Moritz Rausch legt auf über den Dächern von Berlin
Foto: Lena Mausekwitz

BerlinKonzentriert schaut Moritz Rausch nach unten, sein Blick gilt allein den Bewegungen der Regler seines Controllers. Genüsslich wippt er dazu, die Kopfhörer kapseln ihn von der Außenwelt ab. Und die ist an diesem Abend besonders ungewöhnlich: rote Ziegelsteine, neogotische Bögen, Sonnenuntergang. Vom Fernsehturm bis zur Kuppel des Doms blitzen die Wahrzeichen Berlins hinter dem DJ am Himmel auf. Er setzt pointierte, minimalistische Beats in die musikalische Untermalung des abendlichen Settings.

Die Szene ist ein Ausschnitt aus dem einstündigen Film eines Live-Sets, das Rausch im Juli auf dem Turm der Friedrichswerderschen Kirche aufgelegt hat. „Die Großstadtkulisse schwebt auf einem Soundteppich“, so kündigt der Trailer die Reihe an, die sich Nostalgiker der elektronischen Tanzkultur in der ZDF-Mediathek anschauen können. Der Film ist das erste Ergebnis der „berlin art sessions“. Initiiert wurde das Projekt von einer Gruppe von Künstlern, „die in der Corona-Krise keine Möglichkeit haben, ihrem normalen Beruf nachzugehen“, sagt Sprecherin Ruth Hundsdoerfer.

Die Clubs haben seit Monaten geschlossen, die Museen machen nur langsam und unter Auflagen wieder auf, die gesamte Veranstaltungsbranche sei „sehr gebeutelt“, so die Berliner Eventmanagerin. Das treffe künstlerisch Schaffende besonders hart – aber eben auch jene, die Kunst und Kultur konsumieren wollen. Die Initiatoren, die alle aus der Musikbranche kommen, wollen deshalb herausragende Kunstwerke mit elektronischer Musik verbinden und durch die Streams weltweit zugänglich machen, gleichzeitig „der Corona-Krise in der Veranstaltungsbranche trotzen“ und die Clubkultur unterstützen. Dafür kooperieren sie mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die die Locations zur Verfügung stellt: Dächer der Staatlichen Museen.

Im zweiten Film, diesmal auf dem Dach des Bode-Museums, legen sich die DJs Christian Wedekind aka D-Nox und Frank Beckers für die Online-Öffentlichkeit ins Zeug. Gefilmt wird auch hier aus der Drohnenperspektive – der Schnitt springt rasant wie die Musik zwischen weitwinkligem Skyline-Bild und detaillierten Aufnahmen griechischer Skulpturen.

Bisher laufen die Gigs und Streams quasi auf ehrenamtlicher Basis – die Beiträge einzelner Sponsoren, „guter Wille und viele unbezahlte Stunden Arbeit“ stecken hinter den Filmen. Durch die Plattform des ZDF hofft das Team nun, weitere Finanzierungshilfen zu finden. Resonanz gab es bereits: Fans hätten Nachrichten „aus eigentlich allen Erdteilen“ geschickt, um sich zu bedanken – für den hübsch aufbereiteten Tropfen Techno, nach denen die durstigen Freunde der elektronischen Musikkultur dieser Tage lechzen.

Die Filme sind in der ZDF-Mediathek verfügbar.