Der Termin steht schon lange fest: Am 25. Mai kommenden Jahres wollen sich Ines Dippe (39) und Grit Merker (33) das Ja-Wort geben. 95 Gäste werden dabei sein, Freunde, Kollegen, die Familie. Auch den Ort für die Feier danach haben die Chefin einer Personalagentur und die Polizeibeamtin schon längst ausgewählt: ein Restaurant an der Elbe. Nur was sie an ihrem großen Tag anziehen wollen, wissen sie noch nicht so recht.

Um sich Inspiration zu holen, sind die Magdeburgerinnen bei einem Berlin-Kurztrip extra in den „Lebensort Vielfalt“ nach Charlottenburg gekommen. In dem Haus in der Niebuhrstraße 59/60 gibt es nicht nur eine Schwulenberatung und Deutschlands erstes Altersheim für Homosexuelle, sondern auch einen großen Veranstaltungssaal für die Community. Am Wochenende fand dort die Hochzeitsmesse „Just Queer“ statt, eine der ersten Veranstaltungen dieser Art in der Hauptstadt.

Gut verdienend und feierfreudig

Denn inzwischen entdeckt die Branche auch Homosexuelle als gute Kundschaft. Nicht von ungefähr. Schließlich gelten insbesondere schwule Männer als meist gut verdienend und feierfreudig. Seit 2001 können homosexuelle Paare ihre Verbindung als eingetragene Lebenspartnerschaft amtlich besiegeln lassen. Sie haben damit in vielen Bereichen ähnliche Rechte wie Mann und Frau in einer Ehe. Vor allem im Steuer- und im Adoptionsrecht gibt es aber, zu Recht heftig kritisiert, noch Ungleichheit.

Dennoch treten immer mehr schwule und lesbische Paare vor den Traualtar. Marco Fuß (44) aus Prenzlauer Berg, der die Hochzeitsmesse in Charlottenburg organisiert hat, spricht von rund 1 000 queeren Hochzeiten pro Jahr in Berlin. Drei Viertel der Paare seien Männer, nur ein Viertel Frauen. Allerdings: Angesichts geschätzter bis zu zehn Prozent gleichgeschlechtlich Liebender bei einer Stadtbevölkerung von etwa 3,5 Millionen Menschen sind das noch nicht wirklich viele.

„Welcome to Paradise“

Fuß ist eigentlich Grafiker und Kommunikationsdesigner. Er hat für große Agenturen und bekannte Labels gearbeitet. Seit zwei Jahren ist er Wedding-Planner – speziell für queere Paare. Dafür hat er sein eigenes Unternehmen Gleich & Gleich gegründet und bisher zehn Homo-Hochzeiten organisiert. Sein Einstiegspreis liegt bei 1 790 Euro, die Grenze nach oben ist offen: „Das richtet sich danach, was das Brautpaar will.“ Homosexuelle seien durchschnittlich älter als andere Paare, hätten mehr Geld – „und meist keine Schwiegermütter, die sich in die Hochzeitsplanung einmischen“.

„Schwule oder lesbische Hochzeiten sind ein zweites Coming out“, sagt er, „aber ein lustvolles.“ Das will zelebriert sein. Als er 2010 seinen Mann Eric Pullen (47) geheiratet hat, einen Personal Trainer, der aus Holland stammt, haben sie sich etwas einfallen lassen, wovon Freunde und die Familie noch heute gern sprechen: Polterabend im Mauerpark, die Eintragung der Partnerschaft im Palais am Festungsgraben, danach Rundfahrt mit Schiff und gemieteten Doppeldecker-Bus.

Und am Abend eine „White Party“ im Hinterhof in Prenzlauer Berg, Thema: „Welcome to Paradise“, ein wenig an die US-Serie „Love Boat“ erinnernd. Es gab balinesische Schirme, japanische Laternen, deren Form ein M@E ergaben, hingen von den Bäumen. „Und alle kamen ganz in Weiß“, erzählt Fuß.

Getanzte Modenschau

Fuß will die Paare an ihrem besonderen Tag gut aussehen lassen, sagt er. Zur Messe in die Niebuhrstraße hat er deshalb Vertreter gediegener Restaurants und Hotels eingeladen. Modeateliers lassen ihre Modelle (lange Kleider und Anzüge aus fließendem Stoff für die Frauen, seidene Sakkos und Hosen, mehr oder weniger dezent gemustert für die Männer) bei getanzten Modenschauen vorführen. Ein Limousinenservice und eine Tortenmanufaktur präsentieren sich.

Schrilles wie beim Christopher Street Day gibt es kaum, sieht man von einem in rosa Glitzer und Federn gekleideten Engel einer Eventagentur ab. Dafür den ultimativen Brautstrauß für queere Paare, den Karsten Flöter entwickelt hat – ein kugeliges Gebilde, das sich in der Mitte auseinandernehmen lässt. „Bei gleichgeschlechtlichen Paaren ist doch immer die Frage: Wer nimmt den Strauß?“, sagt der Florist.

Am Ende haben sich Ines Dippe und Grit Merker noch nicht für ihre Hochzeitskleider entschieden. Aber einen Workshop im Schmieden von Eheringen wollen sie unbedingt belegen: „Das ist dann doch etwas ganz Besonderes.“ Dass so etwas auch Hetero-Paare gern machen, ficht die Frauen nicht an. „Für uns bedeutet die Eintragung unserer Partnerschaft schließlich genauso eine Ehe wie für sie.“