Hochzeitsplanerin Svenja Schirk bei einer Trauung.
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BerlinAn diesem Sonnabend wird es in vielen Standesämtern und Kirchen heißen: „Ja, ich will.“ Der 8. August ist ein beliebtes Hochzeitsdatum und bedeutet normalerweise auch ein gutes Geschäft für die Branchen, die an den Feiern beteiligt sind. Doch was ist schon normal in diesem Jahr? Wir haben mit der Berliner Hochzeitsplanerin Svenja Schirk über Trauungen in Zeiten von Corona gesprochen. 

Frau Schirk, wieviele Hochzeiten haben Sie für den 8.8.2020 geplant?

Durch Corona – gar keine. Alle Hochzeiten, die ich bis einschließlich September 2020 geplant hatte, wurden ins kommende Jahr verschoben. Das ist auch gut so, denn die Feiern hätten nie so stattfinden können wie geplant. Stattdessen gäbe es Abstandsregeln und Masken, sobald man sich vom Platz wegbewegt. Ehrlich: So stellt sich niemand seine Hochzeit vor.

Als Sprecherin des Bundes deutscher Hochzeitsplaner haben Sie auch deutschlandweit den Überblick: Wieviele Hochzeiten wurden durch die Corona-Pandemie abgesagt?

Bei mir selbst und allen Mitgliedern, die bei uns organisiert sind, sind fast sämtliche Feiern betroffen – alle geplanten Hochzeiten bis Juli 2020 und größtenteils auch danach wurden abgesagt. Das bedeutet einen wirtschaftlichen Totalausfall.

Was heißt das für Sie persönlich?

Mir selbst hilft, dass ich breit aufgestellt bin. Ich arbeite nicht nur als Hochzeitsplanerin, sondern auch als Verbandssprecherin, Ausbilderin und Autorin. Die meisten Wedding Planner haben noch ein zweites Standbein, etwa als Eventmanager. Aber: Das fällt ja auch alles weg. Allein in Berlin gibt es etwa 60 Hochzeitsplaner, dazu kommen Fotografen, Caterer, Dekorateure. Es hängt viel dran an so einer Hochzeit, und wer jetzt keine Rücklagen hat, der steckt in einer fatalen Situation. Niemand kann mehrere Monate mit so einem Verdienstausfall leben, die Kosten laufen schließlich weiter. Und die Soforthilfen der Bundesregierung, die kommen bei uns nicht an.

Warum nicht?

Sie gelten nur für betriebliche Fixkosten, nicht etwa für die Krankenkasse oder Lebenshaltungskosten. Fix sind beim Hochzeitsplaner mit Home Office aber nur die Handyrechnung und der Steuerberater, da bringen uns die Zahlungen also nichts. Und unsere Hilferufe werden nicht gehört. Was ich aber besonders schlimm fand in den letzten Wochen, sind die total verunsicherten Brautpaare. Mich rufen Paare aus ganz Deutschland an, die nicht wissen, was sie jetzt machen sollen, was sie beachten müssen, die die Maßnahmen nicht durchblicken.

Aber die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sehen Sie ein?

Ich habe Verständnis für die Maßnahmen, es steht mir auch nicht zu, darüber zu urteilen. Fatal finde ich, dass es keinen Fahrplan gibt und dass je nach Ort komplett andere Bedingungen gelten. Teilweise bekommt man in ein und derselben Stadt von Ordnungsamt zu Ordnungsamt unterschiedliche Aussagen, was erlaubt ist und was nicht. Oft findet man als Brautpaar bei Gesundheits- und Standesämtern gar keine Ansprechpartner.

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Zur Person

Svenja Schirk, 34, ist seit zehn Jahren Hochzeitsplanerin mit einer eigenen Agentur in Berlin-Steglitz. Sie organisiert normalerweise fünf bis zehn Hochzeiten im Jahr. Schirk kommt aus Nürnberg und ist gelernte Eventmanagerin. Sie arbeitete in Agenturen im In- und Ausland, bevor sie sich 2010 selbstständig machte.

Es gibt auch Paare, die ihre Hochzeit nicht verschoben haben und kleiner feiern. Gerade der 8.8.2020 dürfte in den Standesämtern trotz Corona ausgebucht sein... 

Leicht zu merkende Daten sind generell beliebt. Speziell bei der 8 ist es noch mal besonders – die liegende Ziffer ähnelt dem Zeichen für Unendlichkeit. Und da werden im Zusammenhang mit einer Ehe sogar Nichtromantiker gefühlig.

Was macht für Sie die perfekte Hochzeit aus?

Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Als Geschäftsfrau und Planerin wäre das, wenn alles so läuft, wie das Paar es sich vorstellt. Als Privatperson würde ich sagen, ist das der Moment, wenn ich sehe, wie glücklich das Brautpaar ist – wenn es tanzt, sich in die Augen schaut und sich seiner Liebe freut.

Warum braucht man überhaupt einen Hochzeitsplaner?

Damit an diesem wichtigen Tag alles so läuft, wie man es sich vorstellt. Die Vorbereitung einer Hochzeit erfordert viel Arbeit, man muss sich mit Vertragsrecht auskennen, mit Wein und dazu passenden Gerichten. In den USA ist der Job viel verbreiteter, da gibt es Planer selbst für kleine Feiern. In Deutschland sind einige Kollegen seit 20 Jahren im Geschäft, aber es ist längst nicht so ein großer Markt wie in den USA. Als ich vor zehn Jahren anfing, musste ich meinen Beruf immer erklären.

Heute sieht man Hochzeitsplaner in zahlreichen TV-Shows, die die Feiern üppigst inszenieren. Da gibt es Brautkleider für mehrere 1000 Euro, dazu eine Armada an Fotografen und Stylisten, Kutschen, fliegende Tauben. 

Im Fernsehen wird die normale 08/15-Hochzeit nicht ausgestrahlt, dabei ist es genau die, die wir am häufigsten erleben: Das Paar will heiraten, schön essen und hinterher mit Freunden und Familie feiern. Dann gibt es aber noch die Menschen, die auf Pinterest und in Online-Blogs schauen und dann das ganz ausgefallene Event wollen. Manche fallen aus allen Wolken, dass solche Feiern dann 30.000 Euro aufwärts kosten.

Und was kosten die Hochzeiten, die Sie planen?

Ich fange bei 25.000 Euro Feierbudget an – da sind Outfit und Planer nicht mitgerechnet. Aber ich mache ja auch nur Mottohochzeiten: Punk, Rockabilly, Gothic. Da muss sehr viel angefertigt werden, sonst sieht’s am Ende aus wie Kindergeburtstag. Für die Planung bekomme ich selbst meist zwischen 4000 und 5000 Euro. Dazu muss man sagen: 100 Arbeitsstunden für eine Hochzeit sind gar nichts.

Durchgestylt: Diese Tischdekoration bekäme im Fernsehen wohl zehn von zehn Punkten.
Foto: Ganz in Weise.

Welchen Fehler machen die meisten Paare bei der Planung?

Viele, die keinen Profi an ihrer Seite haben, bekommen Zeitprobleme. Gute Locations sind in Berlin und Umland anderthalb Jahre im Voraus ausgebucht. Dasselbe gilt für gute Fotografen und Stylisten. Ich kann nur jedem ans Herz legen, mit der Hochzeitsplanung rechtzeitig anzufangen.

Und bei der Feier selbst: Was ist der Stolperstein schlechthin?

Wichtig ist, dass das Brautpaar am Hochzeitstag selbst nicht mit der Organisation betraut ist. Ich würde immer jemanden beauftragen, der an dem Tag die Fäden in der Hand hält und mithilft. Das können ja auch Familie oder Freunde übernehmen. Außerdem würde ich Standesamt und Kirche an getrennten Tagen machen. Je entzerrter, desto stressfreier fürs Brautpaar. 

Gibt es auch Vorstellungen, die Sie nicht erfüllen können?

Ein absolutes No-go für mich sind rassistische Einstellungen und eine rechte Gesinnung. Ansonsten vermeide ich alle Zeremonien, die mit Tieren zu tun haben. Fliegende Tauben oder Schmetterlinge, das finde ich schlimm. Die Schmetterlinge liegen schockgefroren in einem Kästchen und tauen dann auf, bis man sie fliegen lässt. Ein Trend, der glücklicherweise abgenommen hat.

Und wie sah Ihre eigene Hochzeit aus?

Damals war ich schon Planerin, was die Erwartungen meiner Familie und Freunde in unglaubliche Höhen klettern ließ. Mein Mann und ich hatten keine Lust, das zu erfüllen. Wir haben zu zweit am Strand von Mauritius geheiratet – barfuß, aber auch mit Hochzeitsplanerin. Das hat am Ende mehr gekostet als in Deutschland, aber es waren die drei tollsten Wochen meines Lebens.