In Zeiten von Ausgehsperren werden sogar die Eltern wieder zu Ansprechpartnern für ihre pubertierenden Kinder. 
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BerlinGenau drei Wochen Homeoffice liegen jetzt hinter mir. Wie lange die Situation so weitergeht, ist noch immer unklar. Aber zum ersten Mal in dieser Coronakrise macht mich das nicht ungeduldig. Ich glaube, ich bin jetzt richtig im Homeoffice angekommen. Mehr noch: Ich frage mich immer öfter, ob ich wirklich komplett zu meinem früheren Alltag zurückkehren möchte, der mich an manchen Tagen wie eine Flipperkugel durch die Stadt getrieben hat.

Viele Wege, die nicht immer gelohnt haben, fallen weg

Termin hier, Pressekonferenz dort, schnell zu einer Besprechung in den Verlag und abends noch mal ein Termin, der sich dann doch nicht als besonders ergiebig erweist. Viele Wege, die sich nicht immer gelohnt haben und die jetzt von vorneherein wegfallen. Na gut, ein bisschen mehr körperliche Betätigung wäre in dieser Zeit vielleicht ganz gut. Aber sonst? Allein der Wegfall des Arbeitsweges beschert mir fast anderthalb Stunden Zeitgewinn. Täglich!

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Nach drei Wochen habe ich auch kaum noch das Gefühl etwas zu verpassen. Klar, mal wieder ausgehen wäre schön. Aber die vielen Videokonferenzen zeigen: Alle anderen sitzen ja auch zu Hause oder maximal im eigenen Büro fest. Bei einem dieser Video-Termine war zu sehen, wie der kleine Sohn einer Kollegin auf ihren Schoß klettert und gemütlich sein Brot isst. Das sah sehr selbstverständlich und harmonisch aus.

Mir ist schon klar, dass das nicht immer und auch nicht in allen Familien der Fall ist. Aber ich bin entschlossen, die Gelegenheit zu nutzen, die sich mir da unverhofft bietet. Es ist nämlich so, dass meine Teenager-Söhne in normalen Zeiten freiwillig ja nur selten zu Hause sein würden. Weil sie nun schon länger ihre Freunde nicht treffen können, sind wir Eltern mittlerweile auch als Gesprächspartner wieder gefragt.

Eltern wieder als Gesprächspartner gefragt

Statt einsilbiger Antworten gibt es bei uns jetzt wieder regelrechte Unterhaltungen. Neulich haben wir sogar einen Spieleabend gemacht. Und der Vorschlag kam nicht von uns Eltern. Dass sich der Alltag relativ harmonisch gestaltet, hat auch mit dem unterschiedlichen Biorhythmus aller Beteiligten zu tun. Drei Viertel unseres Haushaltes sind männliche Nachteulen. Ich bin eine Frühaufsteherin. Das bedeutet, dass ich vormittags viel Platz und Zeit für mich habe. Ab Mittag wird es dann lebhafter, bevor ich am Abend das Wohnzimmer den anderen überlasse.

Ich finde, das klappt sehr gut. Allerdings registriere ich mittlerweile einige deutliche Escape-Strategien bei meiner Familie. Mein älterer Sohn arbeitet jetzt als Lebensmittellieferfahrer. Das ist systemrelevant, weshalb er jeden Tag mit voller Berechtigung das Haus verlassen darf. Er steht dafür sogar freiwillig sehr früh auf. Mein Mann braucht für den täglichen (!) Einkauf auch jedes Mal länger. Ich ignoriere diese leichten Ausfransungen unserer familiären Idylle. Noch habe ich das gesamte System auf meiner Seite.

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