Der Telefonanruf dauert nur ein paar Sekunden. „Sie wollen was von mir wissen, und ich sage Ihnen nichts“, erklärt Peter Strieder am anderen Ende der Leitung. „Ich sage niemandem was, ich kann dazu nichts sagen.“ Noch ein „Tschüss“, dann legt er auf.

Es gibt viele Fragen, die sich in diesen Tagen stellen. Fragen, welche Rolle der frühere Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) bei der Entscheidung des amtierenden Stadtentwicklungssenators Andreas Geisel (SPD) gespielt hat, den Eigentümer des Grundstücks Leipziger Platz 18/19 von der Verpflichtung zum Bau von Wohnungen zu befreien. Strieder, Partner bei der internationalen PR-Agentur Ketchum Pleon, hatte als Berater des Investors bei Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) eruiert, ob eine Befreiung von der Wohnungsbau-Verpflichtung möglich sei. Dort war er jedoch abgeblitzt.

Geisel gegen den Bezirk

Nach dem Nein des Bezirks auf die formelle Bauvoranfrage des Investors befreite schließlich Stadtentwicklungssenator Geisel den Investor im Widerspruchsverfahren von der Pflicht, auf mindestens 20 Prozent der Flächen Wohnungen zu bauen. Begründung: Das Grundstück sei „von beiden Seiten besonders verlärmt“. Zwar beteuert die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, dass Strieder diese Entscheidung nicht beeinflusst habe, doch eine entsprechende Auskunft des Ex-Bausenators dazu fehlt.

Strieder arbeitet seit Jahren bei der Agentur Ketchum Pleon, die immer wieder Aufträge aus der Immobilienwirtschaft erhält. So unterstützte der Ex-Senator im Jahr 2010 die damaligen Eigentümer der privatisierten Wohnungsbaugesellschaft GSW dabei, beim Land für ein Ja zum Börsengang des Unternehmens zu werben – mit Erfolg.

Und im vorigen Jahr skizzierte Strieder die Planungen zur Bebauung des früheren Tacheles-Areals in Mitte. „Seit mehr als 15 Jahren berät und unterstützt Ketchum Pleon Kunden im Herzen der Hauptstadt“, heißt es auf der Internetseite der Agentur. Und: „Wir verstehen uns als Vermittler und Partner zwischen den Akteuren und schaffen mit kreativer und effizienter Kommunikation einen Mehrwert für unsere Kunden.“

Das Problem: Nachdem vor Kurzem bekannt wurde, dass der Bauträger Groth mehrere Spenden an die SPD knapp unter der veröffentlichungspflichtigen Grenze von 10.000 Euro gezahlt hat, darunter eine an den Kreisverband des Stadtentwicklungssenators, werden Entscheidungen Geisels zugunsten der Immobilienwirtschaft besonders kritisch beobachtet.

Büros bringen mehr Geld

Der Mehrwert für den Investor am Leipziger Platz kommt unter anderem dadurch zustande, dass sich mit Büros mehr Geld verdienen lässt als mit Wohnungen. Während für Top-Apartments Mieten von 18 bis 20 Euro je Quadratmeter zu erzielen sind, könnten im Bürobereich nach Fertigstellung 25 bis 30 Euro erzielt werden, sagen Makler. Außerdem könnte der Investor auf einen separaten Eingang und Aufzug für Wohnungsmieter verzichten und ein „homogenes Gebäude“ bauen.

Einen Hinweis auf den möglichen Gegenwert des 20-prozentigen Wohnanteils gibt ein Exposé des Landes Berlin von 1996, in dem freie Grundstücke am Leipziger Platz zum Kauf angeboten wurden. Wer nicht nur 20 Prozent, sondern 40 Prozent der Flächen für Wohnzwecke nutzen wollte, sollte danach einen Preisnachlass von umgerechnet rund 1500 Euro je Quadratmeter Grundstücksfläche erhalten.

Bei einer Grundstücksgröße von 1275 Quadratmetern, die das Areal am Leipziger Platz 18/19 laut Exposé hat, ergäbe sich für den 20-prozentigen Wohnanteil also ein Wert von rund 1,9 Millionen Euro.