Auch das idyllische Rixdorf, historischer Kern Neuköllns, hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt, auch hier hat das Nachtleben an Fahrt aufgenommen – ein Bar-Rundgang durch den Richardkiez, der in der Wipperstraße beginnt. Hier ist die Omega Bar. Von außen wirbt nur ein unscheinbares Holzschild für die recht große Bar. Viel Holz, unverputzte Wände, indirektes Licht und Kerzenschein sorgen für Kaminzimmeratmosphäre mit dem Charme des Unfertigen. Die Theke wirkt wie ein Empfangstresen mit Hockern. Ob man sich hier niederlässt, in den Sitzecken mit Holzbänken und Sofas oder in den zahlreichen Neben- und Hinterzimmern, der Gast kann entscheiden zwischen behaglicher Abgeschiedenheit oder trubeligem Barbetrieb.

Vier Fassbiersorten, eine gute Auswahl an Whiskys und Gins, Cocktails und ein Kicker erfreuen den Barbesucher. Der Samstag steht im Zeichen von Livemusik.

Das heimliche Herz Rixdorfs ist der Böhmische Platz, südlich des Richardplatzes. Um das kreisrunde Ensemble haben sich mit dem MalsoMalso, dem Rotbart und dem Barini gleich drei Bars jüngeren Jahrgangs angesiedelt. Vor fünf Jahren hat das MalsoMalso von Matthias Weißflog den Anfang gemacht. Seit drei Jahren dabei ist Barkeeperin, Bedienung und Köchin Lotti. Immer im Werden sei die erste Adresse am Platz, so die Gastronomin. Diverse Frühstücksmenüs zu erschwinglichen Preisen, Kuchen und Baguettes, fair kalkulierte Longdrinks und Cocktails – von morgens bis abends lässt sich gemütlich und in freundlicher Atmosphäre am Kaminfeuer verweilen. Das Publikum ist mit Familien aus dem Kiez, Hotelgästen bis zu Studenten sehr vielfältig. Zu Stammgästen werden sie schnell, dafür sorgen die entspannende Atmosphäre und Lotti mit ihrer gewinnenden Art. Gehobene Gastronomie hat sie gelernt, richtig zu Hause fühlt sie sich erst im MalsoMalso.

Wer eine Schwäche für internationale kreative Küche hat, steuert das Barini im Zentrum des Böhmischen Platzes an. Hausgemachte Smoothies und Limonaden, diverse Sekt- und Weinsorten und moderne türkisch-italienische Küche stehen für ein besonderes gastronomisches Konzept, das sich auch über die Grenzen des Kiezes rumgesprochen hat.

Neben Neuköllner Feinschmeckern steuern Hotelgäste und die Belegschaften ansässiger Unternehmen die im Designerschick minimalistisch eingerichtete Adresse an. Übers Frühstück, hausgemachte Kuchen, kreatives Fingerfood und warme Küche bis 23 Uhr setzen die Besitzerinnen Nadine Frontini und Tanya Barut auf Ganztagesgastronomie. Signora Frontini, die tätowiert und ebenso handfest wie leutselig unter einer kleinen Wollmütze hervorschaut, berichtet, dass sie ihre kurdische Mitstreiterin im Erstberuf kennengelernt habe. Die beiden jungen Damen sind von Hause Schauspielerinnen, die sich in Zeiten ohne Engagement in der Gastronomie über Wasser gehalten haben. „Gastronomie ist eine Bühne“, betont Frontini und erzählt, wie sie das Leben mitten im Kiez durch die Arbeit erst richtig lieben gelernt habe.

Gegenüber des MalsoMalsos liegt das Rotbart. Hier kommt der späte Abend zu seinem Recht. Grobe Holzdielen, unverputzte Wände, rustikales Mobiliar aus Holz mit alten Sofas, Deckenleuchten aus der Vintageabteilung, dazu Zigarettenqualm und eine umfangreiche wie akzentuierte Getränkekarte mit günstigen Tarifen. Wenn dann noch geschmackvolle Elektrosounds aus den Bässen kommen, ist die Rixdorfer Nacht rund um die lange ovale Theke des Rotbarts gebongt. Jeweils fünf Sorten Fassbier und Craft, sieben Sorten Whiskey, fünf Sorten Wodka und acht Sorten Rum, sowie das hauseigene Rotbier aus einer Marzahner Privatbrauerei lassen kaum Wünsche offen wenn es um Getränke geht. Im großen Nebenraum gibt es jeden Mittwoch Swing, dazu viele Konzerte. Selbst an Wochentagen ist das Rotbart, die jüngste Bar am Platz, zumeist mehr als gut gefüllt. Hier trinkt, raucht und lebt das junge Neukölln – vom Hipster bis zum Sozialarbeiter.

Die jüngste Entdeckung Rixdorfer Barkultur ist das Hugo Ball. Im April 2015 haben Lisa Ravery und ihre Mitstreiter die Flammerie eröffnet. Wie es der namensgebende deutsche Dadaist vermuten lässt, kommen die Inhaber aus der Kulturszene und pflegen ein entsprechendes Programm: Cabaret, Kleinkunst und Konzerte finden im Hugo Ball regelmäßig statt.

In Sachen Kulinarik stehen hausgemachte Limonaden und Brot ebenso auf der kleinen Karte, wie ausgefallene Cocktails mit frischen Beeren oder Basilikum, französische Weine und japanische Whiskys.