Hoch „Annelie“ hat Berlin glühend heiße Tage, tropische Nächte und beinahe einen neuen Hitzerekord beschert. Bei Temperaturen von bis zu 37,7 Grad verbrachten viele Hauptstädter und Besucher das Wochenende entweder am Wasser oder im Schatten. Volle Badestrände und lange Schlangen vor Hallenbädern waren die Folge. Der Notruf wurde zudem deutlich häufiger gewählt als üblich. Kreislaufprobleme hatten auch Besucher der Reichstagskuppel, die daraufhin geschlossen wurde. Am Sonntag wurde es zunehmend schwül, ein Unwetter bahnte sich an.

Unwetter mit heftigem Starkregen, orkanartigen Böen und Hagel

Zur Rekordtemperatur fehlten am Samstag nur 0,9 Grad. Im Juli 2007 war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mit 38,6 Grad der bislang höchste Wert aller Zeiten in Berlin gemessen worden. Am Sonntag kühlte es minimal ab: Bis zum frühen Nachmittag hatten die Thermometer nicht mehr als 35 Grad angezeigt. Dafür stieg die Luftfeuchtigkeit bereits am Vormittag auf bis zu 70 Prozent. Erste lokale Hitzegewitter werden für den frühen Abend erwartet: Der DWD warnt vor einem Unwetter mit heftigem Starkregen, orkanartigen Böen und Hagel. Am frühen Montag soll die Gewitterfront frühmorgens wieder abziehen und die Temperaturen um 27 Grad liegen.

An den Seen und Freibädern der Stadt herrschte ein enormer Andrang. Wer dort Abkühlung suchte, musste mit einer langen Wartezeit rechnen. In das Sommerbad Pankow etwa wurden die Besucher nur grüppchenweise hineingelassen. Immerhin wurden dort die Öffnungszeiten um zwei Stunden verlängert.

Wenige Besucher beim Hipster Cup in Friedrichshain

Anderswo trat der gegenteilige Effekt ein: Beim Hipster Cup in Friedrichshain am Samstag etwa zählte Organisator Alexander Bernikas nur die Hälfte der erwarteten 3000 bis 4000 Besucher. „Der See war die größte Konkurrenzveranstaltung“, sagte er.
Beim Tag der offenen Tür im Berliner Tierheim fiel aufgrund der Hitze das geplante Pitbull-Ballett aus. Die Hunde sollten eigentlich synchron Kunststücke vorführen. Das könne man ihnen bei so hohen Temperaturen nicht zumuten, entschied das Tierheim.

Ein Besuch im Schwimmbad oder ein Picknick im Grünen seien unbedenklich, teilte die Umweltverwaltung mit. Sie warnte allerdings vor hohen Ozonkonzentrationen von mehr als 180 Mikrogramm pro Kubikmeter. Berliner und Besucher seien gebeten, möglichst auf das Autofahren zu verzichten.

Mann im Plötzensee verschwunden

Ganz ungefährlich war das Baden jedoch nicht. Im benachbarten Brandenburg ertranken seit Freitag zwei Menschen, und im Weddinger Plötzensee verschwand am Samstagabend ein Mann beim Baden. Er sprang nach Polizeiangaben zusammen mit einem anderen Mann an einer unbewachten Stelle ins Wasser und war dann plötzlich weg. Eine Suche mit Tauchern der Feuerwehr und einem Polizeihubschrauber blieb erfolglos und wurde am Sonntagmorgen abgebrochen.

25-Jähriger ertrinkt in Bad Liebenwerda

Ein 25-jähriger Mann aus Kamerun ist in einem See im Kurort Bad Liebenwerda (Elbe-Elster) beim Baden untergegangen. Rettungskräfte hätten die Leiche im Zeischaer Kiessee gefunden, wie die Polizei am Sonntagabend mitteilte. Über die Ursache lagen keine Erkenntnisse vor. Badegäste hatten am Nachmittag die Rettungskräfte alarmiert. Die Suche war zunächst erfolglos geblieben. Erst am Samstagabend hatten Taucher die Leiche eines 63-Jährigen in der Uckermark entdeckt. Nach Polizeiangaben war er mit dem Auto am Freitagmorgen zum Mündesee bei Angermünde gefahren, kam aber nicht mehr zurück. Der Wagen wurde dort gefunden. Am Freitag war zudem ein 77-Jähriger beim Baden im Nymphensee bei Brieselang (Havelland) ertrunken.

Ein Feuerwehrsprecher berichtete am Sonntag von sehr vielen Einsätzen. Mehr als 1700 Mal sei der Notruf am Samstag gewählt worden - häufig wegen Kreislaufbeschwerden. Normalerweise gebe es am Tag 1200 bis 1300 Einsätze. Schlimmere medizinische Notfälle aufgrund des Wetters blieben jedoch größtenteils aus. In der Reichstagskuppel bekamen einige Besucher bei 44 Grad Innentemperatur am Samstag Kreislaufprobleme. Die Kuppel wurde daraufhin geschlossen. Am Sonntagmorgen wurden zunächst wieder Touristen hineingelassen, am Vormittag war wegen der Hitze aber wieder Schluss.

Klimaanlagen defekt: Zwei Fernzüge geräumt

Unangenehm heiß war es auch für Reisende: Wegen der großen Hitze haben in Berlin die Klimaanlagen von zwei Fernzügen schlapp gemacht. Reisende mussten am Sonntag in andere Züge umsteigen, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn mitteilte.
Zug in Spandau geräumt. Betroffen war ein Intercity, der im Hauptbahnhof startete und Richtung Amsterdam fuhr, aber schon im Bahnhof Spandau gegen 15 Uhr geräumt werden musste. Kurz zuvor endete für einen Eurocity von Rügen Richtung Prag im Berliner Hauptbahnhof die Fahrt - auch hier fiel die Klimaanlage aus. (dpa)

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