Holzmarkt in Friedrichshain: Kater Holzig-Macher planen Haus für Kreative

Noch werden unterm S-Bahnbogen an der Michaelbrücke in Friedrichshain Autos verkauft, aber spätestens ab 2015 soll dort ein Zwölfgeschosser gebaut werden. Es ist keines der üblichen Bürohäuser, es ist das Eckwerk, das neueste Projekt der Macher des  ehemaligen Kater Holzig vom gegenüber liegenden Ufer, die derzeit in Friedrichshain südlich der Bahntrasse an der Spree auf 18.000 Quadratmetern  ihren Holzmarkt aufbauen.

Schon jetzt erinnert dort einiges an die legendäre Bar 25, die dort bis Ende 2011 einlud: In der „Pampa“, dem östlichen Areal des Holzmarktes, kann man schon prima am Wasser sitzen, auf Ledersofas, Holzbänken oder in Hängematten. Zwischen den Sitzgruppen blühen im „Mörchenpark“ Tulpen, Kirschbäumchen und Erdbeeren. An einem Bartresen kann man Bier und Wasser kaufen, für Kinder ist eine große Sandlandschaft aufgeschüttet und in einer Eventhalle aus Sperrholz und alten Fenstern finden Veranstaltungen statt.   Geöffnet ist die „Pampa“, Eingang Holzmarktstraße 30, donnerstags und freitags ab 16 Uhr und samstags und sonntags ab 14 Uhr.

Nebenan ist noch Baustelle – dort wird das Hüttendorf für Handwerker und Händler, ein Restaurant am Wasser und natürlich wieder ein Club entstehen. Auch ein Hotel und eine 24-Stunden-Kita sind noch geplant.

Am Freitag ging’s aber um das Eckwerk, das nördlich der Bahntrasse ab 2015 gebaut werden soll. Es ist eine Art Gründerzentrum für junge Firmen, aber auch 400 Wohnungen für Studenten soll es geben. Der „Vater des Eckwerks“ Andreas Steinhauser sagte, man wolle etwas, was auf den ersten Blick als unmöglich gilt, realisieren. Arbeiten und Wohnen in einem Haus beispielsweise.

Als Architekten für das Haus mit der geschwungenen Fassade, die größtmöglich aus Holz besteht, sind die renommierten Büros Kleihues+Kleihues und Graft beauftragt worden. Auftraggeber ist die Genossenschaft für urbane Kreativität, die gemeinsam mit den Holzmarkt-Machern an dieser Stelle „die Stadt neu denken“ wollen. Ziel des Ganzen sei aber nicht Rendite, sagte Steinhauser, sondern in dem Haus sollten „die kreativsten Köpfe an Antworten auf  Fragen unserer Zeit“ tüfteln. „Wir haben, im Gegensatz zu vielen Menschen, keine Angst vor der Zukunft, sondern wir wollen gemeinsam an einer besseren Zukunft arbeiten“, sagte Steinhauser.

Kosten von 60 Millionen Euro

Fünf Türme haben die Architekten entworfen, die auf einem gemeinsamen Sockel stehen, der zugleich als Terrasse dient. Maximale Höhe der Häuser: 43 Meter. Auf dem 2.000 Quadratmeter großen Dach, das begrünt wird, sollen Fische gezüchtet und Gemüse angebaut werden. „Wir wollen viele Lebensmittel selbst herstellen, die in unserer Kantine und im Holzmarkt-Restaurant verarbeitet werden“, sagte Steinhauser. In dem Gebäude, dessen Grundriss flexibel gestaltet werden soll, können Studenten gemeinsam mit Forschern und Unternehmern an Themen wie Umwelt, Ernährung  und Energie tüfteln.

Für junge Firmen soll es die „niedrigsten Gewerbemieten Berlins“ geben, wird versprochen. Verbindendes Element durch alle Häuser und Etagen soll ein „Bergpfad“ sein, der öffentlich ist. Auch 400 Wohnungen sind im Eckwerk geplant,  wofür  die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewobag gewonnen werden konnte. Die Gewobag werde sich nicht nur finanziell am Neubau beteiligen, sondern sie sei vor allem interessiert daran, wie ein solches innovatives Projekt  funktioniere, sagte ihr Vorstandsmitglied Markus Terboven.

60 Millionen Euro soll das Eckwerk kosten. Die Holzmarkt-Leute haben ein Finanzierungsmodell erarbeitet, das sie jetzt Banken vorstellen wollen, sage sie. Ob das Eckwerk wirklich  genau so gebaut wird wie sich das die Bauherren und Architekten vorstellen, darf allerdings bezweifelt werden. Noch müsse mit den zuständigen Ämtern ein gangbarer Weg gefunden werden, hieß es am Freitag. Mit anderen Worten: Baugesetz und andere Vorschriften sind in der schönen Idee noch nicht mit eingepreist, längere Diskussionen sind programmiert.

Aber das sei letzlich egal, meinte Justizsenator Thomas Heilmann (CDU), der das Holzmarkt-Projekt als alternative Art der Stadtentwicklung positiv betrachtet:  „Berlin braucht ungewöhnliche Allianzen und ungewöhnliche Ideen.“ Auch der künftige Kulturstaatssekretär Tim Renner, der selbst Mitglied der Holzmarkt-Genossenschaft ist, machte seinen Mitstreitern Mut: „Es ist eine faszinierende Sache, wenn Menschen etwas wagen“, sagte er. Man müsse sich nur trauen anzufangen, auch auf die Gefahr hin zu scheitern. Renner: „In Berlin darf man auch das.“