Berlin - Der Bau von Hochhäusern ist in Berlin schon immer umstritten. Schließlich ist die Stadt – von Ausnahmen abgesehen – geprägt durch die Traufhöhe von 22 Metern. Zwei geplante Hochhaus-Projekte stehen jetzt besonders in der Kritik: Ein 150 Meter hoher Wohn- und Hotelturm des US-Investors Hines am Alexanderplatz, der über einem U-Bahntunnel errichtet werden soll. Und ein 140 Meter hoher Büroturm des Projektentwicklers Edge an der Warschauer Brücke in Friedrichshain.

Noch kein grünes Licht für 150 Meter-Turm am Alexanderplatz

Während der Büroturm an der Warschauer Brücke schon genehmigt wurde, gibt es für den Bau des 150-Meter-Turms am Alex noch kein grünes Licht. In Anbetracht einer erwarteten Verständigung über das Hochhaus wächst jedoch der Widerstand. Wenn es nach Teilen der Linken geht, sollte eine Genehmigung für das Hines-Hochhaus nicht erteilt werden, solange es ein Risiko für den Verkehr der U-Bahnlinie 5 gibt, die unter dem Hochhaus verläuft. „Für uns Mitglieder der Linksfraktion im Stadtentwicklungsausschuss besteht keine Zustimmungsfähigkeit für einen Bebauungsplan, solange ein Restrisiko des Zusammenbruchs des U-Bahn Schachtes besteht“, sagt die Abgeordnete Katalin Gennburg. „Wir plädieren deshalb dafür, die weiteren Verhandlungen für eine Vereinbarung mit dem Investor abzubrechen und sich von diesem riskanten Projekt im Herzen der Hauptstadt zu verabschieden.“

Die Grünen fordern zwar nicht einen Verzicht auf den Bau des Hochhauses, wollen aber den öffentlichen Nahverkehr ebenfalls nicht in Gefahr bringen. „Der U-Bahnverkehr an einem so zentralen Ort wie dem Alexanderplatz darf durch den Bau des Hines-Hochhauses nicht gefährdet werden“, sagt die Grünen-Abgeordnete Daniela Billig. „Wir haben deswegen ein besseres Gefühl, wenn Beeinträchtigungen durch die Technische Aufsichtsbehörde ausgeschlossen werden, bevor es Baurecht für das Hochhaus gibt.“

Hines-Tower am Alex könnte U-Bahn-Betrieb gefährden

Das Hochhaus von Hines soll auf einem aus dem Jahr 1930 stammenden Fundamentblock errichtet werden. Durch diesen Block verläuft der Tunnel der U-Bahn-Linie 5. Die BVG verlangt vom Investor, dass der U-Bahn-Betrieb nicht gefährdet wird und will dies in einer nachbarschaftlichen Vereinbarung festschreiben. Erst wenn diese Vereinbarung vorliegt, will die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Arbeit am Bebauungsplan aufnehmen, die seit Jahren ruht. Verschiedene technische Lösungen liegen mittlerweile auf dem Tisch. Favorisiert wird der Bau eines neuen Tunnels im alten Tunnel. Der BVG-Aufsichtsrat beschloss Ende September, eine nachbarschaftliche Vereinbarung auf Grundlage der gefundenen technischen Lösung zu verhandeln.

Für Irritation sorgt jetzt jedoch die noch nicht veröffentlichte Antwort der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz auf eine Anfrage der Linksfraktion. Darin teilt die von Senatorin Regine Günther (Grüne) geführte Behörde zum einen mit, dass sich Schäden am Tunnel „nicht 100-prozentig ausschließen“ ließen. Zum anderen erklärt die Behörde, es könne „nach derzeitigem Planungsstand keine Aussage getroffen werden“, mit welchen Einschränkungen durch das Projekt zu rechnen sei. Außerdem erklärt die Senatsverwaltung, dass die Technische Aufsichtsbehörde erst nach Abschluss des Bebauungsplanverfahrens über das Bauvorhaben entscheiden soll, also wenn das Baurecht schon geschaffen ist.

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke): "Es bedarf weiterer senatsinterner Abstimmungen"

Diese Aussage rückte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) am Mittwoch im Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses gerade. Lompscher sagte, das Bebauungsplanverfahren werde erst dann fortgeführt, wenn die nachbarschaftliche Vereinbarung vorliege und von der Technischen Aufsichtsbehörde „als sachgerecht eingestuft worden“ sei. Es bedürfe aber „weiterer senatsinterner Abstimmungen“. Hines-Geschäftsführer Christoph Reschke versucht unterdessen, die Bedenken zu zerstreuen. „Die gutachterliche Empfehlung zur Bauausführung ist völlig eindeutig und enthält keinerlei Hinweis auf ein Restrisiko“, sagt er.

Im Fall des zweiten heftig umstrittenen Hochhausprojekts, dem Büroturm an der Warschauer Brücke, mehrt sich die fachliche Kritik nach der erteilten Baugenehmigung. „Zwar kann man darüber diskutieren, ob Architektur Geschmackssache ist, unzweifelhaft aber gibt es Bauten, bei denen sich nahezu alle einig sind, dass sie an einem Standort nicht passen“, heißt es in einer Stellungnahme der Architektenkammer. Als Grund führt die Kammer an, dass es bei dem Hochhaus mit dem Namen Edge East Side keinen „ordentlichen“ Wettbewerb mit einer unabhängigen Jury gegeben habe.

Amazon-Turm Edge East Side an der Warschauer Brücke wohl nicht mehr zu verhindern

Stattdessen seien lediglich drei ausgewählte Büros vom Investor mit konkurrierenden Entwürfen beauftragt worden. Politische Verantwortungsträger und leitende Mitarbeiter der Verwaltung sollten sich nicht immer wieder auf die „kleinen konkurrierenden Verfahren“ einlassen, und sie durch ihre Mitwirkung adeln, rät die Kammer. „Denn wenn man an der Entscheidung beteiligt war, ist es hinterher schwer, davon zurückzutreten.“

Die Kammer fordert, dass es bei Hochhausprojekten prinzipiell Architekturwettbewerbe gibt, so wie es im neuen Hochhausleitbild vorgesehen ist. Die Regelung dürfe nicht aufgeweicht werden. Für das Hochhaus an der Warschauer Brücke sei es „nun wahrscheinlich zu spät“, bedauert die Kammer – „es sei denn, dass sich auch auf Investorenseite die Einsicht durchsetzt, dass man sich langfristig mit der juristisch noch so korrekten Durchsetzung eines so umstrittenen Gebäudes keinen Gefallen tut.“