Historische Sammlung: Das S-Bahn-Museum soll von Potsdam wieder nach Berlin ziehen

Potsdam - Der alte Streichhölzerautomat kann nicht bleiben. Auch der Fahrkartendrucker, der mit lautem Getöse Pappkärtchen ausspuckt, muss umziehen. Für die Stationsschilder aus der Zeit, als der S-Bahnhof Hackescher Markt noch Marx-Engels-Platz hieß, wird ebenfalls ein neues Domizil gesucht.

Das Berliner S-Bahn-Museum, eine Schatzkammer der Alltagsgeschichte in dieser Region, muss seinen jetzigen Standort in Potsdam-Griebnitzsee verlassen. Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Der Leiter Udo Dittfurth kündigte am Wochenende an, dass die Sammlung künftig in Berlin gezeigt werden soll, mit einem modernisierten Konzept.

„Am dritten Advent war unsere Ausstellung in Griebnitzsee zum letzten Mal für das Publikum geöffnet“, sagt Dittfurth. „Rund 120 Besucherinnen und Besucher kamen.“ Dann war Schluss, nach 20 Jahren.

„Unser Vermieter DB Energie betreibt im Erdgeschoss des Gebäudes ein Umspannwerk für die S-Bahn, für das es neue technische Anforderungen gibt, die einen Weiterbetrieb des Museums in der jetzigen Form nicht zuließen“, erklärt der ehrenamtliche Museumschef, der sein Geld als Stadtplaner in Berlin verdient. „Doch wir schließen nicht für immer, sondern wir sind dabei, zu neuen Ufern aufzubrechen – sowohl was den Standort betrifft als auch konzeptionell. Der Wechsel ist für uns eine Chance.“ Auch wenn nun erst mal viel Arbeit ansteht.

Schmuggel mit Kinderwagen

Mitglieder des Fahrgastverbands IGEB haben die Sammlung zusammengetragen. Viele Stücke stammen aus der Zeit, als der Senat 1984 den S-Bahn-Betrieb in West-Berlin von der DDR-Reichsbahn übernahm, Strecken stilllegte und andere modernisierte. Weitere Gegenstände wurden nach der Wende gerettet. Als der Fundus immer größer wurde, entstand der Wunsch, die Exponate öffentlich zu zeigen. Ende 1996 war es soweit: In einem ehemaligen Unterwerk, das einst die S-Bahnen nach Potsdam mit Strom versorgte, öffnete das S-Bahn-Museum für das Publikum. Im Frühjahr 1997 begann der reguläre Betrieb.

Das Museumsteam, das ohne staatliche Zuschüsse auskommt, hat die umfangreichste Sammlung über die Berliner S-Bahn zusammengetragen. Nicht nur Fahrzeug- und Technik-Fans können hier einiges entdecken. Es gibt auch Fahrkarten, Werbemittel und Dienstkleidung aus unterschiedlichen Epochen. Wer sich für die Geschichte interessiert, wird ebenfalls fündig.

Dittfurth hat einen Kinderwagen aus den 1950er-Jahren beigesteuert, den er auf dem Dachboden gefunden hat. „Solche Wagen wurden genutzt, um Schmuggelware mit der S-Bahn von Ost- nach West-Berlin zu bringen“, erklärt er. Die Waren wurden hineingelegt, das Kind kam obendrauf – und dann ging es zum Bahnhof. „Die S-Bahn ist ein Stück Berliner und zugleich deutsch-deutscher Alltagsgeschichte: Das wird weiter unsere Leitlinie sein.“

Das Team muss nicht nur den Umzug stemmen, also die Ausstellungsstücke nach Berlin bringen und die neuen Räume renovieren. „Wir sprechen auch darüber, wie wir die Präsentation modernisieren könnten“, so Dittfurth. „Wir wollen das historische Erbe der S-Bahn in zeitgemäßer Form präsentieren und so neue Interessenten, auch noch mehr Touristen gewinnen.“ Bislang kamen pro Jahr 1500 bis 2000 Besucher – künftig sollen es mehr sein.

Nahe der Innenstadt

„Wir sind dabei, einen neuen Standort zu suchen. Die Deutsche Bahn unterstützt uns dabei“, so Dittfurth. Inzwischen gibt es auch schon einen konkreten Vorschlag: „Das DB-Gebäude, das wir jetzt gemeinsam ins Auge gefasst haben, liegt im Osten Berlins, nahe der Innenstadt.“ Mehr will der Museumsleiter momentan nicht verraten.

Anfang 2017 wollen das Team und die DB das gemeinsame Konzept und den Zeitplan vorstellen. Der Umzug soll möglichst im nächsten Jahr über die Bühne gehen. Dittfurth: „Wir sind wir auf den guten Willen der DB angewiesen – nicht nur, was die ideelle Unterstützung anbelangt, auch materiell.“