Melbourne - Der Hochzeitstag soll etwas ganz Besonderes werden und für immer in Erinnerung sein. Nicht wenige Paare wählen deshalb ein ungewöhnliches Datum für ihre Trauung aus. Der Ansturm auf „Schnapszahl“-Tage wie zum Beispiel der 6.6. oder der 19.9.2019 in den Standesämtern ist riesig. Das kann man sich eben auch so schön merken. Und Brautpaare, die sich an einem dieser Tage das Ja-Wort geben, müssen doch schließlich einfach Glück haben, oder?

Mehr Scheidungen nach speziellen Trauterminen 

Leider scheint genau das Gegenteil der Fall zu sein: Wie eine Studie der Universität Melbourne (2016) herausgefunden hat, haben Ehen, die an einem speziellen Tag geschlossen wurden, ein etwa fünf Mal höheres Scheidungsrisiko. So ist die Gefahr, dass die Verbindung in die Brüche geht, 11 Prozent höher, wenn die Hochzeit am Valentinstag stattgefunden hat, 18 Prozent höher an einem Tag mit Schnapszahl (zum Beispiel der 9.9.1999) und 13 Prozent höher, wenn der Termin eine aufsteigende Zahlenfolge hatten (wie etwa der 11.12.2013).

Geht es mehr um die Hochzeit als die Beziehung?

Warum gerade jene Beziehungen öfter zerbrechen, versuchen die Forscher aus den Rahmenbedingungen abzulesen. Als mögliche Faktoren gaben sie an, dass Paare, die an einem speziellen Tag heiraten, in der Regel schon älter sind, in vielen Fällen bereits die zweite Ehe eingehen, schon Kinder im Haushalt haben und weniger gebildet sind als Paare, die an gewöhnlichen Tagen Ja sagen.

Auch stellen sie die These auf, dass Paare, die an einem zufälligen Datum Ja sagen, mehr Wert auf die Beziehung und ihre Gemeinsamkeiten legen und weniger auf das Event Hochzeit.

Vorsicht vor Januar-Hochzeiten

Für die Untersuchung wurden niederländische Heirats- und Scheidungsregister aus den Jahren 1999 bis 2013 ausgewertet. Die Zahlen der Studie ergaben übrigens auch, dass Paare, die im Januar heiraten, sich am ehesten scheiden lassen. Auch Ehen, die generell im Winter oder Sommer geschlossen werden, tragen eine größere Gefahr, in Scheidung zu enden als etwa Hochzeiter im Herbst oder Frühling. Zudem sollte man den Montag und Dienstag als Hochzeitstag meiden, denn Ehen, die hier geknüpft werden, sind grundsätzlich gefährdeter.

Alle Paare, die also keinen „Traumtermin“ mit Super-Datum mehr ergattern konnten, können nun aufatmen. Vielleicht ist ja irgendein Tag in irgendeinem Jahr genau der richtige Moment, um sich zu trauen. Ein besonderer Anlass ist es für die Liebenden allemal, auch ganz ohne Nummern-Brimborium. (iwo)