Malerisch liegt das Häuschen im Lietzenseepark am Wegrand: Sein spitzes Dach ragt in die Baumwipfel, die roten Klinkersäulen an der Vorderfront laden Kinder zum Versteckspiel ein. Doch wer nähertritt, sieht Verfall: Die Läden des einstigen Kiosks sind versperrt, die Treppenstufen zum Haus brüchig. Das Parkwächterhaus befindet sich im Dornröschenschlaf. Doch dieser geht bald zu Ende: Ab September 2017 wird das Haus saniert.

Das romantische Häuschen ist 1925 gebaut worden und beherbergte bis in die Siebziger Jahre die Dienstwohnung des Parkwächters. Vor fünf Jahren schloss der Kiosk. Der Bezirk investierte lange nichts ins Haus, bald stand es vorm Verfall: Wasser floss ins Dachgeschoss, Marder nisteten sich ein und Dealer standen an den öffentlichen Toiletten.

Aus Träumen wurde ein Plan

Katja Baumeister-Frenzel wohnt nahe dem Park. „Vor drei Jahren saß ich abends mit einer Freundin zusammen und wir begannen davon zu träumen, was man aus dem Haus machen könnte“, sagt die 47-jährige Kulturwissenschaftlerin. Aus den Phantasien wurde ein konkreter Plan. Sechs Ehepaare bilden den harten Kern des Vereins ParkHaus Lietzensee, der sich im Herbst 2014 gründete.

Kurze Zeit später suchte der Bezirk nach Konzepten für das Haus. Im September 2015 stellte der Verein seine Ideen der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vor: Ein kleines Café soll entstehen, außerdem öffentliche Toiletten und im ersten Stock Räume, die von verschiedenen Interessenten genutzt werden: vom Repair Café zur Meditationsgruppe, vom Seniorentreff zum Kindergeburtstag. „Die BVV war total begeistert“, sagt Baumeister-Frenzel. Per einstimmigem Beschluss erhielt der Verein den Zuschlag, die Sanierung zu leiten und später den Betrieb zu übernehmen.

Fragte sich nur, woher die rund 600.000 Euro kommen sollten, die für die Sanierung nötig sind. Die Lösung bot Klaus Wowereit. Bei einem Fest im Park stellte sich der Verein dem damals noch Regierenden Bürgermeister vor. Der sagte: „Sprecht doch mal die Lottostiftung an.“ Der Tipp passte. Die Lottostiftung zeigte sich von Konzept und Planung angetan. Sie stimmte der Förderung im Herbst vergangenen Jahres zu, falls der Verein es schafft, selbst auch einen finanziellen Beitrag zu leisten.

Ein Barometer für den Spendenstand

„30 Tage – 30.000 Euro“ lautet die Kampagne, mit der Baumeister-Frenzel und ihre Mitstreiter dieses Ziel in den vergangenen Wochen erreichen wollten. „Wir haben schon rund 20.000 Euro zusammen“, sagt Carsten Knobloch, 46, der wie Baumeister-Frenzel Vereinsvorstand ist. Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann unterstützte die Kampagne als Schirmherr. Am Parkwächterhaus ist ein handgemaltes rotes Barometer angebracht, das die Summe anzeigt, die bereits gesammelt wurde. Passanten blicken unwillkürlich zu der improvisierten Anzeigetafel hoch.

Das Haus findet wieder Beachtung. Die hohen Eiben, die den Blick auf es versperrten, wurden vom Gartenbauamt gefällt. Der Verein nahm Reparaturarbeiten vor, so dass Dach und Fenster dicht sind. „Wir haben die Hecke und die Wiesen nach historischem Vorbild gepflanzt und den Zaun repariert und gestrichen“, sagt Baumeister-Frenzel. Eine Toilette im Erdgeschoss ist ebenfalls wieder benutzbar.

Holztische zum Kaffeetrinken

Bei schönem Wetter steht am Wochenende nachmittags ein nostalgischer Eiswagen und ein Coffee-Bike vorm Haus. An den Holztischen haben mehrere Dutzend Gäste Platz. „Man kann Sport- und Spielgeräte bei uns ausleihen: zum Beispiel Federball- und Tischtennissets“, sagt Baumeister-Frenzel.

Sportgeräte gab es auch früher schon. „Ein älterer Anwohner erzählte mir, dass unsere Idee gar nicht neu ist“, sagt Knobloch mit einem Lächeln. Für ihn ist die ehrenamtliche Arbeit rund ums Haus auch eine Chance, seinen Kiez neu kennenzulernen. Die Geschichten der Menschen in und um den Park herum festzuhalten, könnte ein Projekt sein, das im Haus angesiedelt wird.

Im Herbst 2018 soll die Sanierung beendet sein. Dann sollen Vereine, Künstler und Initiativen unter dem spitzen Dach einen Treffpunkt finden. „Hier kann dann viel entstehen“, sagt Knobloch. Seinen Mitstreitern und ihm ist wichtig, dass es ein Ort für alle ist. „Der Kaffee soll einen Euro kosten“, nennt er als Beispiel. Wer im Haus eine Veranstaltung anbieten möchte, soll Zugang bekommen. Für Kinder, Eltern, Senioren soll das Häuschen am See einfach ein Ort werden, zu dem sie gerne kommen.