Berlin - Erst wurden 20 Jahre lange keine Hochhäuser auf dem Alexanderplatz gebaut, obwohl dies möglich gewesen wäre – jetzt gibt es innerhalb kürzester Zeit gleich zwei Interessenten für den Bau von zwei 150?Meter hohen Türmen. Außerdem sind zwei 65 Meter hohe Häuser geplant, wie aus der jetzt veröffentlichten Antwort von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher auf eine Anfrage der Abgeordneten Katrin Lompscher (Linke) hervor geht.

Merkwürdig mutet dabei eine Entscheidung des Bezirks Mitte an. Bereits am 8. Mai hat der Bezirk laut Lüscher einen positiven Bauvorbescheid für ein 150 Meter hohes Gebäude erteilt, das neben dem Einkaufszentrum Alexa entstehen soll. Am selben Tag beauftragte das Abgeordnetenhaus die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung damit, die bisherige Planung für den Alexanderplatz zu überarbeiten.

Der Anlass: Von den zehn Hochhäusern, die nach dem städtebaulichen Entwurf des Architekten Hans Kollhoff aus dem Jahr 1993 auf dem Alex geplant waren, ist bisher kein einziges realisiert worden. Die Kollhoff-Planung wird an vielen Stellen durch vorhandene Gebäude blockiert, die ursprünglich den Hochhäusern weichen sollen.

Einige der bestehenden Häuser wurden inzwischen saniert, so dass mit einem Abriss nicht zu rechnen ist. Mit der vom Abgeordnetenhaus beschlossenen Überarbeitung soll der alte Kollhoff-Plan den neuen Bedingungen angepasst werden. Die Linken-Abgeordnete Katrin Lompscher ist über den Zeitpunkt erstaunt, an dem der Bezirk Mitte den positiven Bauvorbescheid erteilte.

Mit einem positiven Bauvorbescheid wird einem Investor mitgeteilt, dass sein Bauprojekt grundsätzlich genehmigungsfähig ist. Lompscher sagte am Mittwoch, sie verlange eine Klarstellung, warum der Bescheid ausgerechnet an dem Tag erteilt wurde, als das Abgeordnetenhaus die Überarbeitung des alten Plans beschlossen habe.

Vom Bezirk Mitte war dazu bis Mittwochabend keine Auskunft zu erhalten. Der Turm neben dem Alexa soll laut Lüscher bis Ende 2018 fertiggestellt sein. Der Bauantrag soll spätestens im September dieses Jahres eingereicht werden.

Die vom Abgeordnetenhaus erwünschte Anpassung der alten Alex-Planung wird sich offenbar länger hinziehen. Die Senatsbaudirektorin erklärte, die Kollhoff-Pläne sollten in einem „Workshopverfahren“ angepasst werden. An einem solchen Verfahren sind mehrere Architekturbüros beteiligt. Ein erster Zwischenbericht soll bis Anfang 2015 vorliegen. Das Landesdenkmalamt prüft unterdessen, ob neben dem Haus des Lehrers und der Kongresshalle weitere Häuser denkmalwürdig sind. Dazu gehören das ehemalige Haus des Reisens und das Haus des Berliner Verlags.

Car-Loft-Tower geplant

Ins Stocken geraten ist, wie berichtet, die Planung zum Bau des ersten neuen Hochhauses am Alex, das der US-Investor Hines neben dem Saturngebäude errichten will. Grund dafür sind mögliche Probleme mit dem Tunnel der U-Bahn-Linie 5, der neben dem Baugrundstück verläuft. Die BVG hat die Sorge, dass der Tunnel durch den Hochhaus-Bau beschädigt wird – und verlangt ein Havariekonzept. Bis zu einer Klärung wird das Bebauungsplanverfahren nicht weitergeführt. Der Investor kann also nicht anfangen zu bauen.

Neben den beiden geplanten 150?Meter hohen Türmen gibt es Pläne für zwei kleinere Hochhäuser. Ein Investor aus Hamburg will einen 65 Meter hohen Turm südlich des Einkaufszentrums Alexa errichten. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Degewo, bisherige Eigentümerin, hat für das Projekt bereits seit 2013 einen positiven Bauvorbescheid. Auf Grundlage eines Bauvorbescheids wird überdies ein weiteres 65 Meter hohes Gebäude an der Jannowitzbrücke geplant. „Car Loft Tower“ heißt das Projekt, wie aus der Antwort der Senatsbaudirektorin hervor geht.