zum ersten Spatenstich am Mittwoch, um 11 Uhr, haben sich nun neben dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) der Gründer der Unternehmensgruppe Monarch, Sergej Ambartsumyan, und der Vorstandschef einer Projektentwicklungsgesellschaft von Monarch, Vanik Badeyan, angekündigt. Bei der Linken stoßen die Hochhauspläne seit Jahren auf Kritik.

„Für Berlin wäre es ein Glücksfall, wenn uns der pompöse Turm für den internationalen Jetset erspart bleibt, da er für die Stadt keinen Zweck hat, sondern lediglich die Kassen der Immobilienhaie füllt“, hatte die Linken-Abgeordnete Katalin Gennburg im August erklärt. „Berlin braucht keine Monarchen, sondern preiswerte Wohnungen und Raum zum Leben und Produzieren.“

Während der Monarch-Tower nicht mehr zu verhindern ist, richtet sich die Kritik nun gegen den geplanten Turm des US-Investors Hines. Hines will neben dem Grundstück mit dem Elektronikmarkt Saturn einen 150 Meter hohen Turm nach Plänen des Architekten Frank O. Gehry errichten. Dafür ist aber ein neues Bebauungsplanverfahren nötig, weil Hines den ursprünglichen Standort für das Hochhaus verschoben hat.

Arbeiten am Bebauungsplan liegen auf Eis

Ursprünglich sollte der Turm in etwa dort entstehen, wo der Elektronikmarkt errichtet wurde. Da dort jetzt kein Platz mehr ist, soll der Turm etwas weiter versetzt entstehen. Die Arbeiten am Bebauungsplan liegen bisher noch auf Eis, bis sich Hines und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) auf eine Vereinbarung zum Schutz des Betriebs auf der U-Bahn-Linie 5 verständigt haben.

Grund: Der neue Standort für das Hines-Hochhaus befindet sich auf einem aus dem Jahr 1930 stammenden Fundamentblock. Durch diesen Block verläuft der Tunnel der U-Bahn-Linie 5. Zwar haben sich Hines und BVG verständigt, dass es technische Lösungen zur Absicherung des U-Bahnverkehrs gibt, doch will die Stadtentwicklungsverwaltung das Bebauungsplanverfahren erst wieder aufnehmen, wenn auch die Technische Aufsichtsbehörde ihr Okay gegeben hat. So hieß es jedenfalls noch zuletzt.

Neue Argumente gegen den Hines-Turm

Doch jetzt tauchen auf einmal neue Argumente gegen den Hines-Turm auf. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher teilt in einer noch unveröffentlichten Antwort auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Gaby Gottwald und Katalin Gennburg mit, dass „eine rechtlich bindende Vereinbarung über einen neuen Hochhausstandort“ nicht abgeschlossen worden sei.

Auf die Frage, ob es rechtlich zulässig wäre, das Bebauungsplanverfahren für das Hochhaus abzubrechen oder nicht zu Ende zu führen und stattdessen einen neuen Bebauungsplan aufzustellen, um etwa die Sichtachse auf die Karl-Marx-Allee freizuhalten, antwortet Lüscher mit „Ja“. Der Investor habe derzeit nur einen Rechtsanspruch auf eine Bebauung mit einer Oberkante von 36,70 Metern über dem Gehweg.

Für die Linken-Abgeordnete Gaby Gottwald ist damit klar: „Hines hat sein Baurecht für ein Hochhaus verkauft. Dies wurde nicht genutzt. Ein neues Baurecht für anderen Ort gibt es nicht.“ Niemand sei gezwungen zu erlauben, auf dem BVG-Tunnel einen Turm zu bauen. Gottwald: „Mir fällt kein städtebaulich vernünftiger Grund ein.“