Kuchen im Homeoffice - ein nicht ganz unübliches Bild zurzeit.
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BerlinDie Welt ist erstarrt – und wir alle auch. Im Idealfall dürfen wir noch zu Hause vor dem Computer arbeiten, klimpern ein wenig auf der Tastatur herum und werden langsam dick. Das liegt natürlich vor allem daran, dass wir uns kaum bewegen. Bei mir fehlen jeden Tag zehn Kilometer auf dem Rad. Der Arbeitsweg.

Aber nicht nur das, auch das ständige Gerenne im Büro fehlt, hin und her, zum Drucker, in die Cafeteria. Selbst die Toilette ist nicht 50 Meter entfernt, sondern nur fünf. Die weiteste Entfernung in unserem häuslichen Coronagefängnis umfasst 21 Schritte.

Handstand oder Sport bei der Arbeit am Computer macht wahrscheinlich niemand.
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Der zweite Grund, warum wir dick werden: Weil sich viele an die Vorgaben des Bundesamtes für Katastrophenhilfe halten und die Vorräte aufgefrischt haben. Gigantische Mengen wurde umgesetzt. Mehr als sonst Weihnachten und Ostern zusammen. In Zeiten, in denen Klopapier die neue Währung ist, wurden die Vorräte der Discounter von den riesigen Lagerhallen auf der grünen Wiese rund um Berlin in die Wohnungen überall in der Stadt verlegt.

Nicht nur Brause, Bier und Bananen

Dabei haben die meisten Leute nicht nur Wasser, Wein und Weißkraut gekauft, oder Brause, Bier und Bananen, sondern auch all die kalorienhaltigen und vor allem haltbaren Dinge: In den potenziell einsturzgefährdeten, weil überlasteten Vorratsregalen häufen sich nun Berge von Paranüssen, Tortilla Chips, Schokoladen, eingeschweißten Salamis und auch Gläser voller Haselnusscreme oder Pflaumenmus.

Solche Vorratshaltung sorgt für eine neue Planwirtschaft: Wann läuft eigentlich das Verfallsdatum bei den Cahewkernen ab? Wann müssen wir sie endlich aufessen? Und dann die noch viel wichtigere Frage: Gibt es die wunderbare dunkle Schokolade mit ganzen Haselnüssen eigentlich demnächst noch, nun, da alle Räder still stehen? Oder sollte ich nicht lieber noch zehn Tafeln kaufen?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung warnt schon mal vor zunehmendem coronabedingtem Übergewicht. Meine Frau warnt mich auch. Sie sieht natürlich, dass sich da unter dem Hemd etwas immer mehr wölbt.

Viel mehr Jogger unterwegs

Sie hat es gut. Sie hat es nicht so mit dem Süßkram und ist nicht suchtgefährdet. Außerdem gehört sie zu den anderen: zu den Joggern. Da diese sportliche Einzelbetätigung nicht auf dem gesellschaftlichen Index steht, sieht man nun ständig und überall Läufer – vom Früh-Morgen-Jogger bis zum Nachtjogger. Es sind viel mehr als sonst.

Und dabei sind es in Berlin zum Winterende immer recht viele. Denn sie trainieren für den alljährlichen Halbmarathon Anfang April. Der darf natürlich nicht stattfinden. Aber die Leute laufen und laufen trotzdem.

Vielleicht ist das eine kleine Hoffnung für die nächsten Wochen: Wenn wir alle so dick sind, dass die Hose nicht mehr zugeht, werden wir alle zu Joggern, denn die Läden haben ja geschlossen. Neue Hosen gibt’s nicht. Oder nur im Internet. Aber wer will die Sieger der Coronakrise im Netz schon noch reicher machen?