Hochwasser-Spenden: „Guten Abend, hier ist Mario Gomez“

Der Berliner Unternehmer und Handballtrainer der Polizei SV Berlin Daniel Untermann (34) wollte auf seiner privaten Facebook-Seite zum Spenden für Handballvereine in Hochwassergebieten aufrufen. Doch aus Versehen stellte er das zugehörige Foto und den Text auf „öffentlich“. Und brach damit eine Welle an Sympathiebekundungen und Spenden los.

Herr Untermann, was hatten Sie eigentlich vor?

Ich wollte vor rund zwei Wochen mit einem privaten Foto Freunde aus der Handball-Bundesliga bitten, ihre Trikots für eine Wohltätigkeits-Versteigerung bei eBay zur Verfügung zu stellen. Das Geld aus den Erlösen wollte ich dann dem Freundeskreis des deutschen Handballs zukommen lassen, der Spenden für Handballvereine in Hochwassergebieten sammelt. Ich dachte, es antworten vielleicht so fünf, sechs Freunde auf meinen Aufruf.

Und dann?

Ich hatte gerade ein Update für meinen Handy-Facebook-Account gemacht und offenbar übersehen, dass mein Profil öffentlich sichtbar war. Und damit auch das Bild und der Text zu meinem Spendenaufruf.

In der Regel ist es ja so, dass Facebook-Aufrufe, die aus Versehen öffentlich werden, dazu führen, dass am Wochenende 3000 Leute vor der eigenen Tür stehen und „Party!!!!“ schreien.

Über Nacht gab es einen unheimlichen Run auf das Bild. Ein paar Hundert Kommentare standen darunter, auch von Handballvereinen aus der Bundesliga, die mir zu der Aktion gratulierten. Ich dachte zuerst, ich werde hochgenommen. Zu dem Zeitpunkt war mir noch gar nicht bewusst geworden, dass ich das Bild mit dem Trikot und den Aufruf offenbar für alle zugänglich gemacht hatte. Mittags gegen 12 Uhr dachte ich, mein Handy würde explodieren. Für jeden Kommentar kommt da ja eine Benachrichtigung. Das Foto wurde dutzendfach geteilt, das nahm wirklich unglaubliche Ausmaße an. Da habe ich dann auch gemerkt, dass ich offenbar vergessen hatte, nach dem Update die Privatsphäreneinstellungen neu anzupassen. Ich habe dann eine Fanseite mit dem Namen „Handballer helfen“ eröffnet, mit meiner Nummer drauf und dachte, gut, jetzt kommen noch ein paar Anrufe und Kommentare, und dann ist gut.

Und kam das dann so?

(Lacht) Nein, ganz und gar nicht. Innerhalb von 24 Stunden hatte die Seite schon 1500 Fans, das Telefon hörte nicht auf zu klingeln. Die halbe Handball-Nationalmannschaft stellte Trikots und Devotionalien zur Verfügung. Abends stand ich dann beim Training in der Turnhalle, und das Handy klingelte schon wieder. Am anderen Ende sagte jemand: „Guten Abend, hier ist Mario Gomez.“ Ich dachte, ich falle um. Der war total zurückhaltend und entschuldigte sich, dass er ja eigentlich kein Handballer sei und ob das ein Problem wäre. Er würde auch gerne etwas für die Versteigerung zur Verfügung stellen.

Und was hat er angeboten?

Sein Trikot vom Champions-League-Finale. Ich war total platt und wusste gar nicht, was ich sagen sollte. Es sind ja auch andere Prominente unter den Spendern, zum Beispiel Helene Fischer oder Stefan Kretzschmar. Aber da rief das Management an.

Das Trikot von Mario Gomez war dann wohl die schönste Spende für das Projekt?

Nein, um ehrlich zu sein kam die schönste Spende aus Hamburg. Irgendwann lässt die Euphorie natürlich etwas nach, und man ist nicht mehr ganz so aufgeregt, wenn man all die Pakete öffnet. Aber dann kam noch eines aus Hamburg, das hatte uns ein Mädchen namens Julia geschickt. Darin lag das Trikot des 2010 an Krebs verstorbenen Handballspielers Oleg Velyky. Das Mädchen hatte das Trikot bei einem Benefizspiel zugunsten der Familie Velykys ersteigert und einen Brief dazugelegt, in dem stand, dass das Trikot schon einmal für einen guten Zweck versteigert wurde und dass das noch mal so sein sollte. Ich hatte wirklich eine Gänsehaut, als ich das gelesen habe.

Wie viele Stücke haben Sie denn jetzt schon zusammen, und wann kann man diese ersteigern?

Wir haben jetzt rund 170 Stücke zusammen, damit hatte ich natürlich niemals gerechnet. Wir versteigern die ab Mittwoch für circa zwei Wochen auf unitedcharity.de, denn bei eBay sah man sich außerstande, mir auf die Schnelle ein Charityportal zur Verfügung zu stellen. Die Erlöse gehen dann zu einhundert Prozent an den „Freundeskreis des deutschen Handballs“, der das Geld den Vereinen in den Flutgebieten zukommen lässt.

Sind die denn so stark vom Hochwasser betroffen?

Nun, was man als Laie in der Regel weiß, ist, dass man die Trikots nicht einfach nur waschen muss, wenn der Schlamm aus den Überflutungen mal trocken ist. Der wird hart wie Beton und ist zudem schadstoffbelastet. Die Trikots kann man dann nur noch wegwerfen. Und die Vereine sind ja auch nicht gegen Hochwasser versichert. Zudem gibt es noch die Möglichkeit, auf handballerhelfen.jimdo.com ein Charity-Shirt zu erwerben. Der Erlös geht dann ebenfalls voll an die Vereine in den Hochwassergebieten.

www.facebook.com/handballerhelfen

Das Gespräch führte Marcus Weingärtner.