Internet ist unverzichtbar in Quarantäne: Gnade uns Gott, wenn es zusammenbricht. 
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BerlinSeit genau einer Woche bin ich jetzt im Homeoffice und kann sagen, dass das eher nichts für mich ist, jedenfalls auf Dauer. Gleichzeitig wächst in uns allen ja gerade die Ahnung, dass sich der gegenwärtige Zustand noch recht lange hinziehen könnte, nicht wahr? Keine schönen Aussichten.

Sieben Tage haben genügt, um mir das Gefühl zu geben, von den wichtigen Dingen des Lebens abgeschnitten zu sein. Trotz Internet und Dauerfernsehen. Das Leben nur zu Hause zu verbringen, ist Mist. Ich muss dazu sagen, dass ich das Haus in den letzten drei Tagen nicht verlassen habe, weil ich Husten und Halsschmerzen habe. Sehr wenig Husten, nur ganz leichtes Halskratzen und, nein, kein Fieber. Ich bin ziemlich sicher, dass ich nur eine Erkältung habe.

Gnade uns Gott, wenn das Internet zusammenbricht!

Aber natürlich gehöre ich damit nicht auf die Straße. So ist aus dem Homeoffice nun eine Quarantäne geworden. Aus unserem Reihenhaus in Steglitz der Zauberberg. Und aus mir, der umtriebigen Redakteurin, eine jammernde Sofakartoffel.

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Dabei hatte ich mich in den letzten Jahren oft danach gesehnt. Nicht jedes zweite Abendessen mit der Familie zu verpassen. Mit den Kindern zu diskutieren, ohne daran zu denken, dass jetzt alle eigentlich ins Bett müssen. Aber schon das Wochenende hat sich zäh hingezogen. Mein Arbeitsplatz ist das Familiensofa im Wohnzimmer, um möglichst keine Live-Schalte im Fernsehen zu verpassen. Mein Mann ist Lehrer, er versucht derzeit vom Arbeitszimmer aus per Mail und Telefon den Kontakt zu seinen Schülern aufrechtzuerhalten. Unsere Teenagersöhne skypen mit ihren Freunden in ihren Zimmern. Gnade uns Gott, wenn das Internet zusammenbricht!

Bei den gemeinsamen Abendessen geht es meist darum, dass die Jungs das Haus verlassen wollen und wir versuchen, sie daran zu hindern. Ich vor allem, weil ich neidisch auf sie bin. Es ist nun mal so, dass unfreiwillige Isolation nicht immer das Beste im Menschen zum Vorschein bringt. Der Kompromiss dieser Diskussionen ist meist, dass die Jungs im Dunkeln rausgehen und zu allen Fremden Abstand halten. Wir sind eine Vampirfamilie geworden.

Corona-Verdachtsfall in der Redaktion

Seit Mittwoch wissen wir, dass wir nun auch in der Redaktion einen Corona-Verdachtsfall haben. Darüber hat uns die Personalabteilung per Mail informiert und nachgefragt, wer engeren Kontakt mit dem Betroffenen hatte. Was ein engerer Kontakt ist, wird dabei vom Bundesgesundheitsministerium sehr nüchtern definiert: persönliche Gespräche von etwa 15 Minuten und/oder von dem Betroffenen angeniest oder angehustet worden zu sein.

Was Letzteres betrifft, sind wir alle, glaube ich, auf der sicheren Seite. Persönliche Gespräche mit meinen Kolleginnen und Kollegen würde ich dennoch gerne so bald wie möglich wieder führen. Von mir aus auch länger als 15 Minuten.

Morgen im Homeoffice: Petra Ahne landet unverhofft an der polnischen Grenze und stellt fest, dass „Social Distancing“ kein Problem ist.