Berlin - Das Chemiegebäude der Freien Universität in Dahlem zerfällt, in das lang gestreckte Mathematikgebäude der Technischen Universität regnet es immer wieder rein und an der Humboldt-Universität bröckelt der Putz zum Beispiel vom Hauptsitz der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät in Mitte. Viele Hochschulgebäude, besonders jene aus den 1960er- und 1970er-Jahren, seien marode, räumte Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Mittwoch ein. „Der Sanierungsbedarf liegt in Berlin bei einer Milliarde Euro.“ Die Senatorin wollte bei den Etatverhandlungen Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) dazu bringen, dass 17 Gebäude in die Investitionsplanung des Landes aufgenommen werden.

Doch das zerschlug sich, nur zwei Objekte wurden als vorrangig aufgenommen. Die Humboldt-Universität soll in Adlershof ein neues Gebäude für die Naturwissenschaften erhalten, die Technische Universität (TU) hofft darauf, dass ein neues Mathematik-Gebäude auf dem geplanten Campus am Bahnhof Zoo entstehen kann. Das alte Mathematik-Gebäude an der Straße des 17. Juni wird nur noch notdürftig repariert. Kaputte Fenster würden ausgetauscht, Risse im Dach repariert, sagt TU-Sprecherin Stefanie Terp. Das behindere die Forschungen der 600 Mathematiker dort erheblich.

Immerhin werden die Landeszuschüsse an alle Berliner Hochschulen bis 2017 um 122 Millionen Euro auf insgesamt 1,18 Milliarden Euro anwachsen. Das sehen die jetzt vorgestellten neuen Hochschulverträge 2014 bis 2017 vor, die Scheeres über ein Jahr lang mit den elf staatlichen Hochschulen und Finanzsenator Nußbaum ausgehandelt hat. Die Zuschüsse für bauliche Investitionen wachsen darin um etwa zwei Millionen Euro jährlich auf gut 36 Millionen Euro. Doch dieses Geld ist vor allem für Reparaturmaßnahmen vorgesehen.

Großer Andrang an den Unis

Die Hochschulen wollten in den Verträgen eigentlich deutlich mehr Geld herausholen. FU-Präsident Peter-André Alt hatte 147 statt der 122 Millionen Euro geltend gemacht, damit die Unis ihr Angebot in der bisherigen Form aufrechterhalten können. Michael Kaemper-van den Boogaart, Vizepräsident der Humboldt-Universität (HU) für Studium und Internationales, teilt Alts Ansicht. Zumal Berlin von seinen Hochschulen deutlich mehr als einen bloßen Weiterbetrieb verlange. Um die vollen Zuschüsse zu erhalten, müsse die HU 750 Studenten jährlich mehr aufnehmen.

„Das bringt die nachfrageintensiven Fächer in große Bedrängnis, was die Belastung der Lehrenden, die räumliche Unterbringung und vor allem Qualitätsstandards in der Lehre betrifft“, sagte Kaemper-van den Boogaart am Mittwoch. Mit anderen Worten: Studieren wird zu einer noch größeren Massenveranstaltung als bisher. Die Unis erhalten die vollen Zuschüsse nur, wenn sie eine bestimmte Anzahl von Studenten aufnehmen, eine bestimmte Zahl von Abschlüssen erreichen und weitere Ziele einhalten. Leistungsbasierte Hochschulfinanzierung nennt sich das.

An der HU steigt die Zahl der Bewerber in diesem Jahr erneut: Ein doppelter Abiturjahrgang hat im Frühjahr im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen die Prüfungen abgelegt. Berlin gilt vielen als attraktiver Studienort. Laut HU-Präsidium gibt es besonders hohe Bewerberzahlen für Psychologie, Jura, Betriebswirtschaft, Grundschulpädagogik, Biologie sowie für verschiedene geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer. An der FU gibt es zum Wintersemester 2013/14 ähnlich viele Bewerbungen wie in den vergangenen Jahren: 33.000 Bewerbungen auf 4300 Studienplätze.