Heidesee - Jeder kennt diese Geräte aus der Zirkusmanege, aber fast niemand kennt ihren Namen: Lena und Nina trainieren schon eine ganze Weile mit ihren „Rola Bolas“: Jede der beiden Elfjährigen legt einen Zylinder flach auf den Boden und darüber ein Brett, auf dem sie dann versuchen, ihr Gleichgewicht zu halten, ohne wieder runterzufallen. Das ist eine sehr wacklige Angelegenheit, die überhaupt nicht so einfach ist, wie es bei den Clowns im Zirkus aussieht, die dann auf solchen Balancegeräten auch noch jonglieren.

Grinsend versuchen Lena und Nina es erneut, und als sie wieder abrutschen, lachen sie ausgelassen und behaupten: „Das ist nur der Vorführeffekt.“ Dafür, dass sie erst seit zwei Tagen trainieren, sind sie ziemlich gut.

Die beiden Schülerinnen sind in einem der größten Ferienlager im Land Brandenburg zu Besuch: Im „KiEZ“ Hölzerner See – die Abkürzung steht für Kinder- und Jugenderholungszentrum. Dort besuchen die beiden das Zirkuscamp.

2,2 Millionen Übernachtungen

Ein gemeinnütziger Verein, der in diesem Sommer sein 25. Gründungsjubiläum feiert, betreibt neben diesem auch noch ein Ferienlager am nahe gelegenen Frauensee. In beiden Objekten wurden seit 1992 mehr als 2,2 Millionen Übernachtungen gezählt.

Lena und Nina, die aus der Umgebung kommen, bereiten sich mit anderen Kindern eine Woche lang auf die große Zirkusvorführung am Ende des Ferienlagers vor – zu der auch ihre Eltern kommen. „Nervös sind wir nicht“, sagt Lena.

Lena kennt schon „jeden Baumstumpf“ im KiEZ, denn sie war schon mehrmals hier. Nina ist zum ersten Mal in einem Ferienlager, doch Spaß haben sie beide. Besonders begeistert erzählen sie von einer magischen Nachtwanderung. Sie haben sich Zauberstäbe gebastelt und eine Betreuerin in ein Kaninchen verwandelt – aber auch wieder zurück. „Wäre ja schlimm, wenn wir sie als Kaninchen gelassen hätten“ sagt Lena.

Die Region am Hölzernen See war einst ein Tummelplatz für königliche Jagdgesellschaften. Ab etwa 1920 wurde am Ufer auch gezeltet und es fanden Sommerlager statt. Das Ferienlager am Hölzernen See gibt es seit 1949, es war ein Zentrales Ferienlager der „Jungen Pioniere“ in der DDR. Damaliger Träger war der Betrieb VEB Elektrokohle in Berlin-Lichtenberg. Das einstige Pionierzeltlager am Frauensee öffnete 1950 und trug den Namen des ehemaligen sowjetischen Staatsoberhauptes Michail Iwanowitsch Kalinin.

Die Wohnblocks mit den 600 Betten am Hölzernen See – meist Plattenbauten im Wald – wirken auf den ersten Blick eher trist. Aber das stört die Kinder nicht, denn sie sind mitten in der Natur, wo sie sich austoben können. Der gemeinnützige Verein bietet ein umfangreiches Angebot vom Zirkus- bis zum Outdoorcamp.

Geschäftsführerin Christine Schilling ist seit 21 Jahren Mitglied im Verein und sagt: „Ich habe mein Herz an den See verloren und bin ein enthusiastischer Ferienlagerfan.“ Sie erklärt, was den Ferienort so besonders macht: „Bildung für nachhaltige Entwicklung steht bei uns ganz oben. Bei den Projekten dafür haben wir uns auf Wasser spezialisiert. Schon seit 1998 machen wir Wasseruntersuchungen und Experimente mit den Kindern“.

Wasser gibt es reichlich: Nicht nur den Hölzernen See, es gibt auch Tümpel im Wald, sowie den Förstersee mit seinem Moor, bei dem die Kinder seit 2008 bei der Renaturierung helfen.

Die Chefin nennt Gründe, warum Eltern ihre Kinder für ein bis zwei Wochen ins Ferienlager schicken: Die einen sind vor allem an den Ökologieprojekten interessiert, andere finden für ihre Kinder nicht sechs Wochen lang eine Betreuung, oder sie haben kein Geld für einen gemeinsamen Urlaub. „Aber sie wollen ihren Kindern eine schöne Zeit ermöglichen“, sagt Christine Schilling.

Von der EU gefördert

Das Herzstück dieses Objektes mitten im Wald ist allerdings der Wasserspielplatz. Die Kids spielen dort leidenschaftlich gern mit dem kühlen Nass und bauen Staudämme aus Sand, selbst wenn es regnet.

Gleich neben dem lehrreichen Spielplatz steht das „Haus des Wassers“. Es bietet Einblick in das Unterwasserleben des Sees. Es werden nicht nur Modelle von Tieren – zum Beispiel überdimensional große Karpfen oder Krebse gezeigt – auch wird alles erklärt rund ums Thema Wasser und den nachhaltigen Umgang mit der wichtigen Ressource. Das Projekt wurde von der Europäischen Union mit 200 000 Euro gefördert.

„Wir versuchen, den Kindern nahe zu bringen, was sie bereits zum Umweltschutz beitragen können,“ sagt Christine Schilling. „Es ist wirklich erstaunlich, wie sie dann ihre unmittelbare Umgebung mit ganz anderen Augen sehen und sensibler mit Tieren und Pflanzen umgehen.“

Was Nachhaltigkeit ist, wissen Lena und Nina noch nicht so genau, aber das wird sich sehr bald ändern. Denn obwohl die beiden elfjährigen Nachwuchsartisten im Zirkuscamp sind, sollen sie natürlich nicht nur trainieren und lachen, sondern – so wie alle anderen hier – auch etwas über die Natur lernen. Deshalb werden sie am Nachmittag das „Haus des Wassers“ besuchen.

„Das Ganze ist besser als Schule“, sagt Lena. „Nicht nur, weil wir hier länger schlafen dürfen.“