Die historische Mitte zwischen Fernsehturm und Spree soll ein Ort für alle sein, eine „Grüne Oase“, die der Erholung und der Freizeit dient. Der Platz vor dem Rathaus wird zu einem Ort der politischen Debatte entwickelt und auch die Geschichte des Stadtkerns soll erlebbar gemacht werden. So haben es viele Bürger im vergangenen Jahr diskutiert und zehn Leitlinien für das Gebiet zwischen Fernsehturm und Spree verabschiedet.

Diesem Votum haben sich am Donnerstag alle Parteien des Berliner Abgeordnetenhauses angeschlossen. Mit ihrem Beschluss schaffen sie zugleich Klarheit, dass die Mitte nicht kleinteilig auf historischem Stadtgrundriss bebaut wird, wie es Historiker und mehrere Initiativen fordern.

Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) bezeichnet den Beschluss als wegweisend. „Ich werte ihn als klaren Auftrag, dass die Mitte für alle öffentlich zugänglich bleiben soll und nicht kommerzialisiert wird.“ Festgefahrene Debatten seien in fruchtbare Bahnen gelenkt worden. Zugleich sollen die unterschiedlichen Spuren der Geschichte – und nicht einer Epoche allein – sichtbar gemacht werden, so Geisel.

Umstrittene Baupläne

Dennoch ist die Kernfrage noch immer nicht beantwortet, ob das Areal wieder bebaut wird, oder die riesige Freifläche erhalten bleibt und nur etwas hübscher gemacht wird. Erst kürzlich hatte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher bekanntgegeben, dass das Marx-Engels-Forum als möglicher Standort für den Neubau der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) in Frage kommt. Der Neubau soll etwa 270 Millionen Euro kosten. Auch ist nicht geklärt, ob der Neptunbrunnen zurück vor das Schloss versetzt wird.

Für Lüscher sind die Leitlinien sowie der Beschluss des Abgeordnetenhauses ein „sensationelles Konsensergebnis angesichts der jahrelangen völlig ergebnislosen Grabenkämpfe“. Drei Studien will sie nun zur historischen Mitte anfertigen lassen: Zur Geschichte, zum Stadtklima sowie zum Verkehr insbesondere auf den großen Trassen wie Karl-Liebknecht-Straße und Spandauer Straße. „Zur Geschichte werden wir zusammentragen, was die Archäologen an historischen Funden noch im Erdreich vermuten“, so Lüscher. Auch zu verschwundenen Denkmälern soll es Workshops geben, ebenso dazu, wie man die verschiedenen Zeitschichten initiieren kann. Bei den künftigen Prozessen werden die Bürger einbezogen, betont Lüscher. Ergebnisse der Studien sollen erst nach den Berlin-Wahlen vorliegen. Demnach wird das neu zusammengesetzte Abgeordnetenhaus 2017 darüber befinden, wie das Gebiet entwickelt wird.