Hohenschönhausen: Hoch hinaus

Geht es nach Dirk Moritz, dann werden in zwei Jahren am Sportforum in Alt-Hohenschönhausen Wolkenkratzer in den Himmel wachsen. Der Berliner Immobilienentwickler will auf einer Fläche am Weißenseer Weg/Konrad-Wolf-Straße drei Hochhäuser errichten. Wohnungen, Büros und Geschäfte sollen in dem Komplex, der „Square“ genannt wird, entstehen. Das höchste Gebäude soll 118 Meter Höhe erreichen – und damit genauso hoch sein wie das „Zoofenster“ in der City West und dessen geplantes Pendant am Breitscheidplatz, das „Upper West“. Moritz, der selbst lange im Ortsteil gelebt hat, will mit „Square“ den Berliner Bestlagen Konkurrenz machen.

„Die Stimmung im Bezirk für das Projekt ist positiv“, sagt Baustadtrat Wilfried Nünthel (CDU). Nicht nur, weil damit eine lange vernachlässigte Ecke aufgewertet würde. „Wir erwarten auch positive Auswirkungen auf die gesamte Konrad-Wolf-Straße.“ Denn die traditionelle Einkaufsstraße von Alt-Hohenschönhausen gibt kein gutes Bild ab.

Viele alteingesessene Geschäftsinhaber mussten aufgeben, oft zogen Billiganbieter, Versicherungen und Imbisse nach. Wo einst ein Schuhladen war, gibt es heute eine Physiotherapiepraxis mit Sauna; im Fischladen ist Döner King 2005 ansässig, ins ehemalige Bekleidungsfachgeschäft zog eine Resterampe ein.

Und das frühere Kino Venus in der nahe gelegenen Degnerstraße ist schon seit Jahren geschlossen. Gehalten haben sich unter anderem die Bäckerei Blauert, die Fleischerei Darowski und Pietschmanns Restaurantcafé – Geschäfte zwischen Schöneicher und Freienwalder Straße, die Qualität bieten und treue Stammkunden haben. Auch der kleine Eisladen dort existiert schon mehr als fünf Jahrzehnte.

Annelie Faber, Inhaberin der Adler-Apotheke, bezweifelt, dass gerade die Hochhäuser der Straße einen Schub bringen. Denn auch der Bau des Hohenschönhauser Tors in den 90er-Jahren, das dem geplanten Komplex gegenüberliegt, habe sich nicht positiv ausgewirkt: „Dort stehen viele Geschäfte und Büros leer.“ Eher gebraucht würden „hübsche kleine Läden in der Straße, die auch mal etwas Besonderes bieten“, sagt sie. Wie das „Sandmännchen“, ein Spielzeuggeschäft mit Modellbau, das in einen früheren Möbelladen einzog.

Reinhard Freund mit seinem „Orankebuch“ im Erdgeschoss eines Neubaus nahe der Orankestraße kann über mangelnde Kundschaft nicht klagen. Er bietet nicht nur Bücher an, sondern hat auch eine große Auswahl an Kalendern und Postkarten sowie eine CD-Ecke, wo es Werke von Komponisten abseits des Mainstreams gibt. Auch eine kleine Papeterie hat er eingerichtet. „Wir sind in eine Nische gestoßen“, sagt der Buchhändler. Ob die Hochhauspläne zur Konrad-Wolf-Straße passen? Er zuckt mit den Schultern: „Eigentlich kann es nur besser werden.“

Baustadtrat Nünthel verweist auf die neuen Bewohner, die mit Realisierung des Projekts nach Alt-Hohenschönhausen ziehen werden. Auch am anderen Ende der Konrad-Wolf-Straße, nahe der Gärtnerstraße und ebenfalls in der Gehrenseestraße sei Wohnungsneubau geplant. „Dieser wird auch eine nachhaltige Wirkung auf die Geschäftsstraße haben“, sagt Nünthel. Denn so kämen neue Kunden in den Ortsteil, meist sozial Bessergestellte. „Darauf wird sich das Angebot in der Konrad-Wolf-Straße dann einrichten können – und auch müssen.“