Berlin - Wenn im Juni der Großflughafen in Schönefeld eröffnet, werden sich die Preise auf dem Vermietungsmarkt für Büros verändern. Zu den Gewinnern nach der Eröffnung des neuen Airports werden nach Ansicht des Maklerhauses Jones Lang LaSalle (JLL) zum einen die Vermieter von Büroflächen direkt in Schönefeld gehören.

Zum anderen sind es die Anbieter von Büros in Berlin, die per Bahn und Auto vom Airport gut zu erreichen sind. „Die prominentesten Gewinner werden die Mediaspree, der Hauptbahnhof und das Südkreuz sein“, prophezeite am Dienstag JLL-Vermietungsexperte Jan Hübler. Vom neuen Airport sind diese Gebiete in einer halben Stunde gut zu erreichen.

Mit der Eröffnung des neuen Flughafens erwarten die Experten von JLL, dass die Nachfrage nach Büroflächen steigt, sagte Hübler. Schon jetzt seien in einem neuen Bürozentrum am künftigen Airport zirka 70 Prozent der Flächen vermietet. In der Nähe des Terminals würden dabei Preise von 20 Euro je Quadratmeter gezahlt. Das ist dicht dran an der Miete von 21,50 Euro pro Quadratmeter, die ansonsten in Berliner Spitzenlagen wie am Potsdamer Platz gezahlt wird.

Weiter weg vom Terminal wird es jedoch mit Quadratmeterpreisen von 14 bis 18 Euro billiger. Zu diesen Preisen sind auch Büros entlang der Spree in Friedrichshain (Mediaspree) und am Südkreuz in Schöneberg zu mieten. Am Hauptbahnhof in Mitte werden wegen der Nähe zum Regierungsviertel hingegen 18 bis 25 Euro verlangt.

Steigende Nachfrage

In der Nähe des Flughafens mieten sich derzeit vor allem Unternehmen aus der Luftfahrtbranche ein. Die Makler von JLL vermuten, dass Unternehmen, die jetzt noch in der Nähe des Flughafens Tegel residieren, nach der Eröffnung des neuen Airports in Richtung Südosten abwandern. Kritisch bewertet Jones Lang LaSalle die Planungen des Senats für die Nachnutzung der innerstädtischen Flughäfen. Die beiden Gebiete würden in Wettbewerb zueinander treten.

Die Stadt müsse sich stärker Gedanken machen, wie sie die Areale thematisch positioniere. Für Tegel, wo die Flächen nach Einstellung des Flugbetriebs zum Großteil industriell-gewerblich genutzt werden sollen, sehen die Experten „noch keine Riesen-Nachfrage“, wie JLL-Direktor Philipe Fischer formulierte. Möglicherweise eigneten sich die Flächen in Tegel besser für den Wohnungsbau, sagte Rüdiger Thräne, Berliner Niederlassungsleiter von JLL.

Die Nachfrage nach Büroflächen in Berlin ist im vergangenen Jahr laut JLL weiter gestiegen. Mit der Vermietung von rund 540.000 Quadratmetern Bürofläche wurde 2011 das zweitbeste Ergebnis der vergangenen zehn Jahre erzielt. Auf Expansion sind vor allem Internetfirmen wie Amazon, Groupon und Zalando aus, die im vergangenen Jahr jeweils mehrere tausend Quadratmeter anmieteten. Das dickste Geschäft war der Mietvertrag von Mercedes-Benz über 26.000 Quadratmeter in der Media-Spree, wo ein Neubau für das Unternehmen gebaut wird.

Der geplante Wegzug von Mercedes aus der Daimler-City erschwert nach Einschätzung der Experten den geplanten Verkauf des Stadtviertels am Potsdamer Platz. Denn der Daimler-Konzern gibt mehrere 10.000 Quadratmeter Bürofläche auf. Nachmieter sind nicht in Sicht. Die Kaufinteressenten für die Daimler-City waren deswegen nicht bereit, die von der Eigentumsverwalterin SEB Asset Management geforderten 1,4 Milliarden Euro zu zahlen. Deswegen kam der Verkauf im Jahr 2011 nicht zustande. Bei einer besseren Vermietung könne das Geschäft aber noch klappen, so JLL.