Hipster-Ranking: Bitte lasst Neukölln endlich in Frieden!

Wenig originell: Das britische Magazin TimeOut listet die vermeintlich „51. coolsten Nachbarschaften“ der Welt. Auf Platz 15: Neukölln. Mal wieder.

Hip seit gefühlt 500 Jahren: die Neuköllner Weserstraße
Hip seit gefühlt 500 Jahren: die Neuköllner WeserstraßeBenjamin Pritzkuleit

In den 80ern war das britische Magazin TimeOut neben Stadt- und Modemagazinen wie The Face und I-D das führende Blatt, wenn es um Londoner Underground-Kultur ging, ein Magazin, ähnlich dem Berliner Tip, von der Stadt für die Stadt. Wenn man wissen wollte, was in der damals hippsten Metropole der westlichen Welt passierte, kam man an TimeOut nicht vorbei.

Das Magazin hat es im Gegensatz zu vielen anderen ähnlichen Publikationen allerdings geschafft, eine Marke zu werden, die schon seit über 25 Jahren weit über das lokale Stadtleben hinausgeht. Es gibt TimeOut-Reiseführer, Foodmärkte in Metropolen wie Lissabon, Dubai, New York, Tokio und Montreal, dazu viele Kulturrezensionen und Listicles wie „The best things to do in Berlin“, oder „the 50 best love songs of all time“. Nun hat das Magazin wieder einmal die angeblich coolsten Stadtteile der Welt gekürt: „The 51 coolest neighbourhoods in the world“, für die laut TimeOut rund 20.000 Metropolen-Bewohner und Szenekenner befragt wurden.

Tempelhofer Feld, Hasenheide, Körnerpark

Auf Platz 15 findet man recht erwartungsgemäß Neukölln, denn Berlin muss ja offenbar irgendwie vorkommen in dieser Art von Bewertungsskala. Man fragt sich aber, ob das weltweit erscheinende Magazin nicht irgendein 15 Jahre altes Listicle rausgekramt hat in Anbetracht der Tatsache, dass Neukölln, eigentlich nur ein paar Straßen in dem riesigen Stadtteil, schon so lange als hip gilt, dass es nur noch das Gegenteil davon sein kann: ein durchgentrifizierter Kiez, der mittlerweile alle blöden globalen Hipster-Klischees bedient, die man auch in Städten wie eben London, Lissabon oder New York findet: Mandelmilch-Coffee-Buden, Designer-Secondhand-Shops, Galerien, hochpreisige Restaurants, vegane Imbisse und schicke Bars.

Viel eingefallen ist den Machern des Textes dann auch nicht, außer, dass der Neuköllner Spirit immer noch „alive“ sei, das könne man in den vielen türkischen Imbissen, libanesischen Supermärkten ebenso spüren wie an Orten wie dem Tempelhofer Feld, dem Körnerpark oder der Hasenheide. Wirklich? Gähn!

Es täte Neukölln unter Umständen ganz gut, wenn es mal nicht in den internationalen Fokus des EasyJet-Sets gezogen würde und man sich bei TimeOut auch mal anderen Berliner Kiezen widmen würde. Offensichtlich waren die britischen Magazin-Macher schon länger nicht mehr in der deutschen Hauptstadt.