Hochhäuser passen nicht zum Karstadtblock in der City West

Upper West und Zoofenster sollten das Maß der Dinge bleiben. Städtebaulich passen keine Türme ins Gebiet südlich des Kudamms.

Der Karstadtblock am Kudamm: Noch ist er frei von Hochhäusern, doch das könnte sich ändern.
Der Karstadtblock am Kudamm: Noch ist er frei von Hochhäusern, doch das könnte sich ändern.Berliner Zeitung/Markus Wächter

Berlin ist drauf und dran, schwere Fehler bei der Gestaltung der City West zu begehen. Und zwar deswegen, weil der Senat dem Karstadt-Eigner Signa auf dessen Grundstück am Kudamm ermöglichen möchte, sich beim Bau von bis zu zwei Hochhäusern am rund 120 Meter hohen Upper West und am ebenso hohen Zoofenster am Breitscheidplatz zu „orientieren“. Das sieht eine Kooperationsvereinbarung zwischen Senat, Bezirk und Signa vor, mit der jetzt ein Werkstattverfahren zur Neugestaltung des Karstadtblocks gestartet werden soll.

Zwar mag die Formulierung, dass sich die Höhenentwicklung der Neubauten an den beiden 120 Meter hohen Türmen orientieren soll, reichlich unpräzise daherkommen. Doch reicht sie aus, um alarmiert zu sein. Denn bisher war nicht die Rede davon, dass sich die Neubauten im Karstadtblock am Kudamm an den Türmen gegenüber orientieren sollen. Die beiden Hochhäuser galten vielmehr als Höhendominanten, die das Maß der Dinge darstellten.

Und genau das sollten sie bleiben. Zoofenster und Upper West säumen beide die Kantstraße und wirken als Tor zum Breitscheidplatz – in angemessener Nähe zur Gedächtniskirche und zum Europa-Center. Das hat das Baukollegium, das die Senatsbaudirektorin in Fragen der architektonischen Gestaltung berät, bereits im Dezember 2018 eindringlich formuliert. Und entsprechende Hochhauspläne Signas südlich des Kudamms zurückgewiesen.

Notfalls muss das Abgeordnetenhaus die Notbremse ziehen

Es ist zu unterstützen, wenn sich der Senat dafür einsetzt, dass die Arbeitsplätze bei Karstadt erhalten bleiben. Dies sollte aber nicht so weit gehen, städtebaulich fragwürdige Entwicklungen mitzutragen, über die ein Investor zu Geld kommen will. Notfalls muss man dann auch mal Nein sagen. Wenn es für das nun geplante Werkstattverfahren im Karstadtblock zu spät sein sollte, muss am Ende das Abgeordnetenhaus die Notbremse ziehen. Es hat schließlich über den Bebauungsplan zu entscheiden.