Der Berliner Senat nimmt in der Debatte um die Gestaltung des Stadtzentrums einen neuen Anlauf. Der Bürgerdialog soll fortgesetzt werden und sich künftig nicht mehr auf die historische Mitte zwischen Rotem Rathaus, Marienkirche und Fernsehturm beschränken.

Der alte, rot-schwarze Senat hatte den Dialogprozess „Alte Mitte, neue Liebe“ vor zwei Jahren für beendet erklärt. Danach wurde es ruhig um die Umsetzung der erarbeiteten „Bürgerleitlinien“. Die jetzige Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) will nun neue Bürgerwerkstätten veranstalten, die sich mit weiten Teilen des östlichen Zentrums befassen.

„Stadtdebatte Berliner Mitte“

Die „Stadtdebatte Berliner Mitte“ umfasst künftig die Projektgebiete Alexanderplatz, Rathaus- und Marx-Engels-Forum, Molkenmarkt und Fischerinsel. Außerdem einbezogen werden die angrenzenden Bereiche des Entwicklungsgebietes Parlaments- und Regierungsviertel, das Humboldt Forum, die Breite Straße, der Petriplatz und das Gelände des ehemaligen Staatsratsgebäudes mit der European School of Management. Im Mittelpunkt der Stadtdebatte sollen die Themen Wohnungsbau, Gewerbe, Verkehr, Ökologie und Archäologie stehen.

Als erste konkrete Beteiligungsschritte sind Bürgerwerkstätten zur Gestaltung der Plätze vor dem Haus des Reisens und der Markthalle am Alexanderplatz geplant. Hinzutreten soll die „Entwicklung von temporären Gestaltungsideen für die Freiflächen des Rathausforums und des Marx-Engels-Forums mit dem Schwerpunkt auf Geschichtsentdeckung“. Ein weiterer Punkt ist die „Einrichtung eines ständigen Debattenortes im Projektgebiet“. Ein Terminplan steht bisher nicht fest.

CDU beklagt Untätigkeit

Die neuen Senatspläne sind auch als Reaktion auf Kritik aus dem Berliner Abgeordnetenhaus zu verstehen. Insbesondere die CDU beklagte, dass der Planungsprozess für die Stadtmitte „faktisch zum Erliegen gekommen“ sei. Nachdem Bausenatorin Lompscher nun ihre eigenen Vorstellungen dargelegt hat, mahnt der CDU-Fraktionsvorsitzende Florian Graf, „die verlorene Zeit aufzuholen“. Er fordert, noch 2017 einen städtebaulichen Ideenwettbewerb auszuloben und 2018 zur Fertigstellung des Humboldt Forums die Neugestaltung des Stadtkerns auf den Weg zu bringen.

Die CDU regt außerdem an, sich bei den Planungen künftig stärker am kleinteiligen historischen Stadtgrundriss zu orientieren, nicht am „Erbe der DDR-Moderne“. (mow.)