Mampe – dieser Name hat Klang in Berlin. „Sind’s die Augen, geh zu Mampe. Gieß dir einen auf die Lampe. Kannst du alles doppelt seh’n, brauchst du nicht zu Ruhnke geh’n“, war ein bekannter Werbespruch. Das Markenzeichen war stets ein weißer Elefant im roten Kreis. Elefanten im Zoo hießen so, BVG-Busse waren mit Werbung gepflastert, in den Siebzigern trug der damalige Fußball-Zweitligist Hertha BSC Mampe-Trikots. Und in der deutsch-britischen Co-Produktion „Schöner Gigolo, armer Gigolo“ von 1978 mit David Hemmings, Curd Jürgens und Marlene Dietrich gibt es eine Szene, in der David Bowie als Mampe-Litfaßsäule durch das Berlin der 20er-Jahre taumelt.

Niedersachsen konnten mit der Marke Mampe nichts anfangen

Mampe hatte also einen gewissen Ruf, und den will sich Tom Inden-Lohmar jetzt zunutze machen. Der 53-jährige Werbefachmann hat den Markennamen Mampe samt aller Rechte und Rezepturen unlängst der Destille Berentzen in Haselünne im Emsland für eine nichtgenannte Summe abgekauft. Die Niedersachsen wussten mit der Ur-Berliner Marke nichts anzufangen. Zuletzt dümpelte die Produktion bei etwa tausend Flaschen pro Jahr.

Jetzt will Werbefachmann Tom Inden-Lohmar den Elefanten wieder unter die Leute bringen, in die Stadt, wie er sagt. Er spricht von einer Kult-Marke. Dass Inden-Lohmar eine Nase für überraschende Ideen hat, beweist seine Kooperation mit McDonald’s. Der Bulettenbrater betreibt eine Filiale seiner Kaffeehauskette am Kurfürstendamm in altehrwürdigen Hallen.

Likör-Vergangenheit noch am Kudamm zu sehen

Von 1917 bis 1986 betrieb Mampe hier seine „Gute Stube“, eine von zwischenzeitlich mehr als 20 Gaststätten dieser Art. Ende der 80er-Jahre zog die Restaurantkette Mövenpick am Kudamm ein, seit 2011 sitzt eine McCafé-Filiale in den denkmalgeschützten Räumen, in denen noch Kachelöfen die Ecken schmücken. An den Wänden feiern Fotos und Plakate die Likör-Vergangenheit, in Vitrinen stehen historische und aktuelle Produkte. Das Ganze sei zu verstehen wie ein Museum, so Inden-Lohmar, denn die Produkte werden dort nicht direkt verkauft. McDonald’s bleibe ein alkoholfreies Familienrestaurant.

Markt mit drei Wettbewerbern

Hans-Jörg Ullrich wünscht der (neuen) Konkurrenz jedenfalls gutes Gelingen – „von Herzen“, wie er sagt. Schließlich tue jede wiederbelebte Berliner Spirituosenmarke dem hiesigen Markt gut. Ullrich ist seit 15 Jahren Verkaufsleiter von Schilkin in Kaulsdorf, einem von nur noch drei großen Spirituosenherstellern in der Stadt. Bei vielen anderen sei der Name Berlin oft nur Etikettenschwindel. Der einzige Arbeitsgang, der noch in der Stadt verrichtet werde, sei oft die Umfüllung.

Neben Schilkin produziert vor allem Underberg noch an der Spree. Obwohl vielmehr am Niederneuendorfer See. Dort, im Bezirk Reinickendorf, füllt der Schnapsbrenner vom Niederrhein jährlich mehrere Millionen seiner charakteristischen kleinen Kräuterlikör-Flaschen ab.

Ein weiterer Wettbewerber in Berlin ist die frühere Bärensiegel-Brennerei an der Josef-Orlopp-Straße in Lichtenberg, mittlerweile beim Großwinzer Langguth und Erben von der Mosel untergekommen. In Berlin laufen weiter die Traditionsschnäpse Wurzelpeter („Früher oder später trinkt jeder Wurzelpeter“) und Goldkrone vom Band.