Mike* war noch ein Kind, als er zum ersten Mal von Aids erfuhr. Das war 1991, und der Elfjährige hörte im Radio einen Bericht über die Krankheit. „Ich hatte damals sofort Angst“, erinnert er sich. „Angst, mich anzustecken und daran zu sterben.“

Mike war 25, als er dieses Gefühl hatte, dass etwas nicht stimmt. „Meine Lymphknoten waren geschwollen – an vielen Stellen im Körper“, sagt der 31-Jährige. Ihm als gelerntem Krankenpfleger sei klar gewesen, dass das nichts Harmloses sein kann. Doch weil er Angst hatte, zögerte er den Arztbesuch hinaus – und selbst, als er den Bluttest hinter sich hatte, traute er sich erst nach sechs Wochen, das Ergebnis zu erfragen. Am Befund änderte das nichts: HIV positiv.

Mike ist einer von 14.800 Berlinern, die das HI-Virus in sich tragen. Mit dieser Zahl, die übrigens sehr weit unter den Prognosen der 80er-Jahre liegt, belegt die Hauptstadt den ersten Platz unter den deutschen Großstädten; jeder fünfte HIV-positive Bundesbürger lebt hier. Rund 420 Berliner infizieren sich jedes Jahr neu mit dem Virus, die meisten von ihnen sind homosexuelle Männer, die sich beim ungeschützten Sex infizieren. Männer wie Mike.

Für ihn kam die Diagnose einem Todesurteil gleich: „Ich dachte, das war’s, ich sterbe.“ Seine Zukunft, seine Pläne, all das verschwand schlagartig vor seinen Augen. „Ich bin total zusammengebrochen. Mir war klar: Mit Mitte 30 bin ich tot.“ Fortan lebte er, als würde ihm nur noch wenig Zeit bleiben – er verreiste, ging aus, ins Theater, in die Oper, er kaufte Klamotten. „Ich habe völlig für den Moment gelebt und all das gemacht, was ich schon immer machen wollte.“ Doch die Angst blieb. Erst durch eine Therapie lernte Mike schließlich, diese Angst zu akzeptieren. „Sie ist bis heute nicht weg, aber ich ertrage sie leichter“, sagt er. Und ihm hilft, dass er sich mit anderen Betroffenen austauscht. Mike engagiert sich bei der Berliner Aids-Hilfe. „Am Anfang wollte ich das gar nicht“, sagt er. „Ich wollte HIV einfach nicht in mein Leben lassen.“