Die Botschaft des Berliner Architekten Jan Kleihues ist deutlich: Die Zeit der Denkverbote in der Berliner Stadtplanung ist endgültig vorbei. Es muss nicht länger in den engen Rastern der 1990er-Jahre gedacht werden, die der damalige Senatsbaudirektor Hans Stimmann vorgegeben hatte.

Auch die Traufhöhe von 22 Metern muss kein Dogma sein. Für ein großes Areal in der City West am Bahnhof Zoo hat Kleihues jetzt auf eigene Initiative ein neues Konzept vorgelegt. In dem neuen Quartier zwischen der Hardenbergstraße und der Müller-Breslau-Straße soll es Büros, Geschäfte und viele Wohnungen geben – und sechs Wolkenkratzer. Einer soll sogar 161 Meter hoch werden, die anderen mindestens 63 Meter.

Kleihues hat mit seiner Vision offenbar einen Nerv getroffen. "Die Pläne sind uns vorgestellt worden. Grundsätzlich ist es gut, wenn in diesem Areal städtebaulich etwas passiert und über Wohnungsbau nachgedacht wird", sagt Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). Er ist bereit, wo es sich anbietet, über die Höhen von Gebäuden zu diskutieren.

Das war in Berlin lange nicht der Fall. Nur in wenigen Stadtteilen hat der Senat Hochhäuser zugelassen. Etwa am Potsdamer Platz und an den Spreeufern in Friedrichshain. Am Alexanderplatz allerdings wurde bislang kein einziger der zehn 150 Meter hohen Türme realisiert. Nur am Breitscheidplatz wagen sich Investoren in die Höhe: Nach Eröffnung des 118 Meter hohen Zoofensters mit dem Hotel Waldorf Astoria beginnt im Frühjahr der Bau des ebenso hohen Hochhauses Upper West an der Stelle des abgerissenen Schimmelpfeng-Hauses.

Westliches Stadtzentrum soll wiederbelebt werden

Hochhäuser soll es nach den Vorstellungen von Kleihues nun auch jenseits des Bahnhofs Zoo geben. "Wir haben auf dem Areal die Chance, ein städteplanerisches Gesamtkonzept auf die Beine zu stellen, welches viele Interessen bedient und zur Wiederbelebung des westlichen Stadtzentrums beiträgt", sagt er. Es könnten mehr als 80.000 Quadratmeter Wohnraum geschaffen werden. Außerdem sind Flächen für Handel, Hotels, Büros und die benachbarte Technische Universität vorgesehen.

Der Architekt hat sich an ein schwieriges Gelände herangewagt. Die meisten Grundstücke dort gehören dem Bund, einige dem Land. Alles wirkt unsortiert, vor allem nördlich der Hertzallee mit Busbahnhof und einer Brachfläche, auf der einmal ein 175 Meter hohes Riesenrad errichtet werden sollte.

Vom Riesenrad spricht keiner mehr. Allerdings weigert die Finanzverwaltung sich bislang, das Riesenrad-Grundstück zurückzukaufen, um eine Entwicklung auf dem Gelände zu ermöglichen. Zudem stehen viele Häuser unter Denkmalschutz, darunter das Haus des Oberverwaltungsgerichts an der Hardenbergstraße und das Museum für Fotografie (Helmut-Newton-Stiftung) an der Jebensstraße.

Doch auch das muss nicht hinderlich sein. "Es ist Zeit, neu zu diskutieren. Zum Beispiel auch, wie man mit dem Denkmalschutz umgeht", sagt Marc Schulte (SPD), der Stadtrat für Stadtentwicklung in Charlottenburg-Wilmersdorf. Dass die Häuser aus dem 19. Jahrhundert abgerissen werden, schließt er zwar aus, "die Debatte zu anderen Baudenkmalen muss aber geführt werden, ebenso über weitere Hochhäuser". Schulte gefällt an dem Konzept, dass man auch Sicht auf das Wasser hat. Er kann sich vorstellen, dass ein neuer Masterplan für das Gelände entwickelt wird. "Der Anfang dazu ist gemacht."