Berlin - Er ist einer der brillantesten Mathematiker der Welt, gerade einmal 24 Jahre alt und seit Montag der wohl jüngste Professor in Deutschland. Der in Dresden geborene und in Berlin aufgewachsene Peter Scholze besetzt ab diesem Wintersemester einen Mathematik-Lehrstuhl an der Universität Bonn. Weil er aber gegenwärtig noch mit einem amerikanischen Stipendium durch die Welt reist und forscht, wird er erst im Sommer 2013 seine erste Vorlesung halten.

So mancher Student wird ihn dann wohl mit einem Kommilitonen verwechseln. Denn der junge Mann aus Alt-Glienicke ist alles andere als ein Nerd, sondern ein cooler Typ mit nackenlangen Locken. Schon als Schüler trainierte er in Mathe-Camps, erhielt bei einem FU-Professor Mathematikunterricht, gewann Wettbewerbe. Mit 17 Jahren wurde er erstmals Mathematik-Weltmeister in Mexiko. Den Titel konnte er zwei weitere Male verteidigen.

„Peter ist eigentlich kein typischer Mathematiker“, sagte damals seine Lehrerin. Er sei beliebt, engagiere sich und spielte Bassgitarre in einer Band. Doch schon damals hatte er einen festen Vorsatz. Auf die Frage der Berliner Zeitung, was er nach dem Abi mache, sagte er 2005: „Ich werde Mathematikprofessor.“ Sein Vater ist Physiker, seine Mutter Netzwerktechnikerin.

Die Bonner Mathematiker sind froh, das Ausnahmetalent an ihre Uni geholt zu haben. Ihm stünden überall in der Welt die Türen weit offen, teilt die Uni mit. Sein neuer Professorenkollege gehöre „schon heute zu den führenden Vertretern seines Gebietes, der arithmetischen algebraischen Geometrie“, sagte der Bonner Institutsdirektor, Herbert Koch. Peter Scholze veröffentliche in den renommiertesten Fachzeitschriften. Schwierigste Fragestellungen betrachte er auf innovative Art neu, so Koch.

In drei Semestern Bachelor, in zweien Master

In Bonn hatte Peter Scholze im Jahr 2007 sein Mathematikstudium begonnen. In nur drei Semestern machte er seinen Bachelor, in zwei weiteren den Master. Schon während dieser Zeit und seiner folgenden Promotion verbrachte er mehrere Monate in Paris und Harvard. Seit 2011 ist er Research Fellow, also Gastforscher am Clay Mathematical Institute, einer Stiftung mit Sitz in Cambridge (USA)und Oxford. Das fünfjährige Stipendium macht es ihm möglich, an jedem Ort der Welt zu forschen.

Doch den Berliner zieht es an den Rhein. „Ich freue mich schon auf die Arbeit in Bonn, das ich im Studium kennen- und schätzengelernt habe“, sagt Peter Scholze. Er spricht von großartigen Rahmenbedingungen und inspirierender Atmosphäre. Nicht zuletzt spielt wohl eine Rolle, dass Bonn seit 2006 mit seinem Exzellenzcluster für Mathematik eines der deutschen Elite-Zentren ist.

Für die Heinrich-Hertz-Oberschule in Berlin-Friedrichshain allerdings scheint die Nachricht nicht besonders aufregend zu sein. Einer ihrer Abiturienten ist mit 24 Jahren der wohl jüngste Professor in Deutschland? Das rief am Montagnachmittag auch bei telefonischer Nachfrage keine Reaktion der Schulleitung hervor.