Obwohl Anwohner gegen ein neues Hochhaus mit 19 Etagen protestieren, das die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) auf der Fischerinsel errichten will, werden dort Tatsachen geschaffen und seit zwei Tagen Bäume gefällt. Das landeseigene Grundstück am Mühlendamm/Ecke Fischerinsel ist mit einem Metallzaun abgesperrt, dort soll ein siebtes Hochhaus entstehen. „Wir haben die Genehmigung für die Fällung von insgesamt 84 Bäumen und anschließende archäologische Grabungen erteilt“, sagte Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) am Donnerstag.

Anwohner protestieren

Die Genehmigung für die Bodenuntersuchungen ist aber „kein Freibrief für ein Hochhaus“, so Spallek. Seiner Behörde liege kein Antrag der WBM vor. Auch das Stadtentwicklungsamt ist nach Darstellung des Stadtrats nicht vollends davon überzeugt, dass sich das geplante 58 Meter hohe Gebäude, das aus einem U-förmigen Komplex herausragen soll, in das Gebiet einfügt.

Die Bewohner insbesondere aus dem bestehenden Hochhaus Fischerinsel 1 lehnen das WBM-Projekt ab. Sie befürchten, dass ihre Wohnungen durch das nur 30 Meter entfernt stehende neue Gebäude verschattet wird. Auch gegen die Baumfällungen protestieren sie und haben in dieser Woche Mails an den Senat, den Bezirk und das Abgeordnetenhaus geschickt. Seit Weihnachten sammeln die Anwohner Unterschriften, um das Hochhaus zu verhindern und einen Einwohnerantrag im Bezirksparlament Mitte stellen zu können. Doch erst 600 Unterschriften haben sie zusammen, für den Einwohnerantrag sind wenigstens 1 000 erforderlich.

Die WBM-Planung ist das Ergebnis eines städtebaulichen Wettbewerbs, der im vergangenen Jahr entschieden wurde. Der 58 Meter hohe Wohnturm soll am Mühlendamm stehen und nur wenig kleiner als die vorhandenen Hochhäuser sein. 200 Wohnungen will die WBM einrichten, viele davon für ältere Menschen. Die landeseigene Gesellschaft betont: „Es wird gebaut. Berlin braucht Wohnungen.“ 33 Millionen Euro will das Unternehmen investieren. Baustart soll nach Abschluss der archäologischen Grabungen noch in diesem Jahr sein. Sie sollen Aufschluss bringen, ob im Untergrund noch Spuren des früheren Fischerkiezes vorhanden sind.

Für die gefällten Bäume zahlt die WBM als Ausgleichsabgabe 57 000 Euro. Laut Spallek werden damit Ersatzpflanzungen finanziert.