Es ist ein dramatisches Szenario, das die evangelische Landeskirche am Freitag skizziert hat: Wenn neben der Friedrichswerderschen Kirche jetzt die nächsten Luxus-Häuser vom Unternehmen Frankonia gebaut werden, wird es zu weiteren Beschädigungen und irreversiblen Schäden an der Kirche kommen, die von Preußens Baumeister Karl Friedrich Schinkel bis 1830 errichtet wurde.

„Wir sind entsetzt und ratlos, wie mit einem Baudenkmal von internationaler Bedeutung umgegangen wird“, sagte Konsistorialpräsident Jörg Antoine. Durch den nur zehn Meter von der Kirche entfernt entstehenden Neubau, der drei Etagen in den Boden ragen soll, werde die Kirche bis zu einer städtebaulichen Bedeutungslosigkeit eingezwängt und weiter beschädigt.

Rechenfehler führte zu Schaden am Fundament

Schon jetzt ist die Kirche verwundet. Rückblick: Das Unternehmen Bauwert hob 2012 westlich des Schinkel-Hauses für ihre Luxuswohnungen in den Kronprinzengärten in nur 3,5 Meter Entfernung die Baugrube aus. Falsche Berechnungen führten dazu, dass die Kirchenfundamente absackten. Mit der Folge, dass quadratmetergroße Putzflächen von den Gewölbedecken herabfielen.

In den Pfeilern, in den gemauerten Rippen der Gewölbe sowie im Boden wurden klaffende, zentimeterbreite Risse festgestellt. „Die Kirche ist praktisch in der Mitte auseinandergebrochen. Die Schäden im Gewölbe sind gefährlich, weil sie zum Einsturz führen können“, sagte Pfarrer Stephan Frielinghaus am Freitag. Weil sich eine Hälfte der Kirche in Richtung Baugrube neigte, so beschrieb es Kirchenoberbaurat Matthias Hoffmann-Tauschwitz, wurde sie als Ausstellungsort der Staatlichen Museen zu Berlin geschlossen. Der Bezirk Mitte verhängte zeitweise einen Baustopp, die Bauwert verstärkte das Fundament.

Gleiches drohe nun auf der Ostseite, so Hoffmann-Tauschwitz. „Die statischen Reserven der Kirche sind aufgebraucht.“ Zwar werden die neuen Häuser in zehn Metern Entfernung errichtet. Wie Gutachter nachweisen, ändern aber auch erschütterungsarme Verfahren nichts daran, dass es weitere Beschädigungen geben wird.

Die Landeskirche drängt auf eine nachbarrechtliche Vereinbarung. Darin soll geregelt sein, dass Sensoren an der Kirche installiert werden, um Veränderungen aufzuzeichnen. Zudem soll sich Frankonia verpflichten, im Schadensfall den Bau zu stoppen und die Schäden zu beseitigen.

Frankonia-Vorstand Uwe Schmitz wies die Anschuldigungen zurück. „Ich habe vor zwei Wochen die Vereinbarung unterschrieben und der Landeskirche übermittelt. Wir haben alle Forderungen aufgenommen und Kostenübernahmen, Überwachungsmaßnahmen, Strafzahlungen und das Verfahren im Schadensfall geregelt.“

Schmitz räumte ein, dass sich das „Kirchenfundament beim Herstellen der Baugrube um maximal vier Millimeter senkt. Es werden neue Risse auftreten“. Außerdem gebe es mit den installierten Sensoren ein Frühwarnsystem. „Gibt es Bewegungen an der Kirche, werden die Schäden sofort beseitigt.“ Die Landeskirche erklärte am Abend, dass die Vereinbarung einseitig von der Frankonia unterzeichnet wurde, es einen Abschluss also noch nicht gebe.