Berlin - #image
So richtig wohl fühlt er sich nicht, das sieht man ihm an. Jürgen Starke zupft nervös an seiner Jacke, öffentliche Auftritte mag der 49-Jährige nicht. Doch bald wird er darin Routine haben, denn der kaufmännische Angestellte vertritt die rund 200 Mieter um die Fanny-Zobel-Straße in Alt-Treptow. Am Montagnachmittag steht er mit einigen Nachbarn und etlichen Mitgliedern von Bürgerinitiativen vor der Tür der Immobilienfirma Agromex in Mitte. Agromex will am Treptower Spreeufer bauen, unmittelbar vor den Wohnhäusern von Jürgen Starke und seinen Nachbarn.

#gallery0

Auf der Brache zwischen dem Allianz-Tower an der Elsenbrücke und den Bürohäusern namens Twin-Towers und damit mitten im Mediaspree-Bereich, sollen von 2013 an Wohnungen und ein Hotel entstehen. Den ganzen Montag lang bewerteten der Investor mit Vertretern des Bezirks Treptow-Köpenick und mit der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher Arbeiten eines Architekturwettbewerbs, den Agromex extra für das Projekt initiiert hatte. Anwohner sind dazu nicht eingeladen, was für heftigen Unmut sorgt.

#gallery1

„Wir befürchten vor unseren Häusern Luxusbauten in Hochhaus-Dimensionen, das wollen wir dort nicht“, sagt Starke. Vor wenigen Tagen erst hatten sie ein Schreiben von Agromex im Briefkasten – mit dem Wunsch nach guter Nachbarschaft. „Wie kann man gute Nachbarschaft pflegen, wenn man uns von jeglicher Planung ausschließt“, so der Mietervertreter.

Dabei hatte der Investor ihnen einiges versprochen: So soll der öffentliche Zugang zur Spree bleiben, der jetzt sechs Meter breite Uferweg auf 10,50 Meter ausgeweitet werden. Allen Nachbarn werden „großzügige Blickbeziehungen zur Spree“ und „gute Lichtverhältnisse“ zugesagt, öffentlich zugängliche Grün- und Spielplätze sowie Tiefgaragenstellplätze sollen gebaut werden.

Anwohner trauen den Versprechen nicht

Allein, die Anwohner trauen den Versprechen nicht, der strikte Ausschluss der Öffentlichkeit bei der Planung befeuert ihre Befürchtungen. Laut einem Bebauungsplan von 1994 ist am dortigen Ufer eine so hohe Baudichte möglich, dass drei 19-Geschosser möglich wären. Die Planung wird aktualisiert, doch wie, weiß keiner. Zwar liegt das Agromex-Grundstück nicht im Bereich des Bürgerentscheids gegen das Milliardenprojekt Mediaspree – der Protest dagegen war in Friedrichshain-Kreuzberg erfolgreich. Aber Hochhäuser werden auch in Treptow abgelehnt. Wie die Bebauung tatsächlich einmal aussehen wird, steht noch nicht fest.

#gallery2

Die Anwohner fürchten Luxuswohnungen, die das Mietniveau, das in Alt-Treptow ohnehin steige, weiter anheben würde. „Wir bezahlen jetzt schon zehn Euro warm pro Quadratmeter“, so Starke. Ihm ist besonders wichtig, nicht erst informiert zu werden, wenn die Pläne fertig sind. „Wir wollen mitbestimmen, was vor unserer Haustür geschieht“ , sagt Starke. Ein Verlangen, das in Treptow-Köpenick bisher einmalig ist.

Detaillierte Informationen am Ende des Sommers

Dass der Architekturwettbewerb im Radialsystem in Mitte stattfindet, erfahren die Protestler bei Agromex an der Chausseestraße nicht. Mitarbeiter bieten ihnen an, sie mögen Anregungen und Wünsche doch per Email oder Postkarte schicken. Zum Ende des Sommers würden die Anwohner dann detailliert über alles informiert, heißt es.

Das Unternehmen, das bislang in Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain teure Townhouses und Wohnungen baut, hatte das rund 7 000 Quadratmeter große Uferareal Ende 2011 gekauft. Ein anderer Investor hatte zuvor seinen Plan aufgegeben, dort einen Ableger der Kreuzberger Carlofts zu errichten. Starke: „Wir hatten schon gehofft, das Schlimmste sei überwunden.“

#gallery3