Potsdam - Nun also doch: Der Nachbau des einstigen Stadtschlosses der Preußenkönige in Potsdam wird dem Original immer ähnlicher. Das Gebäude, das künftig das Landesparlament beherbergen soll, bekommt nun doch noch ein grünes Kupferdach - so wie es das alte Schloss zierte und so wie es die benachbarten historischen Gebäude auf dem Alten Markt haben.

Der Nachbau des Hohenzollernschlosses soll etwa 120 Millionen Euro kosten. Doch dabei war nur ein graues Zink-Dach eingeplant, weil das billiger ist und der Bauherr, das Finanzministerium, nicht mehr eingeplant hat. Nun aber will Hasso Plattner, der Gründer des Softwarekonzerns SAP, 1,6 Millionen Euro für ein Kupferdach spendieren.

Ein Ja aus China

Das Gerücht kursierte am Mittwoch den ganzen Tag in Potsdam, aber es gab keine Bestätigung, denn Plattner weilt derzeit in China. Dort will der 67 Jahre alte SAP-Aufsichtsratsvorsitzende die dritte Zweigstelle des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts eröffnen - nach Kapstadt und Haifa. Der Sprecher des Instituts wies darauf hin, dass Plattner seine privaten Aktivitäten als Mäzen strickt von denen des Instituts trenne und deshalb auch dem Institut nie von seinen Spenden erzähle.

Am Abend kam dann die Bestätigung und die Freude war groß. „Das ist ganz wunderbar und wir freuen uns sehr“, sagte Finanzminister Helmuth Markov (Linke). Und Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) wurde fast lyrisch: „Ich begrüße seine Entscheidung außerordentlich. Der Landtag bekommt damit seine Krone aufgesetzt und die neue Potsdamer Mitte erstrahlt in einem noch schöneren Glanze.“

Nun ist klar, dass es vor allem das Verdienst von privaten Geldgebern ist, wenn der Neubau außen alt - also historisch - aussieht. Es begann 2000. Damals ließ der TV-Moderator Günther Jauch auf dem leeren Platz vor der Nikolaikirche für etwa drei Millionen Euro das berühmte Fortuna-Portal - den schönsten Eingang des Schlosses - nachbauen. Er bezahlte das Projekt aus Werbeeinnahmen für die Betonwirtschaft und sah es ganz bewusst als Anstoß, das Schloss wieder aufzubauen. Das Gebäude war nach Bombenangriffen der Alliierten im Jahr 1945 weitgehend ausgebrannt. Die Reste ließ die SED 1960 sprengen. Die Debatte um den Nachbau und die „Wiedergewinnung der historischen Mitte“ Potsdams zog sich über Jahre hin. Bis Plattner dann 20 Millionen Euro spendierte - mit einer Bedingung: Die historische Fassade des Knobelsdorff-Schlosses sollte möglichst originalgetreu nachgebaut werden.

Doch wegen der Ausführung kommt es immer wieder zu Streit. Der Baukonzern BAM errechnete Mehrkosten für ein Kupferdach von 1,6 Millionen Euro, die niemand übernehmen wollte. Der Verein Mitteschön, der für die historische Gestaltung des Stadtzentrums kämpft, suchte Spender, aber es reichte nie.

Überglücklich übers Kupferdach

Es gab sogar Demos für ein Kupferdach, zur letzten kamen am 26. Oktober 150 Leute. Dass Plattner nun erneut Geld gibt, halten Leute, die ihn gut kennen, nur für logisch. Er konzentrierte einen Großteil seines wohltätigen Tuns auf die Region Potsdam, heißt es. Außerdem habe er bereits 20 Millionen Euro für die Fassade gegeben und wolle nun ein „graues Industriedach“ verhindern.

Der Verein Mitteschön will schon lange ein Kupferdach. „Das Schloss wurde der Stadt mit Gewalt genommen“, sagte Barbara Kuster. „Nun soll es möglichst originalgetreu aussehen, denn Potsdam wurde um dieses Schloss komponiert.“ Deshalb sei sie nun überglücklich.

Aber Barbara Kuster ärgert sich auch: Die vom Baukonzern BAM errechneten Mehrkosten von 1,6 Millionen Euro für Kupfer seien viel zu hoch. „Unsere Fachleute gehen von nur 400.000 Euro aus“, sagte sie. Auf eine ähnliche Summe sei auch der Bund der Steuerzahler gekommen und es soll auch eine Potsdamer Firma geben, die das Dach für eine solche Summe mit Kupfer decken wollte. „Nun kann sich der Konzern freuen, dass er von Herrn Plattner so viel Geld bekommt.“

Gleichzeitig kritisiert Kuster, dass immer wieder versucht werde, vom barocken Vorbild abzuweichen und billiger zu bauen. So gab es Proteste, weil offenbar moderne Fenster eingebaut werden sollten. „Die Kontrolleure vom Finanzministerium haben das nicht mitbekommen“, sagte sie. „Alles, was sich zum Positiven ändert, also zum historischen Vorbild, kommt nur durch den Protest der Bürger. Sie übernehmen die Kontrollfunktion.“