Homeoffice stellt Eltern mit kleinen Kindern vor große Herausforderungen.
Foto: imago images

BerlinEs ist dunkel, ein kleines Wesen steht am Bett, es hat seine Plüschkatze und eine Frage dabei: „Mama, heute Kita zu?“ Das fragt die Dreijährige jeden Tag. Meistens antworte ich: Nein, die Kita hat geöffnet. Heute sage ich: „Ja, die Kita ist zu, morgen und übermorgen auch.“ Länger kann die Dreijährige nicht denken, länger kann grad kaum jemand denken. Fünf Wochen soll die Kita geschlossen bleiben. So lang haben wir zu viert noch nie zusammen auf neunzig Quadratmetern verbracht. „Wann gehen wir zu Justus und Lene“, fragt der Fünfjährige verschlafen. Justus und Lene sind die Nachbarskinder, sie stehen nicht um halb sechs auf.

Drei Bildschirme auf dem Esstisch

Die Kinder haben gefrühstückt, sich angezogen, Zähne geputzt gebastelt, viel schneller als an Kita-Tagen. Ich habe mit meinem Sohn eine Runde Malefiz gespielt. Es läuft ganz gut. Dann schaue ich auf die Uhr. Es ist viertel nach sieben, nur noch 13 Stunden bis zur Schlafenszeit. Mein Mann kommt mit ein paar Tomaten und Milch vom Supermarkt, Gemüse und Fleisch gab es nicht. Kita zu heißt auch: Mehr kochen, mehr Snacks. Mein Mann setzt sich an seinen Arbeitsplatz, der einmal unser Esstisch war und auf dem sich Lego und Ausmalbücher stapeln. Er ist Grafikdesigner und hat drei Bildschirme vor sich aufgebaut.

Punkt neun klingelt es, Justus und Lene von unten stehen vor der Tür, um unsere Kinder abzuholen. Ursprünglich wollten wir uns mit zwei Familien aus der Kita treffen und unterstützen, aber sie wollten dann lieber doch nicht. Angst vor Ansteckung. Jetzt teilen wir uns die Tage mit der Nachbarin auf. Vormittags kümmert sie sich, nachmittags nehme ich die vier Kinder und sie kann etwas arbeiten. Wir haben Glück und einen Garten. Ich sitze auf dem Sofa, fahre meinen Computer hoch, durch die geschlossene Tür höre ich, wie mein Mann den Bildschirm anschreit.

Home Office sei ein Privileg, das sagen viele, vor allem Kinderlose oder Eltern erwachsener Kinder. Schreiben, also recherchieren, lesen, Anrufe tätigen, nachdenken, und kleine Kinder passen nicht zusammen. Man kann auch nicht gleichzeitig schlafen und wachsein, nachdenken und rennen. Weder das eine noch das andere richtig machen zu können, erzeugt eine innere Spannung. Ich kenne das schon, von diesem langen Winter, in dem die Kinder schon oft krank und zu Hause waren, während ich versuche, Kolumnen und Leitartikel zu verfassen.

Bei Paw Patrol bricht das Internet zusammen

Um zwölf hole ich die Kinder ab, Mittagszeit, es gibt Rührei. „Bäh“, sagt sein Sohn und rennt zu meinem Mann, der in einer Videokonferenz steckt. Mein Sohn will wissen, was sein Papa macht und wer diese Menschen auf dem Bildschirm sind. Mein Mann gestikuliert, ich trage meinen Sohn in die Küche. Später gibt es bei uns eine Telefonkonferenz. Ich setze die Kinder vor den Fernseher. Überlaufen die Bildschirme, eine Art Büro-Kita. Während die Kinder „Beat-Bugs“ gucken, eine Serie mit singenden Käfern, wähle ich mich in die Leitung ein. „Ich will Paw Patrol“, ruft meine Tochter. Mein Mann sagt: „Die Internetverbindung ist Mist.“ Ich versuche mich auf die Konferenz zu konzentrieren. „Nein“, schreit mein Sohn. Er boxt seiner Schwester in Seite. Sie weint. „Sie wurden stumm geschaltet“, sagt eine weibliche Stimme in der Leitung. Dann bricht das Internet zusammen.