Neuköllner Wohnhaus, dessen Bewohner wegen Covid-19-Erkrankungen unter Quarantäne gestellt wurden. 


Foto:    Carsten Koall

BerlinDie Quarantäne für mehrere Häuserblocks in Nordneukölln muss dringend auf den Prüfstand. Es ist zwar notwendig, gegen Hotspots auch an Wohnorten schnell und gezielt vorzugehen – gerade in einer verwinkelten Hinterhof-Stadt wie Berlin, besonders wenn die Infektionszahlen wieder steigen. Die Menschen aber Zuständen zu unterwerfen, wie sie in Neukölln herrschen, ist unverantwortlich, gesundheitsgefährdend, asozial.

Dabei gibt es zwei Probleme. Erstens: die Umsetzung in Neukölln. Sie ist offensichtlich miserabel. Man hat kein Hygienekonzept für den aus Infektionsschutzsicht so schwierigen Bau erstellt. Man hat die Bewohner schlecht informiert. Bis heute sind nicht alle durchgetestet worden. Das Bezirksamt kann nicht einmal die Frage beantworten, wie viele Menschen es an sieben Standorten unter Quarantäne gesetzt hat. 369? 3690? Man weiß es nicht. Wie kann das sein? Die Menschen sitzen in ihren Wohnungen. Es sollte gelingen, sie zu zählen und – noch wichtiger – zu testen.

Glauben Sie, es wäre in Mitte, in Charlottenburg-Wilmersdorf ebenso gelaufen? Nein. Dort hätten sich die Bewohner gar nicht angesteckt, ihre Wohnungen sind geräumig genug. Dort aber hätten auch die Medien genauer auf das „Wie“ und nicht nur auf das „Wer“ geschaut. Womit wir bei dem größeren zweiten Problem wären: dem mit der Quarantäne-Entscheidung einhergehenden Begleitrauschen von Rassismus, Antiziganismus und Klassismus. 

Es gibt eine simple, menschenfreundliche Alternative zur Quarantäne. Das ist nicht meine Idee, sie stammt von den Bewohnern der Häuser an der Treptower Straße. Sie finden: Holt die Infizierten schnell aus den zu engen Häusern. Pflegt sie gesund – und bringt sie dann zu uns zurück. Eine bestechend simple Idee. Und Platz wäre da: Berlin hat ein leerstehendes Covid-Krankenhaus.