Berlin - Sie sind gut 250 Jahre alt und blicken gleichmütig vom Dach der Humboldt-Universität auf den Boulevard Unter den Linden. Ob die acht Sandstein- Skulpturen, die eine Dauer-Leihgabe der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten sind, jedoch auf den Flügelbauten stehen bleiben können, darüber streiten sich jetzt die beiden Länder Berlin und Brandenburg. Ursprünglich standen die Figuren auf dem Potsdamer Stadtschloss, das derzeit als Landtagsgebäude wiedererrichtet wird und bis Herbst 2013 bezugsfertig sein soll. Nun hat die Brandenburger Landesregierung auch den dringenden Wunsch, dass die Figuren an ihren originalen Standort zurückkehren sollen.

Eine Einigung zwischen Berlin und Potsdam ist nicht absehbar. Vielmehr bekräftigen die Stiftung sowie das Landesdenkmalamt Berlin: „Die Figuren sollen erhalten und auch künftig auf dem Gebäude der Humboldt-Universität präsentiert werden“. Die acht Figuren der antiken Mythologie schmücken seit 1966 die Universität, sie gehören zu einem Ensemble von einst 76 Skulpturen auf dem Potsdamer Stadtschloss.

Kopien als Kompromiss?

Das Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, die DDR ließ die Ruine in den 1960er-Jahren abreißen. Von den Figuren blieben aber nur 17 erhalten, darunter die griechischen Götterfiguren Minerva und Herkules. Einige säumen Wege im Park Sanssouci, acht kamen auf das Dach der Uni. Diese Figuren sind laut Denkmalschützern inzwischen ein „integraler Bestandteil“ des Baudenkmals Humboldt-Uni.

Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Linke) zeigt sich von dieser Einschätzung unbeeindruckt und hat das Ziel, dass der Kunstschatz auf den zukünftigen Landtag zurückkehrt. „Der Wille ist da“, sagt Thomas Vieweg, einer von Markovs Sprechern. Voraussetzung sei, dass die Stiftung zustimmt und die Rückkehr nicht mit öffentlichen Mitteln, sondern zum Beispiel aus Spendengeldern finanziert wird. Der Landtagsneubau wird für 120 Millionen Euro errichtet. Für die historische Schlossfassade sowie das Kupferdach gibt es schon einen prominenten Geldgeber: SAP-Gründer Hasso Plattner hat dafür mehr als 20 Millionen Euro gespendet.

Um den Streit beizulegen, wird darüber nachgedacht, Kopien anzufertigen. Das ist teuer, pro Figur werden etwa 40.000 Euro veranschlagt. Die Kosten sind weder beim Landtagsbau noch bei der Sanierung der Uni vorgesehen. Zudem ist die Frage umstritten, wer erhält das Original und wer die Kopie? Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz meint, dass die Figuren nach Potsdam sollen. Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung, will die Originale in Berlin behalten.

In einem sind sich die Fachleute einig: „Die Skulpturen sind restaurierungsbedürftig“, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Stadtentwicklungsbehörde. Dazu soll es jetzt Untersuchungen geben.